Der Racing Club de Strasbourg hat einen neuen Trainer

Lange hat die Trainersuche von Racing nach dem gestrigen Abgang von Liam Rosenior zum FC Chelsea nicht gedauert – der neue Coach ist Gary O'Neil. Wieder ein Engländer.

Gary O'Neil ist der neue Trainer des Racing Club de Strasbourg - wir wünschen viel Erfolg! Foto: Egghead06 / Wikimedia Commons / CC-BY 3.0

(KL) – Der Racing Club de Strasbourg bleibt eine Filiale des FC Chelsea und so ist es nur logisch, dass die Eigner „BlueCo“ den Elsässern erneut einen englischen Trainer vor die Nase setzen. Somit ist sichergestellt, dass die bei Racing „geparkten“ Chelsea-Profis jederzeit im Blick sind und, wenn sie sich dann in der französischen Liga durchgesetzt haben, in die Premier League wechseln. Für Racing ist das schwierig, denn einerseits haben die Eigner Millionen in den Club gepumpt, doch andererseits ist es fast unmöglich, in dieser Situation ein echtes, sportliches Projekt zu entwickeln. Aber wer ist Gary O’Neil?

Gary O’Neil, 42 Jahre, hat in seiner bislang kurzen Trainer-Karriere keine bemerkenswerten Erfolge gehabt. In der Saison 2022/23 coachte er den AFC Bournemouth, und seine Bilanz dort war eher durchwachsen – 11 Siege, 6 Unentschieden und 20 Niederlagen. In der Folgesaison sah es bei den Wolverhampton Wanderers nicht viel besser aus – 20 Siege, 11 Unentschieden, 32 Niederlagen. In Straßburg hofft man nun, dass seine zukünftige Bilanz bei Racing etwas besser ausfällt…

Als Spieler war Gary O’Neil, der auf rund 500 Spiele in der Premier League und der 2. englische Liga kam, so etwas wie ein Wandervogel. FC Portsmouth, Walsall FC, Cardiff City, Middlesbrough FC, West Ham United, Queens Park Rangers, Norwich City, Bristol City und die Bolton Wanderers hießen seine Stationen, also alles keine Top-Teams, sondern eher Durchschnitt. Rund 20 Spiele in den englischen U19, U20 und B-Teams stehen auf Gary O’Neils Habenseite, doch muss man fairerweise sagen, dass man nicht unbedingt Spitzenspieler sein muss, um ein guter Trainer zu sein.

Die Zusammenarbeit zwischen dem FC Chelsea und dem neuen englischen Trainer von Racing wird ebenso reibungslos verlaufen, wie zuvor zwischen Liam Rosenior und seinem neuen Arbeitgeber. Und damit bestätigt sich die Rolle von Racing als „Farm Team“ des FC Chelsea, was bedeutet, dass es auch weiterhin einen regen Austausch von Spielern zwischen beiden Vereinen geben wird, wobei die besten Spieler natürlich beim FC Chelsea spielen werden, während sich junge Nachwuchstalente bei Racing beweisen können.

Dass die Fans nicht begeistert sind, ist nachvollziehbar, vor allem, wenn man die durchwachsenen Ergebnisse der letzten Monate sieht. Doch hängen die Fans immer noch einer Epoche hinterher, in der Fußball-Profis noch einen Bezug zu „ihrem“ Verein hatten, doch die Zeiten haben sich geändert. So bleiben die meisten Spieler „ihrem“ Verein eben nicht mehr treu und wechseln, ähnlich wie das Gary O’Neil während seiner Karriere tat, im Schnitt alle zwei Jahre den Arbeitgeber. Fußball ist heute Business und Entertainment und hat mit „Sport“ nur noch bedingt zu tun.

Liam Rosenior war auch nicht unbedingt mit Vorschuss-Lorbeeren in seinen Job gestartet, und setzte sich in Straßburg trotzdem durch, führte sein Team aus den Niederungen des Abstiegskampfs bis in die Conference League (und verpasste die Qualifikation für die Champions League nur um einen Wimpernschlag). Dass Rosenior die wohl einmalige Chance wahrnimmt, eines der besten Teams der Welt zu trainieren, wer will es ihm verdenken?

Für Gary O’Neil wird vieles davon abhängen, wie er mit seinem Kader, aber auch mit den Fans klarkommen wird. Diese sind von der Achse Chelsea-Racing nicht wirklich begeistert und da Fußball eben ein Ergebnissport ist, wird auch Gary O’Neil an den Ergebnissen gemessen werden. Und sollte die nach dem schwachen Ende der Hinrunde nicht schnell besser werden, könnte sein Aufenthalt im Elsass kürzer werden, als das alle Beteiligten hoffen…

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