Der seltsame Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Die diesjährige Preisträgerin dieses hoch angesehenen Preises Anne Applebaum erstaunte bei ihrer Dankesrede mit höchst kriegerischen Theorien. Und forderte mehr Waffen für die Ukraine.

Anne Applebaum erhielt den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Allerdings will sie mehr Krieg als Frieden. Foto: Elena Ternovaja / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

(KL) – Die Autorin und Journalistin Anne Applebaum, hoch ausgezeichnet unter anderem mit dem Pulitzer-Preis, dem „Nobelpreis für Journalisten“, ist die diesjährige Preisträgerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Anne Applebaum lebt seit rund 30 Jahren in Polen und ist eine Expertin für die autoritären Systeme des Ostens. Doch „Aussagen wie ‘Nie wieder!’ machen blind für die Realitäten“, sowie der Aufruf an Deutschland, sich stärker für den Krieg in der Ukraine zu engagieren und der Wunsch, dass Russland militärisch besiegt werden solle, wirft ein seltsames Licht auf den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2024.

Die Ausführungen von Anne Applebaum waren kein Aufruf zum Frieden, sondern bewegten sich am Rande zur Kriegstreiberei. „Der Ruf nach Pazifismus ist oft die Hinnahme der Diktatur“, sagte die Friedenspreisträgerin und erklärte auch dem deutschen Publikum, welche Lehren es aus zwei Weltkriegen mit 100 Millionen Toten zu ziehen habe: „Die Lektion der deutschen Geschichte kann nicht sein, dass die Deutschen Pazifisten sein müssen.“ Aha. Da könnte einem spontan auch das Gegenteil dazu einfallen.

Frieden will Anne Applebaum mit mehr Waffen und Geld für Kiew erreichen, was eine seltsame Aussage für eine „Friedensaktivistin“ ist. „In einer Zeit, in der die demokratischen Errungenschaften und Werte zunehmend karikiert und attackiert werden, wird ihr Werk zu einem eminent wichtigen Beitrag für die Bewahrung von Demokratie und Frieden“, kann man in der Urkunde nachlesen, die ihr beim Festakt in der geschichtsträchtigen Frankfurter Paulskirche überreicht wurde. Dass die Demokratie auch im Westen zunehmend karikiert wird, man denke nur an Frankreich und die USA, erwähnten Urkunde und Preisträgerin allerdings nicht.

Es stimmt, die Autorin und Journalistin hat in ihren Werken schon lange vor dem Putin-Regime und dessen Expansionsgelüsten gewarnt. Doch das haben viele getan. Aber wenn eine „Friedensaktivistin“ nur den Krieg als Weg zur Krisenlösung betrachtet, sollte man sich noch einmal über die grundlegenden Definitionen der Begriffe „Krieg“ und „Frieden“ verständigen.

Und weiter ging es mit ihren kriegerischen Aussagen bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels: „Deutsche haben eine besondere Verantwortung dafür, sich für die Freiheit einzusetzen und dabei auch Risiken einzugehen“. Also soll Deutschland im Idealfall in diesen Krieg einsteigen.

Immerhin, die Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der diesen Preis vergibt, Karin Schmidt-Friderichs, lobte zwar einerseits die „bestechende Klarheit“, mit der Anne Applebaum Position bezieht, gab aber zu, dass es auch im Vorfeld Kritik an dieser Preisverleihung gab, da es seltsam ist, jemandem einen Friedenspreis zu verleihen, der Krieg als alternativlos betrachtet. Aber, so Schmidt-Friderichs, „wir dürfen uns an den Meinungen der Preisträgerinnen reiben. Wir sollten an ihnen wachsen.“

Doch ein Friedenspreis für eine Autorin, die Sätze wie „Die Verleihung des Friedenspreises ist vielleicht ein guter Moment, um darauf hinzuweisen, dass der Ruf nach Frieden nicht immer ein moralisches Argument ist“ sagt, bleibt seltsam. Denn natürlich ist das Streben nach Frieden immer ein moralisches Argument. Das sollte es zumindest sein, doch ist heute der Ruf nach „mehr Krieg“ lauter als der nach „mehr Frieden“. Schade, dass das inzwischen auch für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gilt. Im letzten Jahr erhielt der Autor Salman Rushdie diesen Preis. Und irgendwie hat man das Gefühl, dass ihm dieser Preis für den Frieden eher gebührt hat…

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