Des Wahnsinns fette Beute
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) will an den Schulen in Deutschland „Kriegsunterricht“ einführen. Hatten wir das alles nicht schon einmal? Und was ist mit „Friedensunterricht“?
„Und wenn ihr schön brav seid, dürft ihr bald an die Front zum Kämpfen...“ Foto: Jakob Plein-Wagner, Photographer - Peter Michels / Wikimedia Commons / PD
(KL) – Ganz neu ist der Vorschlag von Innenminister Alexander Dobrindt nicht. Bereits 2024 forderte die damalige Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) etwas ähnliches, allerdings lag der Schwerpunkt bei ihr eher auf Zivilschutzübungen, nicht nur für den Kriegsfall, sondern vor allem für Naturkatastrophen und andere Zwischenfälle. Wenn die westliche Politik so weitermacht, werden wir dann wirklich anfangen zu glauben, dass die russische Armee an unseren Grenzen steht?
Nach zwei von Deutschland ausgelösten Weltkriegen mit rund 140 Millionen Toten sollte man sich vielleicht noch einmal überlegen, ob man wirklich die Jugend des Landes und damit das ganze Land in den „Kriegsmodus“ stellen muss. Aus Worten werden Taten, sagt der Volksmund und es wäre vielleicht angebrachter, den Schülerinnen und Schülern beizubringen, dass nicht Krieg und Gewalt, sondern Frieden das höchste Gut ist.
Wir sind dabei, uns in offene Panik hinein zu reden. Gewiss, es gibt ständige Provokationen Russlands an den NATO-Grenzen, illegale Überflüge von Flugzeugen und Drohnen, Cyber-Attacken und anderes, doch ist es nicht die Aufgabe unserer Politiker, uns in den III. Weltkrieg hinein zu reden, sondern ganz im Gegenteil, alles daran zu setzen, den Frieden wiederherzustellen. Das könnte beispielsweise damit anfangen, dass man aufhört, die bisherigen 18 Sanktionspakete gegen Russland überall dort zu unterlaufen, wo man weiterhin Geschäfte mit Russland machen will. Entweder ist Russland der Feind, dann sollte man dem Feind keine einzige Kopeke mehr für seinen Krieg überweisen, oder aber Russland ist nicht der Feind, dann kann man weiter Geschäfte mit dem Land machen.
Was kommt als nächstes? „Schenkt den ‘Willigen’ ein Kind“ oder „Jeder Schuss ein Russ’“? Die Jugend jetzt in den Kriegsunterricht zu bringen, ist wohl das Allerletzte, was sich ein deutscher Politiker ausdenken kann. Dann kann man auch Wehrsportgruppen bilden oder die Jugendoffiziere der Bundeswehr, die Dobrindt in die Schulen schicken will, gleich mit Anmeldeformularen für die Kinder ausstatten, damit diese sich jetzt schon auf den Einsatz an einer imaginären Front vorbereiten können.
Europas Sozialsysteme leiden bereits darunter, dass der Westen und der Osten auf „Kriegswirtschaft“ umgestellt haben. Täglich wird uns suggeriert, dass Putin kurz davor sei, den Westen anzugreifen. Fakt ist, dass Russland dazu gar keine Möglichkeit hat, weder die erforderlichen Truppen, noch die erforderlichen Mittel. Der Weg der russischen Armee nach Deutschland würde über die Ukraine führen, die sie seit fast vier Jahren nicht erobern kann, dann durch Polen und die Tschechische Republik und die durchquerten Gebiete müsste die russische Armee dann auch halten und kontrollieren, was schlicht und ergreifend nicht möglich ist.
Es sei denn, die Wahnsinnigen, die momentan die Welt regieren, lassen den Ukraine-Krieg derart eskalieren, dass sich der III. Weltkrieg dann nuklear gestaltet. Doch wenn Ost und West anfangen, ihre nuklearen Arsenale aufeinander abzuschießen, dann braucht man auch keinen „Kriegsunterricht“ mehr, denn dann wäre Europa nur noch eine nukleare Wüste, in der auch der schönste „Kriegsunterricht“ nicht mehr das Überleben garantieren würde.
Statt eine Generation „Kriegskinder“ heranzuzüchten, denen vermittelt wird, dass Gewalt und Krieg eine Lösung sei, sollte man den nächsten Generationen intensiv den Wert von Frieden und Verständigung näherbringen. Aber das steht heute leider nicht mehr auf der politischen Agenda – die östlichen und westlichen Führer sind voll auf Krieg gepolt und lassen sich von diesem mörderischen Weg auch nicht mehr abbringen. Damit die Politik ein ganz klein wenig verantwortungsvoller agiert, sollte man eine Regelung einführen, dass Kinder und Angehörige von Politikern im Kriegsfall als erste einzgezogen und an die Front geschickt werden. Dann würden sich diese Kriegstreiber die ganze Sache wohl doch noch einmal überlegen.
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