Die CDU war auch schon einmal christlicher…

Lange Jahre haben wir auf Helmut Kohl und Angela Merkel geschimpft, doch im Vergleich zum heutigen CDU-Personal waren die beiden vorbildliche Europäer.

Dafür stand 1984 die CDU - heute will sie das genaue Gegenteil. Foto: CDU / Konrad-Adenauer-Stiftung / KAS / ACDP 10-030 : 141 / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0DE

(KL) – Das Artikelbild zeigt ein Wahlplakat der CDU aus dem Jahr 1984. Damals war die CDU radikal pro-europäisch eingestellt, wollte offene Grenzen, wollte eine gemeinsame Währung, wollte konkret mehr Europa. Heute will die CDU von Friedrich Merz das genaue Gegenteil – ein neonationalistisches Einigeln innerhalb der deutschen Grenzen, die künftig wieder lückenlos kontrolliert werden sollen, ein Abschotten gegenüber den Nachbarn unter dem bereits nicht mehr wegzudiskutierenden Einfluss der rechtsextremen AfD und wenn man sich anschaut, wie heute bereits die „Menschenjagd“ auf „Illegale“ in den USA angelaufen ist, dann ahnt man, was auch auf Deutschland und Europa zukommt.

Gewiss, der eine oder andere wird nun sagen, dass sich die Welt seit 1984 stark verändert hat. Das stimmt. Aber haben sich innerhalb von 40 Jahren auch die Jahrtausende alten, grundlegenden Werte unseres jüdisch-christlichen Kulturkreises verändert? Wurden in diesen 40 Jahren die Grundwerte des Rheinischen Humanismus abgeschafft? Waren diese „Werte“ so wertlos, dass wir sie heute einfach so über Bord werfen können, weil ein offenbar nicht der Aufgabe gewachsener CDU-Kandidat den amerikanischen Präsidenten nachäfft, um Stimmen im rechtsextremen Lager zu sammeln?

Dass die europäischen Institutionen heute weitgehend nicht mehr als „Hort der Demokratie“, sondern als „Hort der institutionellen Korruption“ betrachtet werden, macht die Situation nicht einfacher. Dass unsere Europaabgeordneten ausgerechnet Ursula von der Leyen die Schlüssel für das „Haus Europa“ in die Hand drücken mussten, erschwert alles noch ein wenig mehr, denn die Frau sträubt sich erfolgreich seit geraumer Zeit, die überfälligen Reformen der Europäischen Union und ihrer Institutionen anzugehen, so dass sich die EU heute in einem geradezu erbarmungswürdigen Zustand befindet. Doch das ändert nichts daran, dass die europäische Idee eine gute Idee ist, dass ein europäischer Zusammenhalt eine positive Wirkung auf die ganze Welt haben könnte.

Man kann Anhänger der europäischen Idee sein, ohne den aktuellen Zustand der EU in irgendeiner Form gutzuheißen. Das Problem ist nicht die europäische Idee, sondern ein inkompetentes und korruptes Personal, das nicht etwa für die Europäerinnen und Europäer arbeitet, sondern für Lobbys und die eigene Karriere.

Dass nun ein Friedrich Merz diese europäischen Grundwerte aufweicht und auf dem Weg von Donald Trump sein Glück sucht, ist ein historischer Irrweg eines Kandidaten, der bereit ist, mit Neofaschisten zu kooperieren, um Kalif anstelle des Kalifen zu werden.

In drei Wochen wird gewählt – und die Wählerinnen und Wähler sollten gut überlegen, hinter welcher Partei sie ihr Kreuzchen machen. Doch ob sich die CDU in diesen drei Wochen daran erinnert, wofür das „C“ in ihrem Namen steht, ist mehr als zweifelhaft.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste