Die Helden der „Brandmauer“

Der Lobbyverband „Die Familienunternehmer“ will seine Kontakte zur AfD „normalisieren“. Das reicht mehreren bekannten Unternehmen, um ihren Austritt aus dem Verband zu erklären.

Wer diese Limo trinkt, leistet damit einen kleinen Beitrag zur "Brandmauer" gegen die AfD... Foto: Stefan Kloo from Los Angeles / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

(KL) – Der Lobbyverband „Die Familienunternehmer“ ist eine Interessensvertretung, die seit Jahren im Hintergrund arbeitet. Um Mitglied zu werden, muss ein Unternehmer mehr als zehn Angestellte haben und mindestens eine Million Euro Umsatz machen. Nach eigenen Angaben hat dieser Verband 6500 Mitglieder und vor wenigen Tagen überraschte die Chefin des Verbands Marie-Christine Ostermann mit der Aussage, dass man ab sofort auch AfD-Politiker zu den Verbandstreffen einladen wolle, was man bisher vermieden hatte. Bisher war das ein absolutes No-Go und Ostermann erklärte: „Diese Art Kontaktverbot haben wir mit dem letzten Parlamentarischen Abend auf Bundesebene aufgehoben – in unseren Landesbereichen hat es diese Art der Brandmauer noch nie gegeben“. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass sie damit eine Austrittwelle aus ihrem Verband auslösen würde.

Denn viele der Mitglieder dieses Verbands sind auch denkende Bürger, die eine solche Annäherung an die Rechtsextremen überhaupt nicht gut finden. So erklärten folgende Unternehmen ihren Austritt aus dem Verband: Harald Christ Group, die Drogeriekette Rossmann, Staubsauer- und Hausgeräte-Hersteller Vorwerk, Fritz Kola, Kaffeespezialist Melitta, Schuhhändler Deichmann oder auch der Baugigant Goldbeck. Der Chef von TAS Emotional Marketing, Thomas Siepmann, fand die richtigen Worte: „Mit Rechtsextremismus führt man keine ‘normalen Gespräche’. Nicht als Unternehmer. Nicht als Teil der Zivilgesellschaft. Nicht als Demokraten.“ Das hätte man wohl nicht besser sagen können.

Die Anbiederung an die Rechtsextremen ist ein ganz schlechtes Zeichen und zum Glück haben die genannten und bekannten Unternehmen das erkannt und Konsequenzen gezogen. Andere werden sicherlich folgen, denn wenn die Unternehmer anfangen, die Rechtsextremen „hoffähig“ zu machen, dann wird das geradezu gefährlich.

Die Unternehmen, die den Begriff der „Brandmauer“ noch ernst nehmen, werden durch ihren medienwirksamen Austritt aus „Die Familienunternehmer“ wohl keinen wirtschaftlichen Schaden befüchten müssen, im Gegenteil. Wer Rechtsextremismus verurteilt, wird mehr Solidarität als Ablehnung erfahren und diejenigen Mitglieder, die im Verband bleiben, werden sich ihre Kunden künftig wohl unter AfD-Sympathisanten suchen müssen.

Für den Verband selbst ist die Angelegenheit mehr als peinlich. Da steht nun dieser honorige Unternehmer-Verband und versucht, Rechtsextreme in der Normalität einzugliedern. Dass diese Anbiederung zu Austritten führt, adelt jedes Unternehmen, das sich gegen den Aufmarsch von rechtsaußen stellt. Wer künftig bei diesen Unternehmen einkauft, kann sicher sein, dass er einen kleinen Beitrag zur Aufrechterhaltung der „Brandmauer“ gegen die Rechtsextremisten leistet.

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