„Die Linke“ implodiert

Nach dem Ausscheiden von Sahra Wagenknecht aus der „Die Linke“, schrumpfte die Partei ins Bodenlose. Und muss jetzt auch ohne ihre Parteispitze weitermachen.

Ein Bild aus besseren Tagen - doch jetzt steigen Janine Wissler und Martin Schirdewan auf der Parteispitze aus. Foto: Martin Heinlein / DIE LINKE / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

(KL) – Innerhalb weniger Monate hat das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) ihrer früheren Partei „Die Linke“ den Rang abgelaufen. Inzwischen insbesondere in den Neuen Bundesländern etabliert und bei den kommenden drei Landtagswahlen eine feste Größe, hat das BSW „Die Linke“ in die politische Bedeutungslosigkeit gestoßen. Und nun treten auch noch die beiden Parteichefs der „Die Linke“, Janine Wissler und Martin Schirdewan, zurück. Während das, was von „Die Linke“ noch übrig ist, von einem „Neuanfang“ spricht, sieht es eher danach aus, dass „Die Linke“ komplett aus dem Parteienspektrum verschwindet.

Doch dieser „Neuanfang“ ist erst für den Parteitag im Oktober geplant, also nach den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Partei ihre bisher wohl heftigsten Niederlagen hat einstecken müssen, während das BSW durchaus Chancen hat, in Richtung Regierungsbeteiligungen schielen zu können.

Janine Wissler und Martin Schirdewan geizten bei ihrer Ankündigung, nicht mehr für den Parteivorsitz zur Verfügung zu stehen, nicht mit Selbstkritik. „Mit dem Wissen von heute bin ich der Meinung, dass man die Trennung von Sahra Wagenknecht viel früher hätte forcieren müssen“, erklärte Janine Wissler, „Ich würde gerne sagen, dass man das nicht ahnen konnte, aber das stimmt leider nicht.“

Diese Selbstkritik ist natürlich berechtigt, denn der Parteiführung gelang es nicht, einen Konsens mit der virulenten Sahra Wagenknecht herzustellen und durch die Art der Trennung und der Neugründung des BSW, verlor „Die Linke“ sogar ihren Fraktionsstatus im Bundestag und steht in den Umfragen heute schlechter da als je zuvor. So hat „Die Linke“ inzwischen kaum noch ein wahrnehmbares Profil und Sahra Wagenknecht erfreut sich trotz ihrer teilweise kruden Positionen wachsenden Zulaufs. Was einmal mehr zeigt, dass die Verzweiflung der Wählerschaft so groß ist, dass selbst das kaum politisch zu verortende BSW von Erfolg zu Erfolg eilt.

Ein Blick auf die Umfragen vor den drei Landtagswahlen im September zeigt, dass „Die Linke“ inzwischen deutlich hinter dem BSW zurückliegt, selbst in ihren ehemaligen Hochburgen. In Sachsen erreicht „Die Linke“ momentan 5 % und muss um den Einzug in den Landtag zittern, während das BSW dort auf 15 % der Wählerstimmen käme. In Thüringen, der einstigen Hochburg der „Die Linke“, kommt die Partei auf 16 % (der mit Abstand beste Wert in einem Bundesland), doch hier grüßt das BSW mit 19 %. In Brandenburg kommt „Die Linke“ ebenfalls nur auf 5 % und wird auch hier um den Wiedereinzug in den Landtag zittern müssen, während das BSW bei 17 % liegt. Da fällt die Analyse leicht – das BSW hat der „Die Linke“ die Wähler abgejagt. Mit wem und in welcher Situation „Die Linke“ im Oktober einen „Neuanfang“ stemmen will, ist unklar.

Die mauen Umfragewerte für „Die Linke“ läuten das Ende der Partei ein, die sich als Nachfolgerin von SED, PDS und WSAG lange Jahre einer treuen Wählerschaft im Osten der Republik erfreute. Doch die Zeiten sind vorbei, diese Wählerschaft gibt es nicht mehr und zwischen den Extremisten der AfD und des BSW gibt es kaum noch Platz für „Die Linke“. In den Neuen Bundesländern, in denen sich selbst die „Ampel-Parteien“ vor der 5 %-Hürde fürchten müssen, kündigt sich ein besorgniserregender Politikwechsel an, bei dem die traditionellen Parteien von der Bildfläche verschwinden können und die extremistischen Parteien Rückenwind haben.

Wie sich die letzten Wochen des Wahlkampfs in Thüringen, Brandenburg und Sachsen für die Wahlkämpfer der „Die Linke“ ankündigen, wünscht man nicht einmal seinem politischen Gegner. Ab sofort kämpft „Die Linke“ um ihr Überleben, doch fehlen dem, was von dieser Partei noch übrig ist, die Argumente und die Spitzenkräfte. Denn die verlassen gerade das sinkende Schiff…

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