Die „Nice-and-nasty-Liste“

Der amerikanische Präsident hat eine Liste seiner bald früheren NATO-Partner erstellt, die entweder Bonbons bekommen oder aber als „Bestrafung“ in die Ecke gestellt werden.

So stellt sich der irrlichternde US-Präsident das Verhältnis zu den NATO-Partnern vor... Foto: Unknow author / Wikimedia Commons / PD

(KL) – Die Einstufung seiner schon bal ehemaligen NATO-Partner durch den amerikanischen Präsidenten liest sich wie die Einladungsliste eines Sechsjährigen für seine Geburtstagsfeier. Da gibt es diejenigen, die „nasty“ sind und deswegen keine Bonbons bekommen und dann gibt es noch ein paar „nice“ Länder, die in den Genuss nicht näher bezeichneter Bonbons kommen sollen. Selten hat sich eine Regierung mehr der Lächerlichkeit preisgegeben als diese US-Administration.

Weil sein „Epischer Zorn“ im Iran nicht so richtig funktionieren will, wendet sich der verhaltensgestörte US-Präsident jetzt gegen seine ehemaligen NATO-Verbündeten. Nach einer Idee seines Lieblings-Schluckspechts Pete Hegseth hat er nun eine Liste der NATO-Länder erstellt, die entweder „nice“ sind, wie beispielsweise „Israel, Südkorea, Polen, überraschenderweise auch ein wenig Deutschland, die baltischen Staaten und andere“ (die nicht näher benannt sind) oder aber „nasty“ (die auch nicht näher benannt sind). Was die „nasty-Länder“ angeht, kündigt der US-Präsident an, dass er nicht vergessen werde, dass diese ihm nicht bei seiner jämmerlichen Aktion in der Straße von Hormuz geholfen haben, also bei einem Angriffskrieg, der von den NATO-Statuten nicht abgedeckt ist und keinesfalls eine Unterstützung der NATO-Partner erlaubt. Und wie so oft in letzter Zeit drohen die USA damit, sich aus der NATO zurückzuziehen.

Ein Ausstieg aus der NATO würde heute wohl kaum noch ein europäisches Land sehr treffen, denn die schriftlich vorliegende US-Strategie sieht ohnehin keine Unterstützung für Europa mehr vor. Statt permanent zu drohen, sollten die USA ihre Sachen packen und aus Europa verschwinden. Zumal die Europäer gerade dabei sind, ihre eigene Verteidigung zu organisieren. Auf dem Washingtoner Kindergeburtstag haben die Europäer ohnehin nichts verloren. So richtig traurig über einen Ausstieg der USA aus der NATO dürfte dann nur NATO-Chef Mark Rutte sein, der den US-Präsidenten tatsächlich „Daddy“ nennt und ständig ein warmes Plätzchen in des Präsidenten Enddarm sucht…

Die Kindergarten-Politik der Amerikaner sollten die Europäer tatsächlich nicht länger mittragen. Eine NATO ohne die USA wäre durchaus lebensfähig, denn anders, als Washington behauptet, tragen die USA nicht etwa zwei Drittel des NATO-Budgets, sondern 19 %. Und die könnte man auf die anderen NATO-Mitglieder umverteilen.

Dass die USA keine Ahnung haben, was sie da eigentlich in der Straße von Hormuz tun, erkennt man an der stolzen Erklärung des Präsidenten, dass „die Straße von Hormuz komplett geschlossen ist und kein Schiff hinein oder herausfahren kann“. Herzlichen Glückwunsch – vor seiner planlosen Aktion war diese Meerenge ständig offen und die Energie-Versorgung der Welt funktionierte mehr oder weniger normal. Jetzt ist die Straße von Hormuz geschlossen, die Energie-Versorgung ist gefährdet, die Preise für Energie gehen weiter durch die Decke. Wie man dieses Totalversagen als „Erfolg“ und „Sieg“ feiern kann, das wissen wohl nur der US-Präsident und sein angeheiterter Kriegsminister.

Die „Nice-and-nasty-Liste“ der USA ist ein trauriger Witz einer Regierung, die das Leben für ein großes Videospiel hält, die täglich mehr Blut an den Händen hat und die in einem zivilisierten, westlichen Kontext nichts mehr zu suchen hat. Die USA wollen die NATO verlassen? Dann geht endlich!

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