Die Niederlande, die neue Heimat für Amerikaner

Seit Donald Trump wieder an der Macht ist, wird die LGBTQIA+-Gemeinschaft weitgehend ausgegrenzt, ja sogar unterdrückt. Einige Amerikaner entscheiden sich daher für das Exil, insbesondere in den Niederlanden.

Was in den Niederlanden gang und gäbe ist, wird man in den USA nicht mehr sehen... Foto: Partuj van de Arbeid from Amsterdam, Nederland / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

(Paul Ravenel) – „Es gibt nur zwei Geschlechter“, verkündete US-Präsident Donald Trump in seiner Antrittsrede am 20. Januar 2025. Seit diesem Tag erlässt die Regierung des Präsidenten ein Dekret nach dem anderen, um die Gemeinschaft noch stärker aus dem öffentlichen Leben auszuschließen. Innerhalb von fünf Monaten wurden Transgender-Personen aus der US-Armee entlassen und Minderjährige, die ihr Geschlecht ändern wollten, erhielten keine medizinische Versorgung mehr. Ein feindseliges Klima, das für manche das Exil begünstigt.

Das Lieblingsziel dieser Amerikaner: die Niederlande. Hierbei hilft der DAFT, ein amerikanisch-niederländischer Freundschaftsvertrag. Er erleichtert unter bestimmten Voraussetzungen den Umzug von einem Land in das andere erheblich. Man muss selbstständig sein, ein Unternehmen führen und den Wunsch haben, in das flache Land umzuziehen. Aber warum sollten LGBTQIA+-Personen in dieses Land auswandern?

Ein Vorreiterland – Die Niederlande waren 2001 das erste Land der Welt, das die gleichgeschlechtliche Ehe legalisierte. Das Land gilt als „eines der fortschrittlichsten“ in Bezug auf die Rechte von LGBTQIA+-Personen. Es beherbergt die älteste Vereinigung für die Rechte der LGBT-Gemeinschaft, COC Netherlands, die 1946 gegründet wurde. Seit 2014 ist es nun möglich, das Geschlecht administrativ zu ändern, ohne sich einer Operation oder Sterilisation unterziehen zu müssen. Seit 2023 ist es jedoch verboten, eine Person aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren, andernfalls droht eine Strafverfolgung.

Die Niederlande bieten ein Lebensumfeld, dass weitaus positiver ist als jenseits des Atlantiks. Die Interessenverbände drängen die Regierung sogar dazu, all jenen Amerikanern Asyl zu gewähren, die vor der Marginalisierung in den Vereinigten Staaten fliehen. Ein Antrag, der von der Einwanderungs-Ministerin Marjolein Faber, Mitglied der rechtsextremen Partei PVV, abgelehnt wurde. Doch gestern zog sich der Vorsitzende dieser Partei, Geert Wilders, aus der seit elf Monaten regierenden Koalition zurück, da er seinen Partnern vorwirft, einen neuen Einwanderungsplan nicht unterstützt zu haben. Er zieht alle seine Minister zurück, darunter auch Marjolein Faber. Und im Herbst werden Neuwahlen stattfinden.

Wilders beabsichtigt erneut zu kandidieren, da er glaubt, dass er mehr Sitze und eine Mehrheit für sein Programm gewinnen wird. Bis dahin werden immer mehr amerikanische Mitglieder der LGBTQIA+-Gemeinschaft in die Niederlande strömen, um ein öffentliches Leben zu führen, das in den Vereinigten Staaten nicht mehr möglich ist.

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