Drei Jahre Krieg in der Ukraine – und jetzt?
Heute jährt sich zum dritten Mal der Tag der russischen Invasion der Ukraine. Wo stehen wir nach diesen drei Jahren? Wie kann es weitergehen? Versuch einer Zwischenbilanz.
Der „Deal“, mit dem diese beiden Tunichgute den Krieg beenden werden, wird für die Ukraine und Europa sehr teuer werden... Foto: DonkeyHotey / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.0
(KL) – Am 24. Februar 2022 stürmten russische Truppen in die Ukraine und entfesselten dort einen Krieg, der sich seitdem festgefahren hat, militärisch für die Ukraine nicht zu gewinnen ist, zahllose Menschenleben kostet und unglaubliche Schäden verursacht. Die Menschen leiden und werden weiter leiden und gleichzeitig lohnt sich dieser Krieg für diejenigen, die in allen Kriegen enorme Gewinne erwirtschaften. Das „Geschäftsmodell“ des Ukraine-Kriegs scheint so gut zu funktionieren, dass keine der Kriegsparteien ein echtes Bedürfnis zu verspüren scheint, ihn zu beenden.
Dieser Krieg ist gleichzeitig ein konventioneller Krieg, ein Cyber-Krieg und ein Propaganda-Krieg, der von beiden Seiten mit gleicher Intensität geführt wird, während diejenigen, die sich an diesem Krieg bereichern, verlogene „Gipfel“ und andere Treffen organisieren, bei denen es in erster Linie um Geld, Waffen und persönliche Profite geht.
In diesen drei Jahren erlebte die Welt die Massaker von Butscha, eine permanente Bedrohung der ukrainischen Atomanlagen, zahlreiche Verstöße gegen die Genfer Konvention, Lügen auf beiden Seiten (wie beispielsweise die 12.000 nordkoreanischen Soldaten, die niemand je gesehen hat und die genauso schnell verschwanden, wie sie angeblich aufgetaucht waren); die Entführung vieler ukrainischer Kinder, die in Russland „russifiziert“ werden sollen und über allem schwebt nach wie vor die Gefahr einer nuklearen Eskalation dieses Kriegs.
Doch jetzt, mit der Machtübernahme durch Donald Trump in den USA, ändern sich die Umstände dieses Kriegs. Doch obwohl Trump die Lage dadurch grundlegend verändert, dass er sich auf die russische Seite schlägt, ändern die europäischen Politiker nichts an ihrer Haltung – ohne eine eigene Strategie stolpert Europa weiter dem ukrainischen Präsidenten Selenskyi hinterher, wiederholt gebetsmühlenartig die ewig gleichen Propaganda-Slogans, nach denen in der Ukraine „europäische Werte“ verteidigt werden, „Europa verteidigt“ wird, „die Demokratie gerettet wird“ und nach wie vor wollen die Europäer Selenskyi jeden Wunsch erfüllen. Nur – wo führt das hin?
In diesen drei Jahren des Kriegs sind zwischen 300 und 400 Milliarden an Finanz- und Waffenhilfen in die Ukraine geflossen, doch angesichts der Tatsache, dass der Westen weiterhin die gegen Russland verhängten Sanktionen unterläuft und blendende Geschäfte mit Russland macht, finanziert der Westen faktisch diesen Krieg sowohl für Russland als auch für die Ukraine. Dafür muss die ukrainische und die russische Jugend im Schlamm der Ostukraine sterben, während sich die Mächtigen der Welt bereits an die Aufteilung der ukrainischen Ressourcen machen. Auf der Bühne nähern sich Russland und die USA an, stecken ihre Interessen ab, während hinter der Bühne China die Fäden zieht.
Natürlich wird am Ende dieses Kriegs kein „gerechter Frieden“ stehen, denn so etwas gibt es als Ergebnis eines Krieges nicht. Die Bedingungen eines Friedens werden seit Beginn der Menschheit vom Sieger eines Kriegs diktiert und noch nie konnte eine besiegte Nation dem militärischen Sieger ihre Bedingungen für den Frieden diktieren und das wird auch im Ukraine-Krieg nicht anders sein.
Das allerdings hält die europäischen Politiker nicht davon ab, weiterhin dem ukrainischen Narrativ zu folgen, weiterhin Milliarden in einen aussichtslosen Krieg zu pumpen und damit weiterhin Abertausende Menschenleben zu opfern.
In einem Punkt hat der amerikanische Präsident allerdings Recht – sollte die Ukraine nicht schnell an den Verhandlungstisch kommen, wo die Verhandlungen für Kiew nicht sehr erfreulich verlaufen dürften, gibt es eventuell bald nichts mehr zu verhandeln, da die Ukraine irgendwann Russland in die Hände fällt.
Dass Europa in einen neuen Aufrüstungswahn verfällt und zahlreiche Falken davon reden, dass Russland nach der Ukraine ruck-zuck ganz Europa überfallen wird, ist völlig realitätsfremd. Russland, das sich schwertut, seit drei Jahren rund 20 % des ukrainischen Territoriums zu besetzen, hat gar nicht die Ressourcen und vermutlich auch nicht die Absicht, die NATO anzugreifen und einen noch größeren Konflikt zu entfesseln. Zumal auch Strippenzieher China an einer solchen Eskalation keinerlei Interesse hat. Aber – durch diesen Aufrüstungswahn profitieren wieder einmal diejenigen, die an jedem Krieg Geld verdienen, nämlich die größten Waffenexporteure der Welt, USA, Frankreich und Deutschland. Kein Wunder, dass die schärfsten Kriegstreiber in diesen Ländern sitzen, in sicherer Entfernung von der Front, wo es sich am besten nach „mehr Krieg“ rufen lässt und wo man viel Geld ohne eigenes Risiko verdienen kann.
Es sollte sich allerdings niemand darüber wundern, dass nun Donald Trump seinen ganz persönlichen Ukraine-Weg geht. Er will die bereits geleisteten amerikanischen Hilfen in Form von Seltenen Erden erstattet bekommen und hat kein Problem damit, dass sich Russland parallel die Lithium-Vorkommen in der Ukraine sichern will. Dass Trump diesen Vorstoß überhaupt machen kann, verdankt er dem kollektiven Versagen der Europäer, die es in diesen drei Jahren nicht geschafft haben, eine eigene Strategie für diesen Krieg zu entwickeln oder eine einzige ernsthafte Friedensinitiative zu starten. Wie bei allen großen Krisen beschränkt sich die Europäische Union darauf, die Dinge administrativ anzugehen, ohne nennenswerte Initiativen zu ergreifen. Es ist aber auch einfacher, Selenskyis Propaganda zu übernehmen, denn dann muss man in Europa nicht nachdenken.
Dieser Krieg kann noch Jahre weitergehen, wenn Trump und Putin ihn nicht im Rahmen eines „Deals“ beenden, bei dem die USA und Russland viel Geld verdienen werden, das am Ende von den Europäern zu zahlen sein wird. An Entscheidungen, wie dieser Krieg enden wird, dürften weder die EU, noch die Ukraine beteiligt sein und irgendwann wird man sich klarmachen müssen, dass der von fast allen europäischen Regierungen abgelehnte „Diktatfrieden“ das einzige sein wird, was die Ukraine noch erreichen kann. Die Alternative hierzu wäre, dass die Ukraine trotz aller ihrer Siegesmeldungen und Ankündigungen wieder eine russische Provinz wird.
Es stellt sich, wie in jedem Krieg, nicht die Frage nach „Gerechtigkeit“. Niemand kann in Zweifel ziehen, dass dieser Krieg durch die völkerrechtswidrige russische Invasion vor drei Jahren ausgelöst wurde. Doch bedeutet dies leider nicht, dass es einen „gerechten Frieden“ geben wird, dass Russland die annektierten Regionen zurückgibt oder dass die Ukraine in absehbarer Zeit die Möglichkeit haben wird, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Auch, wenn die Ukraine in diesem Krieg als angegriffene Nation das „Opfer“ ist, muss ihre Regierung weiterhin im Interesse der Bevölkerung agieren. Diese einem sinnlosen Krieg zu opfern, das ist sicherlich nicht im Interesse einer von drei Jahren des Kriegs erschöpften Bevölkerung.
Es ist fast schon pervers – die Hoffnungen, dass dieser grausame Krieg enden kann, liegen auf den Schultern von zwei Wahnsinnigen, Donald Trump und Wladimir Putin. Das allerdings liegt daran, dass unsere so „vernünftigen“ Politiker seit drei Jahren völlig versagen und sich dabei noch wahnsinniger verhalten als die beiden Genannten. Zwischen Russland und den USA ist sogar schon ein Termin für einen möglichen Waffenstillstand im Gespräch, der 20. April. Es wäre allerdings etwas taktvoller, diesen Termin um einen Tag vor- oder zurückzuverlegen, denn dieser Krieg sollte vielleicht nicht ausgerechnet an Hitlers Geburtstag enden…
Kommentar hinterlassen