EasyJet übergibt das Steuer an einen US-amerikanischen Fonds

Die britische Fluggesellschaft hat eine Grundsatzvereinbarung mit „Castlelake“ geschlossen, die das Unternehmen mit mehr als 6 Milliarden Pfund bewertet.

Fällt EasyJet jetzt in amerikanische Hände? Foto: MarcelX42 / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(Théo Bornier) – EasyJet gab am Sonntag bekannt, eine „Grundsatzvereinbarung“ mit der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Castlelake über die wesentlichen Bedingungen eines Übernahmeangebots erzielt zu haben. Die Transaktion würde die zweitgrößte europäische Fluggesellschaft mit mehr als 6 Milliarden Pfund bewerten. Der Vorstand von EasyJet erklärte sich „bereit, den Aktionären zu empfehlen“, diesem Vorschlag zuzustimmen, sofern eine „verbindliche Absichtserklärung“ zur Abgabe des Angebots tatsächlich eingereicht wird.

Die ursprünglich auf Sonntag festgelegte Frist wurde auf den 3. August verschoben. Das Unternehmen betont jedoch, dass „keine Gewissheit besteht“, dass letztendlich ein verbindliches Angebot unterbreitet wird, da die Transaktion insbesondere noch einer Prüfung der Unternehmensbilanz unterliegt.

Diese Einigung ist der Höhepunkt einer seit mehreren Monaten andauernden Geschichte. Laut BBC hatte EasyJet bereits vier aufeinanderfolgende Angebote von Castlelake abgelehnt, die den Wert der Aktie auf 5,6 bis 6,5 Milliarden Pfund bezifferten, da das Unternehmen diese als zu niedrig erachtete. Das dritte Angebot war sogar als „äußerst opportunistisch“ bezeichnet worden, da der Aktienkurs aufgrund der Lage im Nahen Osten, die die gesamte Luftfahrtbranche belastet, vorübergehend unter Druck stand. EasyJet hatte im Mai zudem für das erste Halbjahr einen im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Verlust veröffentlicht und bereits angekündigt, dass auch das zweite Semester vom geopolitischen Kontext belastet sein würde.

Am 25. Juni hatte sich EasyJet dann doch gesprächsbereit gezeigt, und Castlelake den Zugang zu ansonsten geschützten Geschäftszahlen eingeräumt, in der Hoffnung, ein attraktiveres Angebot zu erhalten. Der amerikanische Investmentfonds hatte seinerseits seinen „tiefen Respekt“ für EasyJet und die Absicht des Unternehmens betont, „das zukünftige Wachstum zu stärken und das Unternehmen in eine solidere europäische Luftsfahrt-Gesellschaft umzubauen“. Dies soll inbesondere durch ein Modernisierungs-Programm der Flugzeug-Flotte geschehen, das als „zentral“ für die Wettbewerbsfähigkeit, die Effizienz und die Nachhaltigkeit des Unternehmens betrachtet wird.

2005 in Minneapolis gegründet, wo Castlecake auch seinen Sitz hat, verwaltet das Unternehmen ungefähr 38 Milliarden Dollar und ist stark auf die Luftfahrtbranche spezialisiert. Der Investmentfonds verfügt über 375 Flugzeuge, die er an Luftfahrt-Gesellschaften wie Etihad, Qantas, Air India Express oder Frontier vermietet. Dazu hatte er 2023 rund 32 % der skandinavischen Fluggesellschaft SAS erworben, wobei momentan Verhandlungen über die Übernahme dieser Beteiligung durch Air France-KLM laufen.

Für Castlelake wäre die Übernahme von EasyJet von Vorteil, denn das Netz von EasyJet umfasst 164 angeflogene Flughäfen in 38 Ländern – 2024/25 flogen 93,4 Millionen Fluggäste mit dem Unternehmen, das über eine Flotte von 350 Airbus A320 verfügt. Dazu kommt der Erfolg der Filiale easyJet Holidays im Tourismusbereich – seit 2019 am Markt, hat diese Filiale im letzten Geschäftsjahr einen Gewinnsprung vor Steuern um 46 % hingelegt.

Allerdings gilt es noch ein großes rechtliches Hindernis zu überwinden. Die europäischen Regeln besagen, dass eine Luftfahrtgesellschaft, die in der EU aktiv ist, mindestens zu 51 % europäischen Aktionären gehören muss. Nach Angaben der BBC will Castlelake diese Vorschrift umgehen, indem der Investmentsfonds Partnerschaften mit Europäern eingehen will, um eine in Europa basierte Eignerstruktur aufzubauen. Sollte es zu einem Abschluss kommen, wäre das ein Wendepunkt für EasyJet, das seit 1995 zu einem der europäischen Pfeiler im Low-Cost-Flugverkehr geworden ist – und nun unter Kontrolle eines US-Fonds geraten könnte.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste