Ein Querdenker als Gesundheitsminister
Wenn Robert F. Kennedy Jr. anfängt zu reden, kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Der Querdenker ignoriert systematisch die Wissenschaft und wird tatsächlich gefährlich.
Ein Querdenker als Gesundheitsminister – typisch für die USA unter Donald Trump... Foto: Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.0
(KL) – Wer die offizielle Website des von Robert F. Kennedy Jr. geleiteten amerikanischen Gesundheitsministeriums konsultiert, findet dort erstaunliche Inhalte. Zum Beispiel die Behauptung, dass Impfungen generell Autismus auslösen können. Die wissenschaftlich widerlegte Behauptung bezieht sich nicht nur auf die Covid-19-Impfungen, sondern generell auf alle Impfungen, auch diejenigen, die seit Jahrzehnten erfolgreich verabreicht werden. Ein Querdenker an der Spitze des Gesundheitsministeriums, das ist eine der schlimmsten Trump’schen Fehlbesetzungen in einer Regierung, in der es vor Fehlbesetzungen nur so wimmelt.
In einem Interview versuchte sich Robert F. Kennedy Jr. an einer Art Erklärung. Mit seiner Aussage auf der Website der Behörde habe er nicht behaupten wollen, dass Impfungen Autismus auslösen, sondern er habe lediglich sagen wollen, dass es keine Nachweise gäbe, dass sie es nicht täten. Müssen sich die Amerikaner wirklich weiter derartigen Nonsense anhören?
Inzwischen ist vollkommen klar, dass Robert F. Kennedy Jr. keinerlei Ahnung von Gesundheitsthemen hat und die Aussagen seiner Behörde mit maximaler Vorsicht zu genießen sind. Gab es denn in der ganzen MAGA-Landschaft niemanden, der wenigstens ein bißchen Ahnung von Gesundheitsthemen hat?
Die Wissenschaftler in den USA und auch außerhalb der USA sind schockiert. Einen Gesundheitsminister, der gefestigte wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und den Amerikanern den Floh ins Ohr setzt, dass man seine Kinder nicht impfen lassen soll, dürfte mit der Zeit verantwortlich für den Tod von Zehntausenden Menschen sein, die seiner „Empfehlung“ folgen und ihre Kinder nicht in den Genuß der Standard-Impfungen kommen lassen.
Wie wenig Ahnung der Kennedy-Sproß von Gesundheitsthemen und selbst dem Funktionieren seines Ministeriums hat, zeigt sich bei jeder Befragung vor den Senats-Ausschüssen, wo Kennedy praktisch nicht in der Lage ist, selbst einfachste Fragen des Komitees zu beantworten.
Nach seiner Ernennung profitierte Kennedy vom „Kennedy-Bonus“, denn die Familie des früheren Präsidenten John F. Kennedy hat nach wie vor ein positives Image in den USA – doch dieser „Kennedy-Bonus“ ist aufgezehrt, denn die teilweise abenteuerlichen Aussagen des Querdenkers Robert F. Kennedy sind so haarsträubend und falsch, dass man gar nicht mehr weiß, was man auf diesen gequirlten Quatsch antworten soll.
Das alles wäre fast schon amüsant, würden Kennedys abstruse Aussagen und Vorgaben nicht Menschenleben gefährden. Um es klar und deutlich zu sagen – seit Jahren hat die Wissenschaft nachgewiesen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gibt. Doch das Pendel wird auch wieder zurückschwingen, denn wenn es die ersten Opfer der von Kennedy ausgelösten Impfverweigerung gibt, wird eine Klagewelle auf den Mann zukommen.
Wer hätte das gedacht – in dem absonderlich zusammengestellten Kabinett von Trump gibt es tatsächlich Politiker, die noch schlimmer sind als andere. Robert F. Kennedy Jr. gehört ebenso dazu wie Pam „Blondi“ Bondi, die Justizministerin, die als ihre wichtigste Aufgabe ansieht, die Dokumente der Epstein-Akten zu schwärzen, in denen der Name ihres Herren und Meisters auftaucht. Die USA sind unter Trump zu einer Idiokratie verkommen, die in den nächsten zweieinhalb Jahren noch sehr viel Schaden anrichten kann – in den USA und der ganzen Welt.
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