Eine Oberrhein-Posse
Zunächst hatte die Region Grand Est die prächtige Idee, den Sonderzug zum Basler Morgenstraich zu annullieren. Doch nach einem Aufschrei in der Bevölkerung ruderte man dann doch zurück.
Dass die Region Grand Est den Elsässern fast den Morgenstrach versaut hätte, ist ein dicker Hund. Foto: Sparrow (2019) / Wikimedia Commons / CC0 1.0
(KL) – Manchmal fragt man sich, was den Beamten in den Amtsstuben so durch den Kopf geht und die Antwort auf diese Frage verkneift man sich besser… So auch die Idee der Region Grand Est, aus Kostengründen den seit vielen Jahren eingesetzten Sonderzug zum Basler Morgenstraich ausfallen zu lassen. Viel ignoranter kann man eigentlich mit der alemannischen Kultur am Oberrhein nicht umgehen. Zum Glück reichten massive Proteste, dass die Region zurückruderte und so wird am 23. Februar der Sonderzug wie jedes Jahr auch im Elsass fahren.
Wenn in Baden der Fasching schon wieder vorbei ist, wenn der Carnaval im Elsass vielerorts noch gar nicht begonnen hat, ist der Basler Morgenstraich eine Institution. Dieser traditionelle Fasching beginnt mitten in der Nacht in völliger Dunkelheit und dabei geht es weniger um ausgelassenes Treiben (das kommt später dann in den Beizen bei der ebenfalls traditionellen Mehlsupp’, die deutlich besser als ihr Name schmeckt…), als vielmehr um eine uralte Tradition, die mit ihrer von Piccoloflöten und Trommeln produzierten Musik fast wie eine Art Trance wirkt.
Seit vielen Jahren fahren zwei Sonderzüge zum Basler Morgenstraich – einer auf der badischen Seite, ein anderer durchs Elsass. Diese Züge sind die einzige Möglichkeit, um morgens gegen 3 in Basel anzukommen, denn mit dem Auto zu fahren ist sinnlos, da die ganze Stadt gesperrt ist und es keine Parkplätze an diesem Tag gibt. Dazu sagt man uns seit Jahren, dass wir unsere Fahrten umweltschonend und möglichst nicht mit dem Auto unternehmen sollen. Und dann wollte man diesen Sonderzug absagen?
Für viele Menschen am Oberrhein gehört der Morgenstraich zu den kulturellen Höhepunkten des Jahres und die Besucher dieser beeindruckenden Veranstaltung kommen aus dem ganzen Badnerland und dem ganzen Elsass (und aus der ganzen Welt). Dass nun ein Beamter die Idee hatte, man könne diese Veranstaltung für die Besucher aus dem Elsass ruinieren, das zeigt, dass in diesen Verwaltungen Mitarbeiter mit üppigen Gehältern unterwegs sind, die von unserer Region nicht die Spur einer Ahnung haben.
Aber gut, nachdem die frühere Ministerin Brigitte Klinkert den Präsidenten der Region Grand Est Franck Leroy zu dieser Frage frontal angegangen war, wurde nun generös entschieden, dass auch der Elsässer Sonderzug dieses Jahr fährt. Wahrscheinlich denkt man jetzt bei der Region, dass sich die Elsässer dafür zu bedanken hätten. Aber das ist die falsche Herangehensweise an das Thema. Richtig wäre es zu fragen, wann der Beamte, der diese Schnapsidee hatte, entlassen oder zumindest versetzt wird. Denn auf dem Posten, den dieser Mensch offenbar bekleidet, hat er wirklich nichts zu suchen.
Ende gut, alles gut – am 23. Februar kann die ganze Oberrhein-Region also nach Basel zum Morgenstraich fahren und alles andere wäre schlicht nicht akzeptabel gewesen!
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