Eine Premiere – die AfD hat die CDU eingeholt
Es ist passiert, was nie hätte passieren dürfen. Die rechtsextreme AfD hat die CDU in den Umfragen eingeholt und liegt nun, genau wie die CDU, bei 24 % der potentiellen Stimmen. Eine Katastrophe.
Die AfD setzt gerade dazu an, die CDU zu überholen. Es wird immer schlimmer... Foto: Jake Archibald from London; England / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0
(KL) – Die weltweite neofaschistische Welle, die vom unsäglichen US-Präsidenten Donald Trump und dessen Aushebelung demokratischer Grundregeln befeuert wird, hat Deutschland erreicht. In der jüngsten RTL/n-tv-Umfrage liegen AfD und CDU beide bei 24 % und dabei ist nicht nur das Allzeit-Hoch der AfD bemerkenswert, sondern auch der unglaubliche Absturz der CDU, die seit der Bundestagswahl am 23. Februar rund 5 % Zustimmung verloren hat. Es weht erneut ein brauner Wind über Deutschland.
Es muss die schiere Verzweiflung sein, die der AfD die Wähler zutreibt, denn bei genauerem Hinschauen sieht jeder, dass der rechtsextreme Haufen keinerlei Konzepte oder Lösungen für die aktuellen nationalen und internationalen Krisen hat. Doch mit „Protestwählern“ haben die heutigen AfD-Wähler nicht mehr viel zu tun, sie hängen mehrheitlich neonationalistischen und teilweise faschistischen Ideen an. Das ist nicht anders als in anderen europäischen Ländern und natürlich den USA und auch anderswo – ein moderner, technologisierter Neofaschismus ist dabei, die Kontrolle über die Welt zu übernehmen. Dass die Kräfte hinter dieser Entwicklung heute über Werkzeuge wie die Künstliche Intelligenz verfügen, macht das Szenarion noch beunruhigender.
In Deutschland geht diese Entwicklung auf die Kappe jahrzehntelangen Versagens der ehemaligen Volksparteien, die inzwischen das „Volks-“ auf dem Begriff „Volksparteien“ verloren haben, denn viel mehr als eine permanente und todlangweilige Nabelschau haben diese Parteien leider nicht mehr zu bieten. Oder meint man in den Berliner Parteizentralen ernsthaft, dass sich jemand darüber Gedanken macht, was aus einer Saskia Esken oder einem Christian Lindner wird?
Das, was die Rechtsextremen können, ist Zerstörung. Auch das ist nicht anders als in anderen Ländern. Und überall dort, wo sie ihr Werk der Zerstörung bereits begonnen haben, verändern diese Rechtsextremen nichts zum Besseren, denn außer dümmlichen Slogans und Hassparolen haben sie nichts zu bieten. Doch offenbar reicht in einer immer gewalttätigeren Gesellschaft bereits die Lust an der Zerstörung einer versagenden Parteienlandschaft, um Wähler anziehen – die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.
AfD und CDU bei 24 %, die SPD, Grünen und die Linke im Zehnerbereich, FDP und BSW unter der 5 %-Marke – es wird immer deutlicher, wohin die Reise geht. Nun zeigt sich auch, dass es ein schlimmer Fehler von Friedrich Merz war, sich kurz vor der Wahl als AfD-kompatibel zu zeigen, denn die Menschen wählen dann lieber das Original als die Fälschung. Wenn man bedenkt, dass am Wahlabend 8 % den „Wahlsieger“ CDU und die AfD trennten, dann ist es geradezu erschütternd, dass dieser Vorsprung in nur sechs Wochen weggeschmolzen ist. Dass gleichzeitig die CDU- und SPD-Oberen hoffnungsfrohe „Wasserstandsmeldungen“ absetzen und dazu erklären, dass es nun erst an die „dicken Brocken“ in den Koalitionsverhandlungen geht, macht auch nicht besonders viel Mut.
Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass noch bevor die nächste Bundesregierung steht, die AfD die stärkste Partei in Deutschland sein wird. Doch das scheint die übrigen Parteien nicht sonderlich zu beeindrucken, sie machen „business as usual“.
Ist es die Lust am Untergang? Die Freude am Tanz auf dem Vulkan wie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts? Wollen die Menschen sehen, wie weit das alles gehen kann? Wer wissen möchte, wie weit das alles gehen kann, sollte in die Ukraine schauen, wo täglich Menschen sterben, das Land zerstört wird und nicht abzusehen ist, wie dieses Gemetzel beendet werden kann.
Der Unterschied zur Zeit des Nazismus ist, dass damals der Faschismus in einem Land hochkam – heute ist er in unglaublich vielen Ländern präsent und diese braue Welle scheint kaum noch zu stoppen sein.
Heute liegen die CDU und die AfD gleichauf – und nun ist nur die Frage, ob die AfD nächste oder übernächste Woche an der CDU vorbeizieht, während diese weiter versucht, eine Koalition zu zimmern. Doch wenn alle so weitermachen, ist auch Deutschland auf dem Weg, zum zweiten Mal seit 1933, zu einer rechtsextremen Regierung. Wohin das führt, das sollten wir eigentlich.
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