Eine Stimme der Vernunft

Papst Leo XIV hat bei seinem traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ Dinge gesagt, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, es aber schon lange nicht mehr sind.

Papst Leo XIV hat die Mächtigen der Welt daran erinnert, dass ihr Job ist, für den Frieden zu arbeiten... Foto: ScS EJ

(KL) – Was für ein Unterschied in den Weihnachtsansprachen zwischen Papst Leo XIV und beispielsweise einem Donald Trump! Während Trump selbst zum Weihnachtsfest nichts anderes einfiel, als sich wie immer selbst mit den üblichen Lügen über den grünen Klee zu loben und seine politischen Gegner hasserfüllt zu beschimpfen, sprach Leo XIV von der „Absurdität“ der kriegerischen Ansprachen der Mächtigen der Welt, erinnerte an das Leid der Menschen an den aktuellen Kriegsschauplätzen und forderte die Kriegsparteien auf, gemeinsam nach Lösungen zur Beendigung der Kriege zu suchen.

Dabei beschränkte sich Leo XIV nicht nur auf die Kriege in der Ukraine und in Gaza, sondern erwähnte spezifisch die Kriegsschauplätze in Afrika, wo entsetzliche Massaker beispielsweise im Südsudan oder im Ostkongo stattfinden, vor denen die Weltöffentlichkeit die Augen verschließt. Seine Ansprache vor Erteilung des Segens „Urbi et Orbi“ war wohltuend anders und dürfte in den Hauptstädten der Welt nicht viel Freude ausgelöst haben, denn dort denkt man nicht so sehr über das Ende der Kriege nach, sondern eher darüber, wie man aus diesen Kriegen einen größtmöglichen politischen, persönlichen und wirtschaftlichen Nutzen schlagen kann.

Der Papst hat zwar kein politisches Gewicht, ist aber dafür weltweit eine moralische Instanz. Immerhin gibt es auf der Welt rund 1,4 Milliarden Katholiken, die dem Papst aufmerksam zuhören. Insofern hat eine solche Ansprache von Leo XIV durchaus eine Wirkung und es ist geradezu positiv zu vermerken, wenn eine solche Persönlichkeit einen Diskurs pflegt, in dem der Frieden eine so ganz andere Rolle spielt als in der Kriegshetzerei der Mächtigen in Ost und West.

In einer Zeit, in der das Konzept „Frieden“ langsam, aber sicher der Kriegstreiberei der Mächtigen weicht, war die gestrige Ansprache des Papstes ein Lichtblick in der Dunkelheit. Dass Leo XIV dabei keinerlei Unterschied in der Würdigung der Opfer der Kriege machte, die heute ebenso Christen, Juden, Muslime, Buddhisten und Orthodoxe betreffen, erinnert daran, dass wir in erster Linie Menschen sind und nicht Vertreter radikaler Glaubensrichtungen, die meinen, sich gegenseitig umbringen zu müssen.

Sind diese traditionellen Segen vom Petersplatz im Vatikan normalerweise nicht das Spannendste, was man sich vorstellen kann, kann man Leo XIV dieses Jahr danken, dass er den Mut gefunden hat, den Mächtigen der Welt deutlich die Meinung zu sagen. Man muss kein Katholik sein, um diese Erinnerung an den Wert und die Bedeutung des Friedens zu schätzen. Wie schade, dass unsere politischen Führer heute gar nicht mehr in der Lage sind, eine solche Ansprache zu halten.

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