Ekecheiria? Njet!

Russland hält nicht viel von der Idee einer Waffenruhe während der Olympischen Spiele 2024 in Paris. Dabei zählte eine solche Waffenruhe zu den Grundelementen der antiken Olympischen Spiele.

Darstellung der antiken Olympischen Spiele im Heiligen Hain von Elis bei Olympia - Waffenruhe war Voraussetzung zur Teilnahme. Foto: Edouard-Joseph Dantan / Wikimedia Commons / PD

(KL) – „Ekecheiria“ bedeutet im Altgriechischen so viel wie „Olympisches Händehalten“ und das wiederum bedeutete in der Antike, dass während der Dauer der Olympischen Spiele, deren Beginn ungefähr auf 776 v. Chr. datiert wird, alle Konflikte zwischen den teilnehmenden Ländern ruhen mussten, um einen friedlichen Verlauf der Spiele sicherzustellen. Dieser Grundgedanke wurde auch 1894 von Pierre de Coubertin aufgenommen, als dieser die Olympischen Spiele der Neuzeit ins Leben rief. Doch wie Russlands Lautsprecher Dmitri Peskow nun mitteilte, denkt Russland gar nicht daran, während der Spiele in Paris eine „Ekecheiria“ einzuhalten. Doch auf die Idee, die russischen Sportsoldaten von den Spielen auszuschließen, kommt weder das Internationale Olympische Komitee, noch die französische Regierung. Stattdessen lassen sich die Organisatoren von Russland am Nasenring durch die Manege führen.

Während sich die öffentlich-rechtlichen Medien in Frankreich seit einigen Tagen redlich Mühe geben, diese verkorksten Olympischen Spiele mitten in Kriegszeiten und unter extremer Terrorgefahr schönzureden und diese Spiele mit recht wenig Erfolg als die „Spiele für die Franzosen“ zu verkaufen, hat man Russland erlaubt, diese Veranstaltung als Propaganda-Show zu missbrauchen. Dass russische und belorussische Sportler und Funktionäre teilnehmen dürfen, ist bereits an sich ein Skandal, sind diese doch in der Regel Sportsoldaten (wie in anderen Ländern auch) und jeder weiß, dass russische oder belorussische Erfolge in Paris der russischen Propaganda nützen, neutrale Flagge hin oder her.

Der virulente Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, Moskau habe keine „offizielle Anfrage“ für eine Waffenruhe aus Frankreich erhalten und überhaupt, man stehe einem solchen Ansinnen nicht positiv gegenüber, da ja ansonsten die Ukraine die Zeit nutzen würde, sich neu aufzustellen und zu organisieren. Alleine dieser Verstoß gegen den Olympischen Grundgedanken wäre schon Grund genug, keine russischen und belorussischen Sportler und Funktionäre an diesen Spielen teilnehmen zu lassen.

Dass man vor einigen Wochen in Paris verkündete, dass Sportler aus diesen Ländern nicht an der pharaonisch pompösen Eröffnungsfeier auf der Seine mitmachen dürfen, ändert nichts. Abgesehen davon, dass man in Paris angesichts der internationalen Bedrohungslage schon Ersatzpläne für eine kleinere Version der Eröffnungsfeier auf dem Pariser Trocadero (der weder genug Platz bietet, noch entsprechend gesichert werden kann) oder gleich im Stade de France erstellt, sollte keine kriegsführende Nation an Olympischen Spielen teilnehmen dürfen.

Inzwischen ist ebenfalls klar, dass die ursprüngliche Aussage „Olympische Spiele finanzieren sich selbst“ Makulatur ist und dass die Spiele die Franzosen Milliarden kosten werden. Die „Personality Show“ des französischen Präsidenten werden nicht etwa die „Spiele der Franzosen“, von denen sich die meisten weder die teuren Eintrittskarten, noch die explodierten Preise für Übernachtungen und Verpflegung leisten können, sondern ein löcheriger Hochsicherheits-Akt, bei dem russische Sportler dafür sorgen werden, dass sich Wladimir Putin im Erfolg russischer Sportler sonnen kann. Wie sagte der russische Sportminister Oleg Matytsin? „Wir sollten die Spiele in Paris nicht boykottieren, denn sie sind eine gute Gelegenheit, unseren Leuten zu zeigen, was für ein erfolgreiches Land Russland ist“.

Die Frage einer Waffenruhe während der Spiele in Paris hätte nicht Gegenstand einer lockeren mündlichen Anfrage sein sollen, sondern eine conditione sine qua non für eine Teilnahme russischer Sportler. Doch weder das IOC, noch die französische Regierung haben sich getraut, „klare Kante“ zu zeigen, doch passt das in das Gesamtbild dieser Olympischen Spiele, bei denen bislang kaum etwas so verläuft, wie es das eigentlich sollte.

Dass man Russland die Wahl lässt, ob die Angriffe auf die Ukraine während der Spiele weiterlaufen, ist nur einer von vielen Fehlern, die im Vorfeld dieser Veranstaltung gemacht wurden. Ob diese Spiele tatsächlich eine positive, weltweite Kommunikation für Paris und Frankreich werden, ist mehr als fraglich. Denn diese Hochsicherheits-Spiele werden nicht etwa das „Fest der Jugend der Welt“, sondern eine Leistungsschau für Hersteller aller möglichen Sicherheits-Technologien, die am Ende diese Spiele auch nicht umfassend schützen können. Für die meisten Franzosen sind diese Spiele heute schon nichts anderes als ein sehr teures Ärgernis. Laut einer Umfrage der Zeitung „20minutes“ sagten 60 % der Befragten, dass sie von dieser Veranstaltung alles andere als begeistert sind. Aber Hauptsache, Emmanuel Macron freut sich…

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