Eltern haften nicht für ihre Kinder…
Der Sohn der Nazijäger Beate und Serge Klarsfeld, Arno Klarsfeld, fordert Nazi-Methoden, um unliebsame Ausländer aus Frankreich abschieben zu können.
Beate und Serge Klarsfeld, Helden der Naziverfolgung, müssen an den Aussagen ihres Sohns Arno verzweifeln. Foto: Nicolas Richoffer / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int
(KL) – Beate und Serge Klarsfeld waren, zusammen mit Simon Wiesenthal, die wohl weltweit bekanntesten Nazi-Jäger. Sie spürten hohe Nazis auf, die ins Ausland geflohen waren, und brachten diese vor die Gerichte. Beate Klarsfeld wurde bekannt, als sie im Bundestag den damaligen Bundeskanzler Georg Kiesinger wegen dessen Nazi-Vergangenheit ohrfeigte. Doch dürften heute Beate Klarsfeld (86 Jahre) und Serge Klarsfeld (90 Jahre) an den Aussagen ihres Sohns Arno verzweifeln. Denn Arno Klarsfeld fordert landesweite Razzien, um sich illegal in Frankreich aufhaltende Ausländer aufzuspüren und diese zu deportieren. Ebenso schlimm wie diese Forderung ist auch die Sprache, derer sich Arno Klarsfeld bediente.
Das Trump’sche ICE-Drama findet offenbar auch in Europa Befürworter. So fordert der Anwalt und Regierungsberater Arno Klarsfeld, dass Ordnungshüter „von Tür zu Tür“ das ganze Land auf der Suche nach illegalen Ausländern durchkämmen sollen. Für diese in einer TV-Runde aufgestellte Forderung benutzte Arno Klarsfeld den Begriff „rafles“, der in Frankreich seit der „Rafle du Vel d’Hiv“ am 16. und 17. Juli 1942 eindeutig besetzt ist. Damals verhafteten auf Befehl der Kollaborations-Regierung in Vichy französische Polizisten mehr als 13.000 Juden, pferchten diese ins Radportstadion „Vélodrome d’Hiver“ in Paris, von wo aus sie nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht wurden. Der Begriff „rafles“ wird seitdem eigentlich nicht mehr verwendet, stattdessen würde man für „Razzia“ eher „descente“ sagen. Doch Arno Klarsfeld will „rafles“ organisiert sehen, bei denen wie in den USA verhaftet und deportiert wird.
Für die Eltern Klarsfeld muss es fürchterlich sein, wenn ihr eigener Sohn öffentlich Nazi-Methoden fordert, um Illegale aufzuspüren und ebenfalls zu deportieren. Als würde das noch nicht reichen, stellt Arno Klarsfeld den mit so einer Aufgabe betrauten Beamten auch gleich einen Freifahrtschein aus – „natürlich kann es dabei auch zu Ungerechtigkeiten kommen“, sagte er, aber damit müsse man eben leben. Meint er damit „Ungerechtigkeiten“ wie die Ermordung von Renee Good und Alex Pretti durch die ICE-Schergen? Will er so etwas auch in Frankreich?
Ihr ganzes Leben haben Beate und Serge Klarsfeld dafür gekämpft, die Täter der Nazi-Verbrechen aufzuspüren und den Opfern durch die Verurteilung der Täter wenigstens ihre Würde zurückzugeben. Gerechtigkeit ist keinem der Opfer des Nazi-Terrors zuteil geworden, denn auch die härteste Strafe für die Nazi-Verbrecher konnte keines der Opfer wieder lebendig machen.
Mit seiner Forderung nach willkürlichen und im Kern natürlich illegalen Nazi-Methoden (auch in Frankreich gilt die „Unverletzbarkeit der Wohnung“), begibt sich Arno Klarsfeld auf die Linie des amerikanischen Neofaschisten Donald Trump. Dass Donald Trump zu denjenigen gezählt hätte, die seine Eltern gejagt hätten, kümmert Arno Klarsfeld wenig.
Zum Glück hat Arno Klarsfeld in der französischen Politik nichts zu sagen, doch seine krude Aussage dürfte von den Rechtsextremen freudig aufgenommen werden. Dass auch Europa vor einer riesigen braunen Welle steht, das ist bekannt. Dass aber der Sohn der bekanntesten Nazi-Jäger der Welt Nazi-Methoden fordert, das zeigt, dass momentan alles aus dem Ruder läuft.
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