Emmanuel Macron legt noch eine Schippe drauf

Der französische Präsident rührt weiterhin die Kriegstrommel. Trotz der ablehnenden Reaktionen der westlichen Partner will er nun die offene Konfrontation mit Russland.

Zwei Wochen vor Kriegsbeginn desavouierte Putin Macron, der danach der Weltpresse erklärte, dass er ganz alleine den Krieg verhindert hätte... Foto: Kremlin.ru / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Die Vorstellung, man müsse Russland nur ordentlich drohen, damit sich die russische Armee aus der Ukraine zurückzieht, ist rein westliches Wunschdenken. In der zeitgenössischen Vergangenheit gibt es kein Beispiel, in dem Russland vor markigen Sprüchen seiner Gegner zurückgewichen wäre, ganz im Gegenteil. Dazu ist die russische Militärdoktrin hinreichend bekannt und was Emmanuel Macron gerade veranstaltet, ist nichts anderes als Öl ins Feuer zu gießen. Offensichtlich will der Mann nicht nur als Organisator der Olympischen Spiele in die Geschichtsbücher eingehen, sondern auch als Kriegsherr.

Am Dienstag, in Prag, machte Macron dort weiter, wo er mit der Überlegung der Entsendung von NATO-Bodentruppen letzte Woche aufgehört hatte. Während die ukrainische Front bröckelt und sich alle beteiligten Konfliktparteien beharrlich weigern, Verhandlungen zur Beendigung dieses Dramas aufzunehmen, sucht Macron nun die Eskalation und spielt den starken Mann. Doch was soll man davon halten, wenn Macron den Westen auffordert „wieder die Initiative zu ergreifen, um diesen Krieg zu gewinnen“? Was genau meint er damit, speziell vor dem Hintergrund seiner Einlassungen in der letzten Woche? Will er wirklich die offene Konfrontation zwischen einer nicht sonderlich gut aufgestellten NATO und Russland? Will er wirklich den III. Weltkrieg?

Mit seinen kriegerischen Sprüchen, die ein unglaublicher Alleingang sind, setzt Macron nicht etwa Putin unter Druck, dem die Ansichten eines Emmanuel Macron herzlich egal sind, sondern Macron spaltet weiter den Westen. Haben ihm die Reaktionen aus den europäischen Hauptstädten und aus Washington nicht gereicht, als er erklärte, dass er auch die Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine „nicht ausschließen“ will? Es könnte inzwischen selbst im Elysee-Palast durchgesickert sein, dass niemand im Westen dies will. Und jetzt redet Macron vom „Sieg“ über Russland, während sich die Russen daran machen, den Durchbruch zum Dnipro zu schaffen?

Selbst militärisch machen Macrons Aussagen keinen Sinn. Westliche Truppen wären gar nicht in der Lage, im Schlamm der Ostukraine zu kämpfen, ohne entsprechende Erfahrungen, mit Ausrüstungen, die zu oft nicht funktionieren, eingebunden in Befehlsketten in einer Sprache, die sie nicht verstehen. Man sollte auch nicht vergessen, dass die russische Militärdoktrin eindeutig aussagt, dass Moskau sein nukleares Arsenal aktiviert, wenn das russische Territorium angegriffen wird. Genau das passiert inzwischen täglich und genau das ist der Grund, warum sich Bundeskanzler Olaf Scholz standhaft weigert, der Ukraine die gewünschten „Taurus“-Marschkörper zu liefern, mit denen die Ukraine Moskau angreifen könnte.

Dass sich Emmanuel Macron mit seinem kindischen Kriegsgeheuel für künftige europäische Spitzenposten disqualifiziert, traut sich wohl keine seiner Hofschranzen ihm zu sagen. Dass der Mann über Frankreich regiert, als sei er ein König, ist das Problem der Franzosen. Doch Europa braucht keinen König, weswegen Macron wohl seine europäischen Ambitionen vergessen kann.

Das Geplapper Macrons ist von unglaublicher Plattheit. Er fordert ein „strategisches Aufbegehren“, er will, dass der Westen nicht länger „passiv“ bleibt. Und Herr Macron will die Lage nicht länger „erdulden“, wie er in Prag sagte. Nein, er will die westlichen Partner „aufrütteln“, damit diese nicht länger vor den „nicht aufzuhaltenden Russen feige sind“. Mit solchen leeren Satzhülsen mag Macron seit 2017 in Frankreich durchgekommen sein, auf europäischer Ebene macht er sich damit nur lächerlich.

Denn was sein kriegerisches Geschwätz konkret bedeutet, das sagt Macron nicht. „Wir müssen wieder die Initiative ergreifen, wenn wir trotz allem diesen Krieg gewinnen wollen, der für uns strategisch ist.“ Aha. Frankreich befindet sich also schon im Krieg. Vorschlag: Herr Macron sollte sich eine Uniform anziehen, nach Kiev zu seinem Freund Selenskyi fahren und sich von dort an die Front fahren lassen. Mit einem Gewehr in der Hand in vorderster Front könnte er dann „die Initative ergreifen“ und die russische Armee, die sicherlich vor Macron zittert wie Espenlaub, eigenhändig aus der Ukraine werfen. Und dann, ja dann, würde Macron als Held in die Geschichtsbücher eingehen. Aber auch finanziell könnte Macron deutlich mehr für die Ukraine tun. Denn bisher belaufen sich die französischen Hilfen für die Ukraine gerade mal auf ein Zehntel der deutschen Hilfsleistungen. Könnte nicht mal einer seiner hoch bezahlten Berater dem französischen Präsidenten erklären, dass man vielleicht Wahlen, aber keine Kriege mit leeren Slogans und vollmundigen Sprüchen gewinnen kann?

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