Es geht um die Energie-Souveränität Europas

Angesichts der weltweiten Krisen müssen die Europäer rasch eine eigene Strategie entwickeln, um die Energie-Souveränität des alten Kontinents zu sichern. Lösungen gibt es.

Die Wasserstoff-Zukunft hat längst begonnen – aber jetzt müssen die Möglichkeiten konsequent genutzt werden. Foto: Dr. Artur Braun (Arturbraun) / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Die Welt befindet sich in einer beispiellosen Energiekrise, ausgelöst durch den Konflikt um die Straße von Hormus und den Iran. Nicht nur die Preise für fossile Energien explodieren, sondern es droht auch eine Energieknappheit, die aufgrund von Kerosinmangel sogar den Flugverkehr beeinträchtigen könnte. In einer Zeit, in der die europäische Verteidigungsdoktrin überdacht werden muss, kommt der Frage der Energiesouveränität eine zentrale Bedeutung zu.

Diese Energiekrise betrifft mehrere Schlüsselbereiche – Verteidigung, Industrie, Logistik, kurz gesagt alle Sektoren, die reibungslos funktionieren müssen, damit Europa gelassen in die Zukunft blicken kann. Leider tritt diese Krise zu einem Zeitpunkt ein, an dem Europa aufgrund der Trump-Politik, die Europa gegenüber geradezu feindselig ist – wie aus der neuen, kürzlich von der Trump-Regierung veröffentlichten 33-seitigen „Sicherheits-Strategie“ der USA hervorgeht –, gezwungen ist, die transatlantischen Beziehungen zu überdenken. Europa wird keine andere Wahl haben, als sich zu emanzipieren, die Energieabhängigkeiten zu beenden und einen europäischen Weg zu finden.

Aber hier ist die gute Nachricht: Europa verfügt über Alternativen. Die interessanteste ist zweifellos der natürliche Wasserstoff (H2nat), eine in großen Mengen verfügbare, günstige und umweltschonende Ressource. Anders als bei anderen Arten des Wasserstoffs (grüner, violetter, grauer Wasserstoff), die mit der Elektrolyse einen aufwändigen und teuren Prozess erfordern, kann der natürliche Wasserstoff nicht nur dazu beitragen, die wichtigsten Bereiche zu dekarbonieren – dazu sichert die Verwendung dieser Ressource gleichzeitig die Versorgungssicherheit und kann die Energiekosten sowohl im industriellen wie im privaten Bereich senken.

Eine der weltweit größten Reserven an natürlichem Wasserstoff wurde in Lothringen von den Forschern Philippe de Donato und Jacques Pironon vom Forschungsinstitut CNRS, der Firma GeoRessource und der Française de l’Énergie (FDE) entdeckt, die ein enormes Potential für die nächsten Jahrhunderte bietet. Diese Reserve erstreckt sich unterirdisch über Lothringen und Teile von Belgien, Luxemburg und Deutschland, was eine Perspektive für ein Projekt der europäischen Energie-Autonomie öffnet.

Mit genau dieser Perspektive organisiert der Verein „H2Strasbourg“ am 16. September 2026 in Metz das „Europäische Forum H2nat Verteidigung / Zivil“, bei dem politische Entscheider, Wissenschaftler, Industrielle und hohe Militärs diese Möglichkeiten besprechen werden. Bereits in der Vorbereitung dieses Forums haben zahlreiche Minister und Staatssekretäre der betroffenen Länder ihr großes Interesse bekundet, denn dieses Forum könnte der Ausgangspunkt für die „Energie-Emanzipation“ sein, die Europa heute braucht.

In unserem nächsten Artikel zu diesem Thema zeigen wir auf, was die Ressource H2nat in Lothringen für eine Bedeutung für Frankreich und Europa haben kann. Wenn Europa verhindern will, in seinen energietechnischen Abhängigkeiten zu verharren, muss man heute zur Nutzung dieser Ressource übergehen, die damit zu einem strategischen Element für das Funktionieren der europäischen Schlüsselbereiche wird.

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