Europa feiert sich selbst in Straßburg…
… und niemand kann so genau sagen, warum sich Europa selbst feiert, wo es doch um das institutionelle Europa schlechter steht als je zuvor. Ist das der Tanz auf dem Vulkan?
Offensichtlich richtet sich das "Europafest" nur an ein französisches Publikum... Foto: Stadt Straßburg
(KL) – Seit Samstag und bis zum 9. Mai feiert sich Europa in Straßburg, mit 50 Veranstaltungen, mit Ringelpiez mit Anfassen, einer Kirmes, Workshops, Musik, mit ausgelassenem Treiben, gerade so, als hätte Europa gerade einen Grund, sich selbst zu feiern. Aber irgendwie wirkt das „Europafest“ dieses Jahr mehr als deplatziert, als würde man die Augen davor schließen, dass Europa gerade Land für Land in die Hände der Neonationalisten fällt, als gäbe es keine Korruption in den Institutionen, als würden diese Institutionen Dinge beschließen, die den Menschen in Europa irgendetwas bringen würden. Oder ist dieses Europafest am Ende der Trostpreis dafür, dass Europa gerade kaum noch etwas auf die Reihe bringt? Oder gar „Brot und Spiele“, damit niemand daran denkt, wie schlecht es gerade um Europa steht?
Auffallend ist, dass selbst die dedizierte Website für dieses Europafest nur auf Französisch angeboten wird. Aber was soll ein franko-französisches Europafest? Hat man schon wieder vergessen, dass nur 5 Kilometer Luftlinie von der Kathedrale entfernt Deutschland liegt? Wäre es wirklich so schwierig gewesen, die Website mit allen Veranstaltungen auch auf Deutsch und Französisch anzubieten? Oder richtet sich dieses Europafest nur an Franzosen?
Wem ist denn momentan so richtig nach „Europa feiern“ zumute? Europa spielt in keinem der großen Weltthemen noch eine Rolle, weder im Ukraine-Krieg, noch im Israel-Gaza-Libanon-Konflikt, nicht im Krieg im Mittleren Osten, nicht in den aktuellen Handelskriegen. Europa ist mit seinen Ländern international in die 2. Liga abgestiegen und dient höchstens noch als Geldgeber, mit denen die aktuellen Kriege so lange verlängert werden können, wie die Rüstungsunternehmen Megagewinne einfahren. Soll das in dieser Woche gefeiert werden?
Europa sollte den Anspruch haben, mehr als Gimmicks zu verteilen und Tanzveranstaltungen zu organisieren, bei denen den Menschen suggeriert wird, dass Europa eine ganz tolle Geschichte ist, die irre viel für die Menschen tut. Dass dieses Fest wie jedes Jahr stattfindet, als ob die Welt inklusive Europa gerade nicht vor die Hunde geht, ist gleichzeitig schwach und wenig überraschend. Wenn einem nichts Angemessenes für die aktuelle Situation einfällt, dann macht man eben das, was man jedes Jahr macht. Ein Europafest.
Trotz allem muss man festhalten, dass diese dedizierte Website sehr informativ gestaltet ist, mit interessanten Inhalten über „Europa in Straßburg“, aber leider sind diese wirklich interessanten Informationen nur für Menschen, die Französisch sprechen. Unverständlich, dass Europa in Straßburg nur bis zum Rhein reicht…
Zum Höhepunkt der Festivitäten, wenn des Endes des II. Weltkriegs am 8. Mai gedacht wird, werden sich alle etwas einfallen lassen müssen. Denn im 5. Kriegsjahr und an der Schwelle zum III. Weltkrieg „Nie wieder Krieg“ zu skandieren, das ist dann schon fast lächerlich, zu einem Zeitpunkt, wo ein allgemeiner Konsens zu herrschen scheint, dass Krieg, Gewalt und Hass die einzige Lösung von Problemen sind.
Na ja, schauen Sie sich das Programm auf dieser dedizierten Website an (falls Sie die Sprache Molières perfekt beherrschen) und wenn Ihnen danach ist, in den nächsten Tagen Europa und dessen unglaubliche Leistungen und Fortschritte zu bejubeln, dann ist dieses Europafest für Sie! Viel Spaß!
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