Frankreich – und wieder Sabotage

Rund um die Olympischen Spiele kommt es nach der Sabotage am französischen Schienennetz nun zu erneuten Sabotageakten – gegen die Datenautobahn.

Erneute Sabotageakte rund um die Olympischen Spiele - dieses Mal gegen die Kommunikations-Infrastruktur. Foto: Boborama / Wikimedia Commons / CC-BY 4.0int

(KL) – Wer immer hinter den Sabotageakten gegen das französische Schienennetz und nun gegen die Telekommunikations-Infrastruktur steckt, sendet damit eine Botschaft aus: Es gibt während der Olympischen Spiele kein „ruhiges Hinterland“. Angesichts der offensichtlich generalstabsmäßig geplanten und durchgeführten Sabotageakte muss man davon ausgehen, dass solche Aktionen die ganzen Olympischen Spiele begleiten werden.

Erst gestern Morgen war der Schienenverkehr wiederhergestellt worden, nachdem Sabotageakte in der Nacht vom letzten Donnerstag auf Freitag auf zahlreichen Fernstrecken für Störungen und Zugausfälle gesorgt hatten, die rund 800.000 Reisende betrafen. In der Nacht von Montag auf Dienstag erwischte es dezentral die technischen Infrastrukturen der großen Telekommunikationsanbieter Bouygues Telecom, Free und SFR. In sechs Departements zwischen Südfrankreich und dem Norden an der Grenze zu Luxemburg fielen Internet-Zugang, Festnetz- und Mobiltelefonie aus.

Hinter diesen Sabotageakten muss man nun eine größere Organisation vermuten. Denn um solche Akte gleichzeitig an 1000 km voneinander entfernten Orten durchzuführen, muss man über militante Aktivisten und eine durchorganisierte Logistik verfügen. Bezüglich der Sabotage am Schienennetz hat die Polizei nun einen Tatverdächtigen aus dem linksextremen Spektrum ermittelt und festgenommen und in der Tat, die Art der Anschläge, bei denen immerhin darauf geachtet wird, dass keine Menschen zu Schaden kommen, deutet eher auf Täter aus diesem Bereich hin. Doch genau kann das momentan niemand sagen.

Im Vorfeld hieß es aus diesem Spektrum „keine Regierung, keine Olympischen Spiele“. Die Frage lautet nun, wie es weitergeht. Denn so, wie die bisherigen Sabotageakte abliefen, kann niemand ausschließen, dass es zu weiteren Zwischenfällen kommt. Für die Polizei ist das ein riesiges Problem, denn fast alle verfügbaren Ordnungskräfte sind in Paris und an den anderen Austragungsorten der Wettbewerbe, was zwangsläufig bedeutet, dass deutlich weniger Polizisten in der Provinz im „normalen“ Einsatz sind, was den Saboteuren ihr Handeln wiederum erleichtert.

Zwar waren von diesen Sabotageakten gegen die Kommunikations-Infrastruktur „nur“ sechs Departements betroffen, doch in diesen ging gestern nicht mehr viel. Kein Zugang zum Internet, kein mobiles Telefonieren und auch diejenigen, die noch einen Festnetzanschluss haben, konnten diesen nicht nutzen, sofern sie bei einem der drei großen Anbieter sind.

Wie wird es weitergehen? Es gibt viele Gruppen und Gruppierungen, die eine riesige Wut auf diese Regierung und teilweise auch auf diesen Staat haben. So, wie diese Sabotageakte vorbereitet und durchgeführt wurden, kann es sein, dass weitere Operationen vorbereitet wurden und ausgeführt werden.

Im Grunde handelt es sich um terroristische Akte, mit dem Unterschied zu den bekannten Terrorismus-Schemata, dass vermieden wird, dass Menschen zu direktem Schaden kommen. Dies lässt die Piste islamistischen Terrors als unwahrscheinlich erscheinen, und man kann nur hoffen, dass es sich nicht um den Auftakt zu einer „Sabotage-Welle“ handelt und dass diese Aktionen keine Trittbrettfahrer und Nachahmer finden. Nur – wenn diese Aktionen dezentral stattfinden, in einem großen Land wie Frankreich, dann ist klar, dass sie kaum zu verhindern sind. Doch auch, wenn alle hoffen, dass es das nun mit der Sabotage war, so ist es geradezu unwahrscheinlich, dass diese Aktionen jetzt einfach aufhören. So sehr man sich das wünschen würde.

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