Frankreich – was denn nun schon wieder?

Frankreich kommt einfach nicht zur Ruhe. Während die Regierung nur noch die Olympischen Spiele im Kopf hat, gingen gestern die Apotheker auf die Straße.

Über 90 % der Apotheken in Frankreich blieben gestern geschlossen. Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0

(KL) – Wer gestern in Frankreich in die Apotheke wollte, um ein Medikament zu holen, stand vor verschlossenen Türen. Nicht etwa, weil Fronleichnam war, denn das ist in Frankreich kein gesetzlicher Feiertag, sondern weil gestern landesweit über 90 % der Apotheken streikten. Dabei ging es nicht um höhere Gehälter oder eine Verkürzung der Arbeitszeit, sondern darum, dass nicht nur immer mehr Apotheken schließen, viele Medikamente gar nicht mehr verfügbar sind und dass die Regierung eine Gesetzesänderung plant, die Frankreichs Apotheker unter immer größeren Druck setzt. Und deshalb blieben am gestrigen Aktionstag in Frankreich die Apotheken geschlossen.

Mehrere Punkte sind momentan besonders für diesen Berufsstand belastend. Die Regierung will das Bestellen von Medikamenten im Internet liberalisieren, doch damit entfällt eine wichtige Beratungsfunktion für die Patienten und ein großer Teil der Umsätze in den Apotheken wird ins Internet abwandern. Dabei mussten in den letzten Jahren seit 2014 bereits 2000 Apotheken in Frankreich schließen, alleine 300 im letzten Jahr. Denn auch die Apotheker müssen mit steigenden Energiekosten klarkommen, mit anderen steigenden Kosten aufgrund der Inflation und wenn dann auch noch die Umsätze ins Internet abwandern, wird es für viele Apotheken eng.

Dazu klingeln die Alarmglocken in Frankreichs Apotheken. Laut Pierre-Olivier Variot, dem Vorsitzenden des Verbandes der Apotheker-Gewerkschaften, sind aktuell 4.700 (!) Medikamente nicht lieferbar, was in den Apotheken zu stressigen Situationen führt, wenn Patienten benötigte Medikamente nicht erhalten, und ihre Frustration an den Überbringern der schlechten Nachrichten auslassen, nämlich den Mitarbeitern der Apotheken, die für diese Nichtverfügbarkeit der Medikamente nichts können.

So standen dann gestern auch die Demonstrationen unter dem Motto „Wir demonstrieren für Ihre Gesundheit“, doch steht zu befürchten, dass dies die ultraliberalen Pläne der Regierung nicht ändern wird. Dass man in Paris nicht merkt, dass nicht alle Berufsbilder „uberisiert“ werden können, wird für Patienten und Apotheker spürbare Folgen haben. Besonders im ländlichen Raum, wo nicht nur ein akuter Medizinermangel herrscht, sondern es auch katastrophale Folgen für die Menschen in diesen ländlichen Gegenden hätte, wenn dort die letzten Apotheken schließen müssten.

Mehr als die Alarmglocken zu klingeln, können die Apotheker auch nicht machen. Leidtragende der Pariser Politik werden alle Franzosen sein, doch solange die Apotheker nicht wie die Bauern das ganze Land lahmlegen, wird diese Regierung auch nicht réagieren. Inzwischen hoffen immer mehr Franzosen, dass ihr „kleiner König“ nach den Olympischen Spielen das Handtuch wirft, das Parlament auflöst und Neuwahlen ausschreibt. Denn bis zum Ende der Amtszeit dieses Präsidenten und seiner Regierung 2027, können sie noch derart viel anstellen, dass die nächste Regierung alle Hände voll zu tun haben wird, die Maßnahmen dieser aktuellen Regierung wieder rückgängig zu machen. 2024 – die Franzosen haben die Nase gestrichen von der „Macronie“ voll. Wie sehr, das werden wir am 9. Juni bei der Europawahl erfahren.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste