Frankreichs Linke verzwergt sich immer weiter

Am Wochenende trafen sich Vertreter mehrerer linker Gruppierungen in Trappes bei Paris, um Pläne für die nächsten Wahlen zu schmieden. Aber eine Alternative sind diese Linken nicht.

Viel mehr als "Hoffnung" bleibt Frankreichs "Linken" wohl nicht mehr... Foto: Gemeinde Nagel / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Bekommen Frankreichs Linke eigentlich noch mit, wo sie wirklich stehen? Bei dem Treffen in Trappes nahmen Olivier Faure (Parti Socialiste), Marine Tondelier (Grüne – EELV) und ehemalige Abgeordnete der linksextremen LFI wie François Ruffin (Debout !), Clémentine Autain (L’Après) und Benjamin Lucas (Génération.s) teil, die allerdings eher kleine und kleinste Gruppierungen darstellen, nicht aber Parteien. Doch fast interessanter als die Liste der Teilnehmer war die Liste derjenigen, die nicht an diesem Treffen teilnahmen, bei dem es unter anderem um eine gemeinsame Strategie für die nächsten Präsidentschaftswahlen 2027 ging, bei der diese linken Kräfte mit einem gemeinsamen Kandidaten antreten wollen, der bei einer Vorwahl 2026 bestimmt werden soll.

Bei diesem Treffen der „geeinten“ Linken nahmen der Chef der linksextremen LFI Jean-Luc Mélenchon, der Chef der Mitte-Links-Formation „Place Public“ Raffaël Glucksman und der Chef der Kommunistischen Partei Fabien Roussel NICHT teil – was bedeutet, dass diese „geeinte Linke“ praktisch kein Wählerpotential hat, während die drei Abwesenden zusammen in den Umfragen zusammen immerhin noch auf rund 25 % der Stimmen kämen. Hier überschätzt die „geeinte Linke“ ihr Potential und versucht, sich stark zu reden. Doch ohne Rückhalt in der Bevölkerung ist dieser xte Versuch, die linken Kräfte auf einen Nenner zu bringen, zum Scheitern verurteilt.

Das große Problem der französischen Linken ist, dass sie sich seit Jahren gegenseitig um die Frage zerfleischen, wer die „wahre Lehre“ vertritt, gleichzeitig aber ihren wahren politischen Gegner, das rechtsextreme Lager, gar nicht mehr bekämpft. Das werden sie so lange machen, bis Frankreich einen rechtsextremen Präsidenten und einen rechtsextremen Regierungschef hat und das könnte schon ziemlich bald der Fall sein.

Problematisch ist auch, dass die sozialistische PS das Etikett „sozialistisch“ gar nicht mehr verdient, hat sie sich doch unter Parteichef Olivier Faure zu einer Art Stütze der „Macronie“ entwickelt und der Parteichef selbst wird von vielen Beobachtern als der „Totengräber der Sozialistischen Partei“ betrachtet. Dass nun die unstete PS eine Art Führungsrolle in dieser „geeinten Linken“ beansprucht, läutet bereits den Abgesang auf diese neue Kooperation ein.

Frankreichs ewig zerstrittene Linke ist ebenso wie die „Macronie“ für den Aufstieg des rechtsextremen Rassemblement-ex-Front National verantwortlich. Die unglaubliche Schwäche dieser Linken nützt nur den Rechtsextremen, die momentan einfach nur abwarten müssen.

Dass es zu keinem Schulterschluß der Linken kommt, liegt aber nicht nur an Olivier Faure, sondern ganz besonders auch am Chef der linksextremen LFI Jean-Luc Mélenchon, der mit seiner Sympathie für linke Diktatoren und Terroristen einen großen Teil von Wählern vergrault hat, die eigentlich „links“ wählen würden, nicht aber für eine Partei, in der man „Terrorismus“ und „Freiheitskampf“ verwechselt. Auch Raffaël Glucksmann verrät nun die linken Formationen, nachdem diese ihn ins Europaparlament gehievt haben – doch jetzt geht der Mann davon aus, dass er auch alleine klarkommt.

Dass die Wählerschaft von diesem Kasperletheater inzwischen die Nase gestrichen voll hat, ist nachvollziehbar. Und während man bei den linken Splittergrüppchen von einer großen Zukunft träumt, bereiten sich die Rechtsextremen auf die Machtübernahme vor. Und die könnte danach ebenso in Deutschland passieren, wo die Entwicklung nicht viel anders ist. Deutschland, Frankreich und Europa haben eine ganz schwierige Zukunft vor sich…

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