Freiburg – die Räumung des Dietenbach-Geländes geht weiter

Stadtentwicklung vs. Naturschutz und Lebensqualität – beides ist häufig nicht miteinander vereinbar. Lösungen im Dialog scheinen nur selten möglich zu sein.

Seit Beginn der Planungen des neuen Stadtteils protestieren Umwelt-Verbände – doch die Arbeiten haben nun begonnen. Foto: Andreas Schwarzkopf / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Dort, wo es westlich von Freiburg in die rheinische Tiefebene geht, befindet sich das Dietenbach-Gelände, benannt nach dem gleichnamigen Bach, der diese Fläche durchquert. Und wieder einmal prallen hier die Themen „Naturschutz“ und „Stadtentwicklung“ aufeinander. Neben dem Gelände, wo ein neuer Stadtteil entstehen soll, haben Aktivisten ein Waldstück besetzt, doch mit Beginn der eigentlichen Arbeiten an diesem neuen Stadtviertel hat die Polizei am letzten Wochenende damit begonnen, dieses Waldstück zu räumen. Was auch nicht ganz einfach ist.

Wieder einmal ist es die Auseinandersetzung zwischen Staat und Naturschützern, bei denen es am Ende keine „Gewinner“ geben kann. Die Situation erleben viele europäische Länder immer dann, wenn größere Infrastrukturprojekte anstehen, denn Infrastrukturprojekte haben häufig dort, wo sie entstehen, negative Auswirkungen auf die umgebende Natur. Das gilt natürlich auch für das Dietenbach-Gelände, das von vielen Freiburgern als eine Art Naherholungsgebiet zwischen dem Viertel Rieselfeld und dem Mundenhof genutzt wird.

Die Genehmigungsverfahren durch die Stadt und die Verwaltung sind abgeschlossen, zum Thema „Bebauung des Dietenbach-Geländes“ gab es 2019 einen Bürgerentscheid, bei dem sich 60 % der abstimmenden Freiburger für die Bebauung und somit das Entstehen dieses neuen Viertels aussprachen. Doch die Proteste rissen nicht ab, insbesondere wegen der Rodung von 5 Hektar Wald für das Projekt, obwohl im Projektplan vor dem Bürgerentscheid Baumfällungen ausdrücklich ausgeschlossen worden waren. Doch angesichts des Vorliegens aller erforderlichen Genehmigungen und des durchgeführten Bürgerentscheids kann das gesamte Verfahren allerdings nicht als „willkürlich“ bezeichnet werden.

Die Politik befindet sich in solchen Situationen in einer heftigen Zwickmühle. Einerseits steht sie in der Verpflichtung, bezahlbaren und lebenswerten Wohnraum zu schaffen (was gerade in Freiburg mit den hohen Mieten ein extrem dringender Bedarf ist), andererseits ist die Stadt aber auch für Natur- und Klimaschutz verantwortlich.

Wie es mit der Frage der geplanten Klimaneutralität für diesen neuen Stadtteil aussieht, dazu gibt es unterschiedliche Standpunkte. Während das „Öko-Institut“ der Ansicht ist, dass das Bauvorhaben zu energieintensiv und zu teuer sei, wourch das Ziel der Klimaneutralität verfehlt würde, ist die Stadt Freiburg der Ansicht, dass alle Projekt-Parameter erfüllt sind und umgesetzt werden können.

Nun werden auf jeden Fall unverrückbare Tatsachen geschaffen und auch das kennt man von vielen Infrastrukturprojekten in der ganzen Welt. Aktivisten werden vorübergehend von der Polizei festgenommen, sie werden sich später Verfahren wegen der üblichen Anzeigen wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und eventuell Widerstand gegen die Staatsgewalt stellen müssen und der ganze Ablauf wird auch weiterhin konfliktuell bleiben.

Die Positionen scheinen unvereinbar zu sein, doch jetzt, wo konkret mit den Arbeiten begonnen wird, ist das Projekt wohl nicht mehr zu stoppen. Wie sollte es auch gestoppt werden, wenn alle administrativen Auflagen erfüllt sind und sich die Bevölkerung für das Entstehen dieses neuen Stadtteils ausgesprochen hat?

Nun kann man nur hoffen, dass die Auseinandersetzungen im Rahmen bleiben und dass dort am Ende tatsächlich nicht etwa ein Spekulationsobjekt, sondern ein sozialverträglicher und klimaneutraler Stadtteil entsteht.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste