Fünf Jahre können ganz schön kurz sein…

Der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hat seine fünf Jahre Haft in nur 20 Tagen im berüchtigten Gefängnis „La Santé“ abgesessen. Nun ist er wieder draußen.

Kunststück - Nicolas Sarkozy hat seine fünf Jahre Haft in nur 20 Tagen abgesessen... Foto: Jacques Paquier / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

(KL) – So viel Lärm um nichts! Es hatte viele Jahre lang gedauert, bis der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ im Zusammenhang mit der Finanzierung seiner Präsidentschafts-Kampagne 2007 durch den libyschen Diktator Muammar Khadafi verurteilt worden war. Fünf Jahre Haft lautete das Urteil und tatsächlich, im Oktober musste Sarkozy seine Haft antreten. Das Ganze war ein riesiges Medien-Spektakel, doch jetzt, nur 20 Tage später, ist Sarkozy wieder daheim. Die Auflagen, die er einhalten muss, dürften um einiges angenehmer sein als seine Zelle in „La Santé“…

Die meisten Beobachter hatten es vorher gesagt – lange würde Sarkozy nicht im Gefängnis bleiben. Es wurde auch viel diskutiert, ob er als Ex-Präsident überhaupt einer irdischen Gerichtbarkeit unterliegt und ob man einen Präsidenten einsperren sollte. Die Frage hat sich nun von alleine gelöst – Sarkozy durfte unter Auflagen wieder nach Hause.

Die Auflagen dürften für Sarkozy kein echtes Problem darstellen. An die elektronische Fußfessel ist der Mann bereits seit geraumer Zeit gewöhnt und dass er vorerst nicht ins Ausland reisen darf, das ist auch nicht so schlimm. Denn schöne Orte zum Urlauben, im Sommer wie im Winter, gibt es in Frankreich auch. Und ab sofort kann ihn seine Partnerin Carla Bruni wieder in den Schlaf singen, was in „La Santé“ wohl etwas anders war.

In Frankreich diskutiert man jetzt eine „Justiz der zwei Geschwindigkeiten“. Verständlich, denn dass ein zu fünf Jahren Haft verurteilter Straftäter bereit nach 20 Tagen wieder daheim ist, das gibt es eigentlich gar nicht. Es sei denn, man ist französischer Ex-Präsident, für den ganz offensichtlich andere Regeln gelten als für Normalsterbliche. Emmanuel Macron wird es mit Genugtuung vernommen haben, denn auch auf ihn dürften nach seiner Amtszeit verschiedene Prozesse zukommen. Doch wissend, dass man fünf Jahre auf 20 Tage komprimieren kann, dürfte sich Macron nicht allzu viele Sorgen machen.

Frei nach George Orwell könnte man jetzt sagen, „vor dem Gesetz sind alle gleich. Aber einige sind gleicher als andere…“. Doch so richtig vorbei ist die ganze Geschichte für Sarkozy noch nicht. Weitere Verfahren stehen an, doch wenn diese so verlaufen wie die bisherigen Prozesse, muss sich Sarkozy nicht allzu viele Gedanken machen. Aber um es gleich zu sagen und „normalen“ Straftätern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen – jeder andere, der zu fünf Jahren Haft verurteilt wird und zuvor nicht Präsident Frankreichs war, wird auch weiterhin mindestens zwei Drittel seiner Strafe absitzen müssen. So ist das eben, wenn man nicht rechtzeitig Präsident Frankreichs war…

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