Greenwashing in Baku

Die Klimakonferenz COP29 in der Hauptstadt von Aserbaidjan Baku ist bereits zum Start eine Farce. 40.000 Teilnehmer geben sich Mühe, den autoritären Staat gut aussehen zu lassen.

Wie die COP28 in Dubai ist die COP29 in Baku eine reine Greenwashing-Veranstaltung. Foto: Dean Calma / IAEA Imagebank / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

(KL) – Bis zum 22. November geben sich 40.000 Teilnehmer an der COP29 in Baku die Klinke in die Hand. Mit konkreten Ergebnissen rechnet ohnehin schon niemand mehr, vermutlich werden wieder ein paar ambitionierte Ziele definiert, an die sich niemand halten wird, dafür wird aber das autoritäre Regime des Diktators Ilham Aliyev durch die Anwesenheit der vielen Teilnehmer aufgewertet. Den Ton gab Aliyev bereits zum Auftakt vor – „Das Öl ist ein Geschenk Gottes“, erklärte er und erteilte damit bereits beim Start der Konferenz dem Ausstieg aus fossilen Energieträgern eine Absage.

Wie viele solcher COP-Konferenzen sollen eigentlich noch die Umwelt belasten und von Gewinnen aus Öl-Geschäften finanziert werden? Wie viele solcher COP-Konferenzen sollen eigentlich noch höchst fragwürdigen Regimes zu ein wenig „grüner Anerkennung“ verhelfen? Und wann wird man diese Konferenzen einstellen, da die bei diesen Gelegenheiten verkündeten Maßnahmen ohnehin nicht umgesetzt werden, während gleichzeitig die Klimakatastrophen immer schlimmere Formen annehmen?

Dass die meisten Staatschefs nicht nach Baku reisen, bis auf den britischen Premier Starmer und die italienische Regierungschefin Meloni, ist ein gutes Zeichen. Starmer und Meloni sind vermutlich gekommen, weil sie beide momentan Verbündete und Sichtbarkeit brauchen. Ansonsten wird immer deutlicher, dass die wahren Entscheider schon gar nicht mehr an diesen Megakonferenzen teilnehmen, die unter einem grünen Deckmäntelchen lediglich eine nette Gelegenheit für Business-Tourismus geworden sind.

Nach Dubai also Baku und dann, für die COP30, findet sich sicherlich ein anderer Diktator, der dringend ein wenig Greenwashing braucht und bereit ist, zehntausende Konferenzteilnehmer zu empfangen.

Doch man muss nicht einmal mehr Experte sein, um die nicht enden wollende Kette von Wetterkatastrophen zu bemerken. Orkane in seltener Intensität, Überschwemmungs-Katastrophen in vielen Teilen der Welt, extreme Hitzewellen, das Abschmelzen der Pole – jeder sieht es und jeder erwartet von den anderen, dass sie das Problem lösen. Doch was kann das Verbot von Plastik-Strohhalmen schon gegen die verpestenden Industrien in China, den USA und auch Europa ausrichten?

Ständig neue und noch ehrgeizigere Klimaziele zu definieren, bringt leider überhaupt nichts mehr. Doch die Politiker dieser Welt, die alle nur bis zum nächsten Wahltermin denken, packen die Probleme nicht an. Zu komplex, zu teuer, zu schwierig. Da organisiert man lieber die nächste COP und hat dabei das angenehme Gefühl, sich für den Klimaschutz zu engagieren. Was für eine Heuchelei!

Dass diese COP29 ausgerechnet in einem Land stattfindet, das zu den Öl produzierenden und verarbeitenden Ländern gehört und das nicht im geringsten bereit ist, auf fossile Energieträger zu verzichten, macht aus dieser COP29 einen schlechten Witz. Dass 40.000 Teilnehmer dieses Regime durch ihre Anwesenheit adeln, macht alles noch einmal schlimmer. Doch eines wird in Baku deutlich – den Klimawandel wird niemand ernsthaft aufzuhalten versuchen und diese COP-Veranstaltungen sind inzwischen reine Kommunikations-Events für Länder, die es nötig haben, ihren miesen Ruf aufzupolieren. Da könnte man genauso gut das Ende der COP-Reihe ausrufen.

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