„Il sistema“ schlägt wieder zu

Der italienische Investigativ-Journalist Sigfrido Ranucci a subi une attaque à la bombe qui a détruit sa voiture et celle de sa fille devant sa maison près de Rome.

Sigfrido Ranucci - es gibt viel zu wenige Journalisten wie ihn. Foto: ArezzoTV / Wikimedia Commons / CC-BY 3.0

(KL) – Sigfrido Ranucci ist ein italienischer Investigativ-Journalist, der in seiner sehr beliebten Sendung „Report“ auf RAI 3 immer wieder die Verflechtungen zwischen Politik, Magistratur, den großen Staatsunternehmen und der Mafia thematisiert hat, zu dem Thema auch Bücher geschrieben hatte und sich nicht einschüchtern ließ. Ein Bombenattentat vor seinem Haus zerstörte sein Auto und das seiner Tochter, während sich Ranucci daheim aufhielt. „Il sistema“ will ihn zum Schweigen bringen und dies war wohl die zweite, letzte Warnung, nachdem er 2024 zwei leere Patronenhülsen vor seinem Haus gefunden hatte, was eindeutig auf die Mafia hinweist.

Dass die italienische Politik „bestürzt“ auf diesen Anschlag reagierte, ist der Gipfel der Heuchelei, ist die italienische Politik doch bis hinein in die höchsten Ebenen mit „il sistema“ verbandelt, beispielsweise über die obskure Freimaurerloge „Ungheria“, der Nachfolgerin der ebenso berüchtigten Loge „P2“, die vor einigen Jahren die Verbindungen zwischen Politik, Vatikan und eben der Mafia organisierte.

Zwar steht Ranucci jetzt unter Polizeischutz, ähnlich wie der ebenso mutige Staatsanwalt Nicola Gratteri, der bereits seit Jahren unter massivem Polizeischutz lebt, nachdem er Hunderte Mafiosi für fast 4800 Jahre hinter Gitter gebracht hatte. Doch wer in Italien gegen die Mafia vorgeht, lebt gefährlich.

Dies mussten wir am eigenen Leib erfahren, als wir vor zwei Jahren den Fall des Rosario Leo untersuchten, dessen Firma von „il sistema“ ausgeblutet wurde, wobei sich Rosario Leo immer geweigert hatte, seine „Abgaben“ an die Mafia zu entrichten. Zum diesem Thema war unser Team in Sigfrido Ranuccis Sendung eingeladen worden, doch bei der Ankunft im Studio wurde uns mitgeteilt, dass das Justizministerium unsere Teilnahme an der Sendung untersagt hatte und da „Report“ auf einem öffentlich-rechtlichen Sender läuft, musste sich Ranucci dieser Anweisung beugen. Doch wenn heute diejenigen, die damals alles daransetzten, dass der Fall Rosario Leo totgeschwiegen wird, von „Pressefreiheit“ reden, dann klingt das wie Hohn. Wer noch einmal nachlesen will, wer alles Kenntnis von diesem Fall hatte, kann das HIER tun.

Der Anschlag auf Sigfrido Ranucci erinnert stark an die Ermordung der Richter Falcone und Borsalino. Autobomben sind eine „Spezialität“ der Mafia, die eigentlich seit geraumer Zeit von solchen Aktionen Abstand genommen hatte, doch offenbar stören die Ermittlungen von Sigfrido Ranucci „il sistema“ sehr. Die Pressefreiheit in Italien ist sehr gefährdet, investigative Journalisten sind es ebenfalls. Doch Italien wird „il sistema“ einfach nicht los, zumal die Politik auch alles daran setzt, den Mitgliedern von „il sistema“ Straffreiheit zu gewähren und sogar per Gesetz den Ermittlungsbehörden Dinge wie das Abhören von Telefonen von Vertretern von „il sistema“ verboten hat, was praktisch keine polizeilichen Ermittlungen gegen Vertreter dieses hoch korrupten Systems mehr ermöglicht.

Die Mafia bekämpfen in Italien nur noch eine Handvoll mutiger Staatsanwälte, Polizeioffiziere und Journalisten. Alle erleben maximalen Druck, aber eben nicht nur von der Mafia, sondern auch von anderen Stellen. Ob Italien die Macht des organisierten Verbrechens jemals beenden kann, ist fraglich. Sigfrido Ranucci kann man nur alles Gute wünschen und hoffen, dass er auch weiterhin das organisierte Verbrechen auf so vielen Ebenen bekämpft.

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