Ist das Frankreichs nächster Präsident?
In den Umfragen für die Präsidentschaftswahl 2027 in Frankreich führt der Rechtsextreme Jordan Bardella haushoch. Wie in anderen Ländern weht der Wind von rechtsaußen.
Wenn nicht etwas Unerwartetes passiert, wird Jordan Bardella der nächste französische Präsident werden. Foto: Thomas Bresson / Wikimedia Commons / CC-BY 4.0int
(KL) – Die Umfragen sprechen in Frankreich eine eindeutige Sprache – nachdem seit Jahrzehnten die sich abwechselnden Regierungen, mal links, mal rechts, das Land in eine unglaubliche Politik-, Regierungs- und Wirtschaftskrise gestürzt haben, sind die französischen Wähler wohl bereit, es jetzt mit den Rechtsextremen zu probieren, die seit mehreren Jahren Kreide fressen und versuchen, sich als „ganz normale Partei“ zu positionieren. Diese Strategie scheint zu verfangen, insbesondere bei jungen Wählern, die sich in den anderen Parteien nur schwer wiederfinden.
Eine neue Umfrage zielt auf den zweiten Wahlgang 2027 ab, denn es wird wohl keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erzielen. Bei dieser Umfrage wurde gefragt, wie eine solche Stichwahl ausfallen könnte. Ergebnis – gleich, gegen wen Bardella antreten wird, er würde gegen alle Wettbewerber gewinnen.
Dabei war der Europaabgeordnete Bardella eigentlich gar nicht als Kandidat vorgesehen, denn seine Vorgängerin an der Parteispitze Marine Le Pen wollte erneut kandidieren, was allerdings ein Gericht verhinderte, das ihr wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten das passive Wahlrecht für fünf Jahre entzog. Also muss nun ihr „Kronprinz“ antreten, der allerdings in verschiedenen Umfragen besser abschneidet, als es Marine Le Pen getan hätte.
Gegen wen könnte Bardella, der Stand heute mit Abstand der stärkste Kandidat nach dem ersten Wahlgang sein wird, in einer Stichwahl antreten? Mögliche Gegner sind: Edouard Philippe (Horizons), ehemaliger Ministerpräsident unter Emmanuel Macron. Bei einer Stichwahl würde Bardella gegen Edouard Philippe mit 53% : 47% der Stimmen gewinnen. Gegen einen anderen ehemaligen Ministerpräsidenten, Gabriel Attal von der Macron-Partei „Renaissance“, würde das Ergebnis sogar 56% : 44% für Bardella ausfallen. Sollte in einer Stichwahl der Kandidat der Sozialisten Raphaël Glucksmann heißen, würde Bardella mit 58% : 42% die Oberhand behalten. Und sollte der linksextreme Jean-Luc Mélenchon in eine Stichwahl gegen Bardella kommen, wäre das Ergebnis noch eindeutiger. Bardella würde ein solches Duell mit 74% : 26% für sich entscheiden.
Wenn nicht im letzten Moment ein neuer Kandidat auftaucht, der die Franzosen überzeugen kann, wird der nächste Präsident Frankreichs Jordan Bardella heißen. Aber wer ist Jordan Bardella?
Jordan Bardella ist gerade einmal 30 Jahre alt, hat aber bereits eine erstaunliche Parteikarriere hinter sich. Der „politische Ziehsohn“ der Le Pen-Familie war bereits Regionalrat (2015 – 2025), Europaabgeordneter (seit sechs Jahren), Vizepräsident und seit 2021 Präsident seiner Partei, dem Rassemblement-ex-Front National.
Die Chancen stehen hoch, dass sowohl das „Whitewashing“ der Partei durch die Namensänderung, als auch die hohe Präsenz in den Sozialen Medien, Bardella insbesondere bei einer jungen Wählerschaft Punkte bringt. Dazu kommt die allgemeine Politikverdrossenheit der Franzosen, die von dem inzwischen jahrelangen Hin und Her der „Macronie“ die Nase voll hat. „Schlechter als die Bisherigen können es die Rechtsextremen auch nicht machen“, hört man an vielen Stellen, doch sowohl die mangelnde Regierungserfahrung, als auch die europafeindliche und teilweise pro-russische Haltung der Rechtsextremen weisen darauf hin, dass sie es durchaus noch schlechter machen können als ihre Vorgänger.
Momentan sieht es nicht danach aus, als könne irgendjemand den rechtsextremen Tsunami in Frankreich stoppen – aber das hatte man 2017 auch vom Konservativen François Fillon gedacht, der ebenfalls weit in den Umfragen führte, bevor ihn ein Korruptionsskandal einholte. Stand heute kann der nächste französische Präsident nur Jordan Bardella heißen, doch zeigt die jüngste Vergangenheit in der französischen Politik, dass nichts unmöglich ist…
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