Ja, wie steht’s denn um die Zweisprachigkeit?

Gestern wurde auf dem Straßburger Kléber-Platz das „Fest der Zweisprachigkeit“ gefeiert. Doch die Zweisprachigkeit sollte weniger gefeiert, als vielmehr gelebt werden...

Die Akteure der Zweisprachigkeit feierten gestern auf dem Kléberplatz der Europahauptstadt Strasbourg. Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0

(KL) – Die Zeiten, in denen der damalige schon etwas greise Ministerpräsident von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann erklärte, dass es keinen Sinn mache Französisch zu lernen, „da man ohnehin alles auf dem Handy nachschlagen kann“, sind zum Glück vorbei. Ganz besonders bei uns am Oberrhein, wo die Zweisprachigkeit ein Element des täglichen Lebens ist. Wer hier Deutsch und Französisch spricht, hat Zugang zu einem doppelt so großen Arbeitsmarkt, kann kulturelle und gesellschaftliche Angebote nutzen und erlebt somit einen tatsächlich gemeinsamen Lebensraum.

Allerdings müssen speziell im Sprachunterricht noch dicke Bretter gebohrt werden, was in erster Linie an der großen Schere in der Bezahlung der Lehrer auf beiden Ufern des Rheins liegt. So verdienen Lehrer und Lehrerinnen in Frankreich gerade mal die Hälfte von dem, was die Kollegen in Deutschland verdienen und daher ist es fast unmöglich, deutsche Lehrer für Austauschprogramme für deutschsprachigen Unterricht in Frankreich zu motivieren.

Dabei ist das Interesse auf beiden Seiten groß. Nach Auskunft des Staatsministeriums Baden-Württemberg lernen 98 % der Schülerinnen und Schüler im Elsass Deutsch als Fremdsprache – allerdings lernen „nur“ 24 % der deutschen Schülerinnen und Schüler Französisch als Fremdsprache. „Nur“ in Anführungszeichen deshalb, weil die Zahlen in den letzten Jahren noch deutlich schlechter waren und erst in letzter Zeit wieder steigen.

Zwei- oder Mehrsprachigkeit ist keine Frage des Willens oder des Zufalls, sondern das Ergebnis einer guten Bildungspolitik. Damit junge Menschen die Sprache des Nachbarn lernen, muss es entsprechende Angebote geben und die dürfen sich nicht nur auf Initiativen wie die des Vereins ABCM beschränken, der seit Jahrzehnten in der Oberrhein-Schiene für die Zweisprachigkeit bereits im jüngsten Alter kämpft.

Es ist erfreulich, dass die Zweisprachigkeit ein Thema ist, doch könnte und müsste man noch viel mehr tun, damit sich die Menschen am Oberrhein wirklich verstehen. Wie beispielsweise im Saarland, wo die „Strategie France“ der früheren Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer vorsieht, dass Französisch im Jahr 2043 zweite Amtssprache werden soll – und für dieses Ziel arbeitet das Saarland ganz konkret. Also, ein schönes Fest, aber das sollte nur der Auftakt sein, noch wesentlich mehr zu tun!

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