Ja, womit haben die denn gerechnet?

Die Ampel-Parteien, die zusammen die letzte Bundesregierung an die Wand gefahren haben, sind heftig abgestraft worden. Aber ist das wirklich überraschend?

Als die Auszahlung der Stimmen begann, wurden die Gesichter bei der SPD, der FDP und den Grünen immer länger... Foto: Marion Haid / Stadt Lahr / CC-BY 2.0

(KL) – So, nun hat Deutschland also gewählt und gerne hätten wir hier eine Analyse zu dieser Wahl abgeliefert. Da aber die Auszählung bis in die Nacht dauern wird und insbesondere für das BSW und die FDP zu einer Zitterpartie wird, was große Auswirkungen auf die Bildung der nächsten Regierungskoalition haben wird, ist eine Analyse zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Doch einige Dinge kann man jetzt schon festhalten.

Zum Beispiel, dass die beiden Wahlsieger die AfD und die bereits totgesagte Die Linke sind. Während die AfD mit rund 20 % der Stimmen ihr letztes Wahlergebnis verdoppelte, tauchte Die Linke wieder aus der Versenkung auf und zieht mit rund 9 % der Stimmen sicher in den nächsten Bundestag ein. Danach sieht es für die FDP, deren Chef Christian Lindner seinen Rückzug angekündigt hat, falls der Einzug in den Bundestag verpasst wird, gerade nicht aus. Momentan liegt die FDP in den Hochrechnungen von ARD und ZDF unter der 5%-Hürde, während das BSW genau auf der 5%-Linie unterwegs ist, Ende offen. Doch wenn eine dieser beiden Parteien in den Bundestag einzieht, braucht Friedrich Merz mit seiner CDU/CSU schon zwei Partner, um eine Koalition bilden zu können. Aber mit wem?

Allerdings sollte die Frage erlaubt sein, was SPD, Grüne und FDP geritten hat, mit Kandidaten ins Rennen zu gehen, die gerade erst ihre Unfähigkeit bewiesen haben, das Land zu managen? Das Loser-Image wurde keiner dieser drei während des kurzen Wahlkampfs los und da nützt es wenig, wenn sich Christian Lindner aus der Politik zurückzieht und Olaf Scholz „die Verantwortung für die Niederlage“ übernimmt und Robert Habeck der CDU schöne Augen macht – denn die hat eine Koalition mit den Grünen schon lange im Vorfeld ausgeschlossen. Die erneute Kandidatur dieser drei ist ein Zeichen, dass die Parteien jede Bodenhaftung verloren haben, nicht verstehen, was die Bevölkerung bewegt und was von ihnen erwartet wird. Da ist es dann kein Wunder, dass diese drei Parteien so heftig abgestraft worden sind: SPD (- 9,2 %), Grüne (- 2,6 %) und FDP (- 6,7 %).

Klar ist, dass die CDU als stärkste Partei aus dieser Wahl hervorgeht, doch bleibt sie wohl unter 30 %, was definitiv nicht ihr Ziel war und vor allem die Bildung einer neuen Koalition sehr, sehr schwer macht. Nach dem aktuellen Stand würde es wahrscheinlich weder für CDU-SPD reichen, noch für CDU-Grüne, ganz abgesehen von den inhaltlichen Inkompatibilitäten zwischen diesen Parteien. Und schon stellt sich die Frage, wie solide eigentlich die „Brandmauer“ gegen die rechtsextreme AfD noch ist…

Warum die Parteien ausgerechnet die „Versager der Nation“, nämlich diejenigen, die gerade erst die „Ampel“ an die Wand gefahren haben, als „neue Hoffnungsträger“ präsentieren wollten, statt einen personellen Neuanfang zu wagen, das versteht man wohl nur in den Parteizentralen. Die Wähler wollten diese Fehlbesetzungen der Kandidatenposten auf jeden Fall nicht mitmachen – was das Ergebnis deutlich zeigt.

Geradezu sensationell war die Wahlbeteiligung von rund 83 %, ein Wert, den man ansonsten nur aus Belgien kennt, wo das Wählen obligatorisch ist.

Da die Frage des Einzugs des BSW und eventuell der FDP in den Bundestag frühestens morgen geklärt sein wird (es wird bei diesen knappen Werten wahrscheinlich Neuauszählungen und Proteste geben) und dieser Frage eine wirkliche Bedeutung zukommt, lesen Sie unsere Analyse dieser Wahl erst, wenn das Endergebnis feststeht. Denn bis dahin bleibt alles andere reine Spekulation.

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