Kalif anstelle des Kalifen?
Der französische Innenminister Gérald Darmanin würde 2027 gerne Präsident werden, nachdem ihm bei der letzten Kabinetts-Umbildung der Posten des Premierministers versagt blieb.
Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin fühlt sich zu Höherem berufen... Foto: Jacques Paquier / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0
(KL) – Die gute Nachricht zuerst: Nur selten gewinnt derjenige eine Wahl, der als erstes seinen Hut in den Ring wirft. Oder den Hut werfen lässt. Das könnte auch für Gérald Darmanin (40) gelten, der in vier Jahren gerne Nachfolger von Emmanuel Macron werden würde. Doch ist Darmanin ein reiner Parteikarriererist der Konservativen, hat sich brav durch alle möglichen Posten und Pöstchen gearbeitet, Mandate gesammelt wie andere Briefmarken und war immer ein braver Erfüllungsgehilfe seiner jeweiligen Chefs. Nach zwei Amtszeiten von Emmanuel Macron werden die Franzosen sicher besseres zu tun haben, als eine farblose Kopie Macrons zu wählen, der bei den Franzosen sehr unbeliebt ist und ansonsten viel Energie darauf verwenden muss, seine Skandale halbwegs unter den Teppich zu kehren.
Als Innenminister macht Darmanin eine denkbar schlechte Figur, entfesselt immer wieder Auseinandersetzungen mit den zahlreichen Protestbewegungen gegen die Macron’sche Politik. Allerdings scheiterte er erst vor wenigen Tagen, als er ein Kollektiv militanter Umweltschützer einfach verbieten wollte, wobei ihm allerdings der Staatsrat in den Arm fiel. Auch auf viele andere Protestbewegungen fand Darmanin nie eine politische Antwort, sondern spielte die Karte der staatlichen Repression.
Zarte Unterstützung für eine Kandidatur erfährt Darmanin von einem seiner früheren Chefs, dem ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy. Wobei dessen Unterstützung auch daher kommen kann, dass Sarkozy gerne Emmanuel Macron ein Ei ins Nest legen möchte. Aber immerhin war es Sarkozy, der eine Kandidatur Darmanins 2027 ins Gespräch brachte. Das ist durchaus geschickt von Darmanin, der nun erzählen kann, nicht er habe kandidieren wollen, sondern er sei zu einer Kandidatur gedrängt worden.
Und so ist, ganze vier Jahre vor der nächsten Wahl in Frankreich, der Wahlkampf eröffnet, doch das Angebot ist noch recht dürftig. Neben den beiden Nachwuchskräften Gérald Darmanin und Gabriel Attal, die beide weit davon entfernt sind, das Format für das höchste Staatsamt zu haben, wäre da noch Edouard Philippe, der frühere Premierminister, der alleine schon deshalb Macrons Favorit wäre, da eine Konstellation mit Edouard Philippe auch Emmanuel Macron ermöglichen könnte, weiterhin die Fäden der französischen Politik in der Hand zu halten.
Dass Darmanin heute schon seinen Hut in den Ring wirft, ist bemerkenswert. Zum einen zeigt das die Selbstüberschätzung der Pariser Regierungsmitglieder, zum anderen erkennt man den dringenden Bedarf für die anderen Parteien, geeignete Kandidaten und Kandidatinnen aufzubauen, damit es 2027 nicht wieder zum ewigen „wählt mich, sonst bekommt ihr Le Pen“ kommt. Die Parteien haben vier Jahre Zeit, um echte Alternativen zu Kandidaten wie Darmanin oder Attal aufzubauen. Und das sollte ja nun so schwer nicht sein.
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