Kann zuviel Tourismus den Tourismus ersticken?
Kann Tourismus noch Freude machen, wenn die touristischen Ziele gnadenlos überlaufen sind? Muss Straßburg den gleichen Weg gehen wie beispielsweise Venedig?
Wie attraktiv ist ein Tourismus, bei dem sich die Besucher der Stadt gegenseitig auf den Füssen stehen? Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0
(KL) – Das Wochenende war ein leichter Vorgeschmack dessen, was ab Ende November auf die Straßburger wartet – der Weihnachtsmarkt. Bereits im letzten Jahr war dieser älteste Weihnachtsmarkt der Welt mit rund 3,3 Millionen Besuchern hoffnungslos überlaufen und die Frage ist, wann das Ganze kippt und sich die Touristen zu anderen Zielen im Elsass umorientieren.
Ferien in Deutschland und Frankreich, schönes Herbstwetter und schon war am Wochenende die Straßburger Innenstadt brechend voll. So schön die Stadt auch ist, wenn sich die Touristen gegenseitig auf den Füssen stehen, ist es mit dem touristischen Genuß auch schnell wieder vorbei.
Für alle Städte gilt das gleiche – man muss sich zwischen touristischer Attraktivität und Industrie entscheiden und dass man sich in einer schönen Stadt wie Straßburg lieber für den Tourismus entschieden hat, ist nachvollziehbar und eine gute Sache. Doch auch ein erfolgreicher Tourismus will gemanagt sein, damit er nicht überbordet und die Stadt am Ende sogar unattraktiv macht.
Man wird sich in der Stadtverwaltung und bei den Touristikern ernsthaft Gedanken machen müssen, wie man die touristischen Wellen rund um Weihnachten, an langen Wochenenden und Brückentag-Feiertagen handhaben will. Denn wenn es zuviel wird, dann wird es zuviel.
Dabei geht es noch gar nicht so sehr um die Straßburger, die zu solchen touristischen Stoßzeiten die Innenstadt ohnehin weiträumig meiden – doch die vielen Touristen, die gerne nach Straßburg und ins Elsass kommen, sollte man nicht in Massenkreisläufe schicken, denn sonst kommen diese Besucher nicht mehr wieder.
Vielleicht sollte man, ähnlich wie in Venedig und anderen Städten, eine Art Maut für Touristen einführen, damit die Situation in der Innenstadt nicht umkippt. Vielleicht kommen dann ein paar Touristen weniger, doch diejenigen, die kommen, gleichen dann den Umsatzverlust aus. Abzuwarten bis die Lage im Herzen der Stadt unerträglich wird, ist nicht die Lösung, denn wenn der touristische Ruf erst einmal ruiniert ist, dann kann man das nicht so schnell umdrehen.
Doch wenn es zum Weihnachtsmarkt in der Stadt noch intensiver zugeht als an diesem Wochenende, dann dürfte sich das irgendwann ganz schlecht auf den Tourismus auswirken – denn das, was die Attraktivität Straßburgs ausmacht, muss sichtbar und zugänglich bleiben. Hier regulierend einzugreifen wäre nicht das Schlechteste…
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