Krieg im Mittleren Osten
Es passiert, was zu befürchten war. Während einerseits der größte Teil der Welt das Ende des mörderischen Ali Khamenei bejubelt, kämpft das Mullah-Regime um sein Überleben.
Wurde der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln wirklich von iranischen Raketen getroffen? Foto: MC3 Christina Naranjo / U.S. Navy / Wikimedia Commons / PD
(KL) – Seit zwei Tagen steht der Mittlere Osten in Flammen. Nachdem bei den israelisch-amerikanischen Angriffen auf Teheran der oberste Führer Ali Khamenei und eine Reihe seiner engsten Mitarbeiter getötet wurden, überzieht der Iran seine Nachbarländer und Israel mit wütenden Gegenangriffen und es wird deutlich, dass die Überreste des Mullah-Regimes gar nicht daran denken aufzugeben, sondern versuchen, mit allen Mitteln zurückzuschlagen.
Heftige Raketenangriffe auf Israel haben zahlreiche Todesopfer gefordert, der Iran behauptet, den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln mit vier ballistischen Raketen getroffen zu haben, in den Ländern der Region, in denen die USA Militärbasen unterhalten, finden iranische Raketenangriffe statt, die zur Folge haben, dass sich die ganze Region plötzlich im Krieg befindet. Und es sieht momentan nicht danach aus, als solle dieser Krieg schnell zum Ende kommen, im Gegenteil.
Dazu kommt, dass die Nachrichtenlage nach wie vor verworren ist. In der ganzen Region, in Dubai, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderswo, wo es US-Militärbasen gibt, häufen sich die Bilder von Rakteneinschlägen. Israel hat heftige Raketeneinschläge mit vielen Toten zu beklagen und niemand kann sagen, wie es in den kommenden Tagen weitergehen wird.
Die Gefühle sind gespalten. Einerseits ist eines der schlimmsten Regimes, das davon lebte, die Menschenrechte zu verletzen, seiner Führung beraubt und niemand glaubt ernsthaft daran, dass die zweite Reihe der Mullahs in der Lage sein könnte, das Land weiterhin zu unterdrücken. Dennoch muss man vorsichtig sein – die iranische Armee und die verschiedenen Killer-Milizen wie die Revolutionsgarden stellen zusammen rund eine Million bewaffneter Kämpfer, die ab sofort um ihr eigenes Leben fürchten müssen, denn wenn das Regime endgültig stürzt, wird es auch zu einer Abrechnung mit denen kommen, die Tausende iranischer Menschenleben auf dem Gewissen haben.
Beunruhigend ist auch, dass momentan Trump und Nethanjahu am Drücker sind. Die beiden haben zwar das gleiche, vitale Interesse, sich an der Macht zu halten, um zu verhindern, dass sie ihren Lebensabend im Gefängnis verbringen müssen, aber dann befinden sich die USA und Israel doch nicht in der gleichen Lage. Während Israel einer ständigen Bedrohung durch den Iran und dessen terroristische Hilfstruppen ausgesetzt ist, ist das Narrativ der iranischen Bedrohung der USA eine der üblichen Trump-Lügen. Auch, dass Trump eindeutig die Rückkehr des machthungrigen Shah-Sohns Reza Pahlavi wünscht, ist alles andere als eine sichere Perspektive für die Iraner, von denen sehr viele im Januar mit Schildern „Tod den Diktatoren – keine Mullahs und kein Shah“ demonstrierten. Die Vorstellung, dass eine Trump-Marionette für Ruhe und Frieden im Mittleren Osten sorgen würde, ist sehr abenteuerlich und es kann nicht die Aufgabe Trumps sein, die Zukunft und die Zeit nach den Mullahs zu bestimmen – das ist einzig Aufgabe des iranischen Volks.
Doch so weit sind wir noch lange nicht. Der Krieg im Mittleren Osten hat gerade erst angefangen und der Iran verfügt über die mit Abstand stärkste Armee in der Region. Alleine schon aus Sorge um das eigene Überleben werden die noch übriggebliebenen Mullahs und ihre Milizen alles daran setzen, weiterzukämpfen und da ihnen Menschenleben ohnehin egal sind, besteht die Gefahr weiterer, wahnsinniger Aktionen, die weiter Menschenleben kosten werden.
Auch Russland und China haben sich geregt und gemeinsam die Tötung von Ali Khamenei als „Verletzung des Völkerrechts“ verurteilt. Dass jemand wie Putin überhaupt das Wort „Völkerrecht“ in den Mund nimmt, ist schon reichlich zynisch, doch sollte man nicht vergessen, dass auch Russland und China vitale Interessen im Iran haben und nicht einfach zuschauen werden, wie Trump versucht, den Iran unter seine persönliche Kontrolle zu bekommen.
Jeder Tag, der ins Land geht, ist eine Gefahr für die ganze Region von der türkisch-syrischen Grenze bis in den Osten Afghanistans – überall wird geschossen, fliegen Raketen und Drohnen und sterben Menschen. Europa wird sich massiv einmischen müssen, will es verhindern, dass sich der verhaltensgestörte Donald Trump zum Weltenführer aufschwingt. Zumal klar ist, dass ihm das Schicksal des iranischen Volks egal ist – Trump interessiert sich für das iranische Öl und die Geostrategie. Doch genau hier werden China und Russland reagieren. Russland braucht iranische Waffen, China braucht iranisches Öl.
Wie stark sich dieser Krieg ausweiten wird, wird man schon in wenigen Tagen sehen. Und da diese Frage völlig offen ist, ist auch die Freude über das Ableben eines der schlimmsten Diktatoren der Welt ein wenig getrübt. Und es bleibt die ernüchternde Feststellung, dass die „neue Weltordnung“ ausschließlich auf dem „Recht des Stärkeren“ beruht. Putin wird das wohlwollend zur Kenntnis nehmen.
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