Macron’sches Säbelrasseln

Frankreich rutscht täglich tiefer in den Ukraine-Krieg hinein, weil Präsident Macron das so beschlossen hat. Die Kriegsstimmung in Frankreich ähnelt in nichts der Stimmung im Rest von Europa.

"Kriegsherr" fehlt noch in Macrons Lebenslauf... Foto: DonkeyHotey / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.0

(KL) – Das, was gerade in Frankreich passiert, geschieht glücklicherweise in keinem anderen europäischen Land. Frankreichs Präsident redet sein Land in den Krieg hinein und das Pariser Säbelrasseln wird langsam bedrückend. Das ganze Land wird in den „Kriegsmodus“ hineingetrieben, die staatlichen Medien erweisen sich als zuverlässige Erfüllungsgehilfen und reden praktisch nicht über die Ablehnung der Macron-Pläne durch die übrigen europäischen Länder.

Worum geht es in Frankreich momentan im Einzelnen? Hier eine Auswahl der Themen, um die es inzwischen von morgens bis abends in den französischen Medien geht: Einrichtung von Kriegsanleihen; Umlenkung der Sparguthaben der Franzosen von der Sozialversicherung in die Aufrüstung; Wiedereinführung des Wehrdienstes; Streichung eines Feiertags, bzw. Verlängerung der Lebensarbeitszeit zur Finanzierung der Aufrüstung; Diskussionen, in denen „Experten“ behaupten, dass die Ukraine diesen Krieg militärisch gewinnen kann; ständiges Wiederholen, dass sich die „russische Bedrohung“ bereits „an den Grenzen Frankreichs befindet“; Diskussion zur Stationierung europäischer „Friedenstruppen“ der „Koalition der Willigen“ in der Ukraine, für die sich Macron seine „Europäer“ in Kanada, Großbritannien, der Türkei und Australien suchen muss, da die anderen europäischen Länder bei dieser Kriegs-Frenesie nicht mitmachen wollen. Wer auf diese Themen nicht einsteigt, sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, pro-russisch, pro-Putin und rechtsextrem zu sein.

Dass die Niederländer bereits aus dem 800 Milliarden-Euro-Paket ausgestiegen sind, dass die Italiener bereits angekündigt haben, keine Truppen in die Ukraine zu schicken, dass in vielen Ländern die Frage nach der Dringlichkeit dieser pharaonischen Ausgabe gestellt wird, hört man in Frankreich kaum. Auch die freundlich formulierte deutsche Absage, sich unter den französischen Nuklearschirm zu begeben, der einzig und alleine in Macrons Verfügungsgewalt läge, ist kein Thema. Dafür verkünden die französischen Mainstream-Medien stolz, dass Macron als militärischer Führer Europas so erfolgreich sei, dass seine Beliebtheitswerte von 22 % auf sensationelle 27 % geklettert sind. Dass dies bedeutet, dass drei Viertel der Franzosen diesen Präsidenten nicht mehr sehen können, hört man dabei nicht.

Dass all diese Dinge so lange überhaupt kein Thema sind, so lange Russland keinem Waffenstillstand und keinem Friedensplan zugestimmt hat, wird zur Nebensache und überhaupt, Macron hat richtig Lust, Putin die Stirn zu zeigen. Russland lehnt europäische Truppen in der Ukraine kategorisch ab und verkündet, dass sich Russland mit denjenigen Ländern im Kriegszustand befinden wird, die Truppen in die Ukraine entsenden, aber das kümmert Macron wenig. Mit „ein paar tausend Soldaten“ will er den Frieden sichern und der russischen Armee so viel Angst einjagen, dass diese nicht mehr aufmucken und ob den Russen die Präsenz französischer Soldaten in der Ukraine passt oder nicht, juckt den Kriegsherren wenig.

Man kann nur von Glück reden, dass all das nur in einem europäischen Land stattfindet, das von seinem Präsidenten und dessen Regierung nun in den Krieg hineingeredet wird. Wie praktisch – alle anderen französischen Problemthemen, von der inneren Sicherheit bis zur Rentenreform, sind jetzt nur noch zweitrangig, denn heute muss man sich hinter diesen Präsidenten und seine wirren Pläne stellen, um nicht als „Verräter“ abgestempelt zu werden. Und so denkt man heute in Frankreich, dass Macron in ganz Europa verehrt und als Führer anerkannt wird, dass ganz Europa den gleichen Kriegs-Adrenalinschub erlebt wie die Franzosen und dass es gar nicht so schwierig sein wird, die russische Armee zu besiegen. Das alles, damit Emmanuel Macron, der Frankreich seit Jahren an die Wand fährt, noch ein wenig brillieren kann…

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste