MAGA hat seinen Märtyrer

Die hoch politische „Trauerfeier“ für Charlie Kirk in Glendale, Arizona, erinnert stark an das, was die Nazis 1930 nach der Ermordung von Horst Wessels organisiert hatten.

Eine „Trauerfeier“? Die Show in Glendale, AZ, erinnerte in weiten Teilen an eine andere Veranstaltung im Berliner Sportpalast... Foto: The White House / Wikimedia Commons / PD

(KL) – Als die demokratische Abgeordnete Melissa Hortmann und ihr Ehemann am 14. Juni 2025 im Bundesstaat Minnesota erschossen worden war, gab es keine „Gedenkfeier“ wie am Sonntag in Glendale, Arizona, für den Influencer Charlie Kirk, der ab sofort als der „Märtyrer“ der MAGA-Bewegung zu betrachten ist und innerhalb weniger Tage den Status eines „Heiligen“ erreichte. Donald Trump nutzt den Tod von Charlie Kirk ebenso aus, wie die Nazis die Ermordung des höchst zwielichtigen Horst Wessel 1930 ausnutzten und diesen zum Märtyrer der damals noch jungen Nazi-Bewegung machten.

Was am Sonntag in Glendale organisiert wurde, war der Auftakt zu einer völlig unangebrachten Heldenverehrung für einen Influencer, der nicht etwa „die Stimme der Wahrheit“ war, sondern ein Propagandist für Donald Trump, der keinerlei bedeutenden Beitrag zu irgendetwas Positivem geleistet hatte. Dass seine Ermordung ein Drama ist, steht außer Frage. Dass diejenigen, die seine Positionen teilten, sein Andenken ehren, das ist völlig normal. Doch dass die MAGA-Bewegung eines kriminellen Präsidenten nun einen Märtyrer schafft, ist ein weiteres Element in der rasanten Entwicklung des amerikanischen Neofaschismus und damit höchst bedenklich.

Trump nutzt diese Situation aus, um jede kritische Stimme in den USA zu kriminalisieren, generell die Linke, die Demokraten und die Antifaschisten zu „Terroristen“ zu deklarieren und die Justiz aufzufordern, Andersdenkende zu verfolgen. Gleichzeitig schränkt Trump auf unerhörte Weise die Pressefreiheit ein und schafft damit tatsächlich ein System, das nur noch als Neofaschismus bezeichnet werden kann.

Dass Mord kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein darf, muss nicht diskutiert werden. Einen Menschen zu töten, dafür kann es keine Rechtfertigung geben. Doch der Fall Charlie Kirk ist sehr seltsam, denn der vermutliche Täter stammt aus einer Familie, die stramm hinter Trump steht. Der vermutliche Täter ist also keineswegs einer „linken“ Indoktrinierung ausgesetzt gewesen, was viele Fragen aufwirft. Doch das „Ausschlachten“ der Ermordung Kirks durch MAGA und Trump hat längst begonnen und wird dazu genutzt, politisch Andersdenkende mundtot zu machen. Ohne auf den Godewin-Punkt kommen zu wollen, so handelt es sich hier um eine Strategie autokratischer Systeme – ein junger Märtyrer passt perfekt ins Konzept dessen, was der demokratische Abgeordnete Chuck Schumer „Weg in die Diktatur“ bezeichnet.

Die europäische Politik darf nicht einfach wegschauen und denken, dass diese Entwicklung nur die USA betrifft. Wenn eine „Supermacht“ in den Neofaschismus abrutscht, muss dies klar benannt werden und Europa muss seine Distanz zu den USA aufbauen, statt diese Entwicklung einfach zu kopieren, wie es beispielsweise gerade die Niederländer tun. Die Entwicklung in den USA ist sehr bedenklich und stellt ein weiteres Risiko für die Weltlage dar.

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