Mit „Hurra!“ in den III. Weltkrieg?

Ginge es nach der FDP-Europaabgeordneten Marie-Agnes Strack-Zimmermann, würden nun NATO-Soldaten in die Ukraine geschickt. Für den III. Weltkrieg.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Lautsprecher für mehr Krieg, würde am liebsten selbst Russen abschiessen. Foto: © European Union 1998-2024 / Dennis Lomme

(KL) – Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Europaabgeordnete und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Parlaments, hat sich in den letzten beiden Jahren einen Namen als „Säbelrasslerin“ gemacht. Um Putin und Russland zu besiegen, ist ihr jede Eskalation des Ukraine-Kriegs Recht und nun möchte sie, dass die NATO aktiv vor Ort ins Kriegsgeschehen eingreift. Das kann sie aus ihrem gut beheizten Büro auch fordern, denn sie selbst läuft ja nicht Gefahr, im Schlamm der Ostukraine erschossen oder von einer Granate zerfetzt zu werden. Aber das ist immer schon so gewesen – diejenigen, die am lautesten nach „mehr Krieg!“ schreien, das sind auch diejenigen, die persönlich nichts von einem Krieg zu befürchten haben.

Noch fehlen Beweise dafür, dass sich bis zu 12.000 nordkoreanische Soldaten in Russland befinden sollen, um gegen die Ukraine zu kämpfen. Diese Information stammt bislang nur vom ukrainischen Geheimdienst und westlichen Medien. Die USA behaupten, Beweise für die nordkoreanische Präsenz zu haben, legen diese allerdings nicht vor. Angesichts des kürzlich unterzeichneten Abkommens zum gegenseitigen militärischen Beistand zwischen Nordkorea und Russland, kann es gut sein, dass diese nordkoreanischen Soldaten tatsächlich in Russland sind. Doch bevor man nun massive Gegenmaßnahmen ergreift, wäre es vielleicht hilfreich, handfeste Beweise zu sehen und sich nicht nur auf vage Aussagen des ukrainischen Geheimdienstes und der USA zu verlassen. Und ist das nun der Grund, weswegen die NATO offiziell zur Kriegspartei werden und damit den III. Weltkrieg lostreten soll?

Der Westen agiert in der Ukraine-Frage höchst seltsam. Die Sanktionen, die gegen Russland verhängt wurden, werden seit Kriegsbeginn systematisch unterlaufen, westliche Unternehmen sind weiterhin in Russland aktiv und verdienen dort Geld, russische Energieträger werden weiterhin in Europa importiert, sobald sie den Umweg über türkische und indische Raffinerien gemacht haben und dort zu türkischen und indischen Produkten umetikettiert wurden, und weiterhin werden Milliarden in einen Krieg gepumpt, den die Ukraine militärisch nicht gewinnen kann. Die NATO übrigens auch nicht, es sei denn, man bewegt sich in Richtung einer nuklearen Katastrophe, bei der es am Ende keinen Gewinner, sondern nur Verlierer geben kann.

Die Achse des Bösen ist aktiv“, schmettert Frau Strack-Zimmermann und kommuniziert damit auf einer Ebene mit Maria Sacharowa, der Lautsprecherin des russischen Außenministeriums, die unter dem Strich das gleiche vom Westen sagt. Vor lauter Säbelrasseln hat man Friedensinitiativen längst zu den Akten gelegt und wir sind an dem Punkt, an dem der UNO-Generalsekretär Guterres angegriffen wird, weil er in Kazan beim BRICS+-Gipfel gewagt hat, mit Wladimir Putin zu sprechen. Dass Guterres dabei das Ende des Kriegs angemahnt hat, wird übersehen – alleine die Tatsache, dass der UNO-Generalsekretär mit Putin gesprochen hat, ist im Westen ein Skandal. Aber mit wem sollte Guterres denn sonst sprechen, wenn es um die Beendigung des Kriegs geht?

Die Antwort der westlichen Welt auf die aktuelle Entwicklung ist für Strack-Zimmermann klar. Sie hätte gerne, „dass jedem nordkoreanischen Soldaten in russischer Uniform ein NATO-Soldat in ukrainischer Uniform gegenübersteht.“. Aha. Und dann?

Es ist erschütternd zu sehen, dass die westliche Welt nicht in der Lage ist, einen vernünftigen Ansatz zur Beendigung dieses Kriegs zu finden. Offenbar sind inzwischen die finanziellen Interessen der Kriegsteilnehmer größer als der Wunsch nach dem Kriegsende. Der chinesisch-brasilianische Ansatz, der in Kazan formuliert wurde, wird somit ebenso in Vergessenheit geraten wie der italienische Friedensplan, der Friedensplan von Henry Kissinger und alle anderen Friedenspläne. Stattdessen zieht es der Westen vor, Selenskyis völlig unrealistischem „Siegesplan“ hinterher zu stolpern. Und zwar in Richtung planetarer Katastrophe. Und hinterher wird’s wieder niemand gewesen sein wollen…

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