Nach dem Drama ist vor dem Drama – Ballett, Symphonie und Schauspiel in Straßburg
Die Wahl zum Stadtoberhaupt ist über die Bühne gebracht, nun geht es wieder auf den Bühnen rund - in der Rheinoper wird sie zum Künstleratelier, im Nationaltheater TnS zum jüdischen Partyraum und im PMC zur Romantikhütte voller Impressionen.
Raum und Bild aus alter Zeit ganz neu - der Kunstrevolutionär des Schattens als Quelle des Lichts wird zur Ballettfigur auf zwei Beinen - der Barockmaler Michelangelo Merisi da Caravaggio in der Rheinoper. Foto: Grafik von Sébastien Plassard, OnR
(Michael Magercord) – Das war aber spannend, das Rennen ums Rathaus. Zeit sich zu entspannen – und wo geht das besser als auf dem Feld, das im Drama um den Bürgermeisterposten so gut wie gar keine Rolle spielte: Ab also aufs Spielfeld der Kultur, auf in die Oper, das Theater und den Konzertsaal.
Natürlich wird uns auch an diesen Orten mehr als genug Drama geboten. Hauen und Stechen, Sieg und Niederlage, und am Ende der Wettbewerb, wer sein Abschneiden schlechter verdaut, der leberwurstig beleidigte Verlierer oder der siegestrunken arrogante Gewinner – das alles kommt auch auf der Bühne vor. Aber auf diesen Brettern, die die Welt bedeuten, geht es immer auch ums Wesentliche: Das menschliche Leben in seiner ganzen Tragik, aus der kein Erdenwesen entkommen kann, selbst wenn man sich das einmal kurz am Abend seines Sieges einzubilden vermag. Aber ach, die siegestrunkene Weltenflucht kann ganz schnell zum Fluch werden… Besser, man stellt sich der Realität des menschlichen Seins, bevor Selbstwahn überhandnimmt.
Also auf in die Rheinoper Straßburg, wo ab Mittwoch das Ballett um das Leben des italienischen Barockmalers Caravaggio seine Uraufführung erleben wird. Seine revolutionäre Behandlung des Schattens als Quelle des Lichts zeugt von der Sichtweise seines Zeitalters auf das menschliche Leben: Aus der Todesgewissheit erst speist sich die Erleuchtung und Lebenslust. Der Ballettdirektor der Rheinoper Bruno Bouché überlässt es in seiner choreografischen Erzählung über den großen Maler der Bewegung der Körper seiner Tänzer durch den Raum, die widersprüchliche und eben doch dialektische Energie zu fassen, die von Caravaggios Bildern ausgeht. Einstellen darf man sich laut Ankündigung auf Sinnlichkeit, Gewalt, Zärtlichkeit, Grausamkeit, Leidenschaft und die Stille der Einsamkeit, die den heutigen musealen Betrachter der Werke zwangsläufig umgibt.
Auf seine überbordende Weise wird es gefühlig, wenn die Straßburger Philharmonie OPS am Freitag, 27. März, zum romantischen Schwung einlädt. Ein selten gespieltes Werk der Komponistin Emilie Mayer macht den Auftakt, das Cellokonzert ihres Zeitgenossen Robert Schumann, das der Komponist in einem Fieberrausch in nur zwei Wochen niederschrieb, erfüllt den Konzertpart fürs Soloinstrument, und die 2. Symphonie von Johannes Brahms, die ihr Schöpfer als kleine, unschuldige und freudige Sache mit melancholischem Einschlag bezeichnete, bildet den krönenden Abschluss des Ausfluges in die deutsche Romantik. Nur vier Tage später, am 1. April stehen unter dem Dirigat von Kirill Karabits französische Impressionen auf dem Konzertprogramm: Neo-romantisch nennt man die schönen Orchesterwerke auch gerne, die sich oftmals das ländliche Leben zum Vorbild nehmen, wie Théodore Akimenko und Vincent d’Indy. Dazu die Nacht mit Amor der Augusta Holmès und schließlich die große Symphonie in d-Moll von César Franck.
Im Nationaltheater TnS darf ab 31. März die Liebe den Versuch machen, der Tragik des Lebens etwas Machtvolles entgegenzusetzen. Die Theatermacherin Caroline Arrouas nimmt die späte Verliebtheit des Franz Kafka zu der in Berlin lebenden orthodoxen Jüdin Dora Diamant als Vorlage für eine letztlich zwar unerfüllte, aber trotzdem zutiefst gelebten Liebe.
Also nach dem Drama der Wahlschlacht mit ihren Gewinnern und Verlierern nun wieder auf an die Orte der wahren Dramen, wo wir erleben können, was für uns Menschenkinder immerdar wahr war, ist und bleiben wird: die Tragik des menschlichen Lebens, die unentrinnbare…
Caravaggio – Ballett (Uraufführung)
Choreografie von Bruno Bouché
Musik von Monteverdi, Abdullah Miniawy, Patti Smith
Opéra Straßburg
MI 25. März, 20 Uhr
DO 26. März, 20 Uhr
FR 27. März, 20 Uhr
La Sinne, Mülhausen
DI 31. März, 20 Uhr
MI 1. April, 20 Uhr
Ballett der Rheinoper CCN
Musik wird vom Band eingespielt
Tickets und Information gibt es hier!
Philharmonie Straßburg OPS
„Romantischer Schwung“ – Meyer, Schumann, Brahms
FR 27. März
„Französische Impressionen“
Akimenko, d’Indy, Holmès, Franck
MI 1. April
jeweils um 20 Uhr im Palais de la Musique et Congrès
Infos und Tickets gibt es hier!
Theatre national de Strasbourg TnS
„Dora und Franz“
Schauspiel von Caroline Arrouas
vom 30. März bis 11. April im Espace Grüber
Infos und Tickets gibt es hier!
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