Nukleare Muskelspiele
Die USA haben zwei Atom-U-Boote vor die russische Küste geschickt, der größte Flugzeugträger der Welt, die USS Gerald R. Ford (CVN-78), befindet sich im Mittelmeer und die Zeichen stehen auf Sturm.
Der größte Flugzeugträger der Welt, die USS Gerald R. Ford, ist auch schon im Mittelmeer unterwegs - Richtung Mittlerer Osten oder Schwarzes Meer? Foto: U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Jackson Adkins / Wikimedia Commons / PD
(KL) – Die Eskalation der Kriege auf der Welt geht weiter. Insbesondere im Ukraine-Krieg bedrohen sich inzwischen die USA und Russland offen, während die russische Armee immer weiter ihre Angriffe an der Front intensiviert und die ukrainischen Verteidiger zwingt, eine neue, tiefer im Land liegende Verteidigungslinie zu improvisieren, für die es allerdings an Soldaten fehlt. Die Ultimaten des US-Präsidenten an die Adresse des Kreml werden schärfer, die Antworten der Kreml-Lautsprecher Peskow und Medwedew auch. Aber weiterhin beruhigen wir uns selbst mit der Aussage, mit der wir uns selbst seit dreieinhalb Jahren beruhigen: „Soooo weit wird Putin schon nicht gehen.“ Wenn das mal keine Fehleinschätzung ist.
Die Entsendung der beiden Atom-U-Boote vor die russische Küste und die russische Reaktion, die sich selbst den Einsatz landgestützter Atomwaffen erlaubt, sind keine guten Zeichen. Die Kriegsherren bedrohen sich gegenseitig mit Sanktionen, Zöllen und nuklearen Schlägen, und manövrieren sich in eine Situation, in der sie fast schon gezwungen sind zu handeln, wollen sie noch ernstgenommen werden.
Auch, dass der US-Sondergesandte Steve Witkoff diese Woche in Moskau sein wird, dürfte nicht viel ändern. Man wird ihm zum xten Mal die Forderungsliste Russlands vortragen, obwohl die längst hinreichend bekannt ist und die russische Seite wird sich bitter beklagen, dass die Ukraine so gar nicht bereit sei, ihre Forderungen zu erfüllen, damit man endlich über einen dauerhaften Frieden reden kann. Erstaunlich, dass dieses absurde Theater immer weitergeführt wird.
Heute kann niemand sagen, ob die amerikanischen Atom-U-Boote mit nuklearen Waffen bestückt sind oder eher symbolisch unterwegs sind. Doch kann umgekehrt auch niemand ausschliessen, dass diese U-Boote mit Nuklearwaffen ausgerüstet sind. Die Russen müssen da gerade nicht so viel Aufwand betreiben, denn das haben sie bereits getan. Ein Teil ihrer Iskander-Raketen mit nuklearen Sprengköpfen befindet sich in Abschuss-Silos in Kaliningrad, der russischen Enklave an der Danziger Bucht, von wo aus diese Raketen jede europäische Hauptstadt in zwei Minuten erreichen können.
Die handelnden Akteure dieser aktuellen Kriege vermitteln alle nicht den Eindruck, als seien sie im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. Es reicht, dass einer dieser Kriegsherren die Nerven verliert und auf das falsche Knöpfchen drückt. Die aktuellen Muskelspiele und Verbalattacken zwischen Moskau und Washington sind keine Schlagzeile, sondern brandgefährlich.
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