„Ohne uns würdet ihr alle Deutsch sprechen“…

In den USA reagiert man überraschend dünnhäutig auf den Vorschlag von Raphael Glucksmann, der die Rückgabe der Freiheitsstatue gefordert hatte.

Die Freiheitsstatue bleibt also in New York, wo sie schwere Zeiten erlebt. Doch in Frankreich würde sie sich momentan auch nicht wohler fühlen... Foto: sravanthi / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – In Trumpmuskland ist nach nur 10 Wochen der zweiten Trump-Ära der Humor abgeschafft worden. Die USA fordern ein Monopol auf idiotische Vorschläge und Aussagen ein, und reagieren pikiert darauf, wenn jemand anders auf der Welt mal etwas Blödes sagt, denn das dürfen nur noch die Amerikaner selbst. Entsprechend fiel die Reaktion auf den Vorschlag des französischen Europaabgeordneten Raphael Glucksmann aus, der angeregt hatte, die USA mögen die Freiheitsstatue zurückgeben, die Frankreich den USA 1876 zur 100-Jahr-Feier der Gründung der USA geschenkt hatten.

Eine der Pressesprecherinnen des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, antwortete bei einer Pressekonferenz ziemlich pampig auf die Frage eines Journalisten hierzu. Sie wolle nur daran erinnern, dass „man in Frankreich heute Deutsch sprechen würde, wären die USA nicht gewesen“ und um Glucksmann gleich zu diskreditieren, bezeichnete sie den Europaabgeordneten als „unnamed low-level politician“, als namenlosen Hinterbänkler der Politik.

Was das Verbreiten idiotischer Vorschläge anbelangt, ist in der Tat kaum noch Platz neben den Ungeheuerlichkeiten, die täglich von der Trump-Administration in die Welt gesetzt werden. Umbenennung des Golf von Mexiko in Golf von Amerika; Androhung der Besetzung und Annektierung von Grönland; Vorschlag, Kanada als 51. Staat in die USA zu integrieren; Zollschlachten, die niemandem etwas bringen; leere Drohungen gegen die Hamas und den Iran – bei all diesem Blödsinn wollen die Amerikaner nicht noch von Europäern gestört werden, wenn diese mal einen (nicht ganz ernstgemeinten) blöden Vorschlag machen.

Die Einlassungen von Karoline Leavitt zeigen deutlich, welchen Stellenwert heute Europa in den Augen der US-Machthaber hat – keinen. Der Ton zwischen Washington und Europa verschärft sich täglich und auch, wenn Leavitt durchaus Recht hat, dass Europa die beiden Weltkriege des letzten Jahrhundert nicht ohne amerikanische Hilfe hätte gewinnen können, so sind die amerikanischen Kommunikationen seit 10 Wochen eine einzige diplomatische Katastrophe.

Dabei hätten die Menschen in den USA selbst fast alle Deutsch gesprochen. Laut der „Muhlenberg-Legende“ stimmte 1794 das gerade erst eingerichtete Repräsentantenhaus darüber ab, ob Englisch oder Deutsch die Amtssprache in den gerade gegründeten USA werden sollte. Laut der Überlieferungen ging die Abstimmung 34:33 für das Englische aus und die entscheidende Stimme soll vom deutschstämmigen Abgeordneten Frederick Muhlenberg gekommen sein, der sagte „die Deutschen sollen Englisch sprechen, damit sie schneller Amerikaner werden“. Da hatten die USA aber Glück, dass ausgerechnet ein Deutschstämmiger dafür sorgte, dass heute nicht alle Amerikaner Deutsch sprechen…

Natürlich ist dieser Zwischenfall anekdotisch, doch zeigt er auf, mit welchem Selbstverständnis und mit was für Personal diese zweite Amtszeit Trumps begonnen hat. Die Vorstellung, dass dieser verurteilte Straftäter nun vier Jahre Zeit hat, die Welt in ihren Grundfesten zu erschüttern, macht aus Trump einen ebenso gefährlichen Zeitgenossen wie den von ihm so sehr bewunderten Wladimir Putin. Da kommt einiges auf uns zu…

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