Papst Franziskus ist tot

12 Jahre lang war Jorge Mario Bergoglio als Papst Franziskus der Stellvertreter Gottes auf Erden. Bringt sein Nachfolger die katholische Kirche in die Neuzeit?

Papst Franziskus - zwischen Konservatismus und Modernität. Möge er in Frieden ruhen. Foto: Christoph Wagener / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

(KL) – Als Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 zum Papst Franziskus gewählt wurde, erhofften sich viele Gläubige eine Art Revolution der katholischen Kirche, die zwar 1,3 Milliarden Gläubige in der ganzen Welt unter ihrem Dach vereint, die aber gleichzeitig in alten Ritualen und modernen Skandalen gefangen zu sein scheint. Papst Franziskus prägte die katholische Kirche durch einen sehr persönlichen, von Menschlichkeit und Bescheidenheit geleiteten Stil, doch ein wirklicher Reformer war er nicht. Viele Dinge wurden angestoßen, doch reformieren konnte er nicht wirklich viel.

Nach dem knorrigen und stockkonservativen Papst Benedikt XVI., dem früheren Kardinal Ratzinger, wirkte Papst Franziskus zunächst in der Tat wie jemand, der mit dem vatikanischen Muff aufräumen wollte. Doch das gelang nur sehr begrenzt, wobei nicht klar ist, ob er selbst zwischen Bewahren und Reformieren schwankte, oder ob die mächtige Kurie des Vatikans Reformbemühungen im Keim erstickte.

Papst Franziskus setzte sich immer für Arme und Entrechtete ein, doch die Wirkung seiner Worte und Ermahnungen blieb begrenzt. So war er keinesfalls der „Papst der Befreiungs-Theologie“ in Südamerika, er war keineswegs ein „Linker“, sondern suchte immer den Ausgleich zwischen den verschiedenen Positionen.

Bemerkenswert war seine Initiative 2019, als er nicht nur öffentlich die zahllosen Fälle des sexuellen Mißbrauchs in der katholischen Kirche anprangerte und sich öffentlich für diese entschuldigte, was in der Folge dazu führte, dass sehr viele dieser Fälle recht schonungslos aufgedeckt und bearbeitet wurden (während gleichzeitig viele weitere Fälle unter dem Deckmantel des Schweigens blieben), doch während des von Franziskus einberufenen dreitägigen Kolloquiums zu diesem Thema wurde am Ende keinerlei Entscheidung getroffen. Somit gab er in der Tat den Anstoß zu einer neuen Thematisierung dieses Problems, sorgte aber gleichzeitig dafür, dass sich an der Systematik des Mißbrauchs nichts änderte.

Weltweit war Franziskus sehr beliebt, sein einfacher Stil kam bei den Menschen gut an, seine Ablehnung des für den Vatikan typischen Prunks und Pomps ebenfalls. So wird die Welt seine Beerdigung als einen recht schlichten Akt erleben, denn er schaffte Jahrhunderte alte Rituale der Beisetzung eines Papsts ab und bestand darauf, als „einfacher Bischof“ beerdigt zu werden.

Bereits heute beschäftigt die Gläubigen die Frage nach seinem Nachfolger und die Chancen stehen recht hoch, dass es wieder einmal ein italienischer Papst werden könnte, wahrscheinlich wieder kein Reformer, sondern eher ein Bewahrer, obwohl die katholische Kirche dringend einen Papst bräuchte, der sie ins 21. Jahrhundert führt. Spekulationen drehen sich auch um einen möglichen afrikanischen Papst, doch das sind eben nur Spekulationen. Was hinter den Türen des Konklavs passieren wird, das wissen wir ohnehin nicht und einen neuen Papst wird es erst in einigen Wochen geben.

Möge Franziskus in Frieden ruhen.

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