Russland spielt weiter auf Zeit
Langsam dämmert es den westlichen Staats- und Regierungschefs – Putin hat die Ukraine gar nicht überfallen, weil er Frieden will, sondern um Krieg zu führen...
Hier im Vatikan wird es keine Gespräche zwischen der Ukraine und Russland geben. Russland lehnt das ab. Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0
(KL) – Wir werden uns wohl auf einen sehr langen Krieg in der Ukraine einstellen müssen, den die Europäer weiterhin für beide Seiten finanzieren werden und aus dem die USA demnächst ganz aussteigen werden. Die Ankündigungen, dass nun im Vatikan weiter verhandelt werden soll, ist illusorisch, denn Russland will nicht im Vatikan verhandeln. Als orthodoxes Land könne man nicht auf der zentralen Plattform des Katholizismus verhandeln, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Das Treffen zwischen einer russischen und einer ukrainischen Delegation in der stark moslemisch ausgerichteten Türkei stellte allerdings kein Problem für Russland dar.
Vorbei ist es mit dem Gerede von einem „bedingungslosen Waffenstillstand“, vorbei ist es mit dem Gerede vom „Friedenswillen“, den Russland nun unter Beweis stellen soll. Weder gibt es einen russischen Friedenswillen, noch wird es einen „bedingungslosen“ Waffenstillstand geben, wie ihn die Europäer anmahnen, ohne dass das irgendjemanden sonderlich interessiert. Angesichts des Umstands, dass die Ukraine im besten Fall künftig noch Waffen in den USA kaufen darf (geschenkt gibt es in Washington nichts mehr), stehen die uneinigen und mit schwachem Spitzenpersonal besetzten europäischen Regierungen ziemlich hilflos da.
Kann es eine Option sein, weiter wie in den letzten drei Jahren Milliarden und Waffen in die Ukraine zu pumpen, nur um mit anzuschauen, wie die Ukraine Stückchen für Stückchen besetzt und zerstört wird? Glaubt außer Friedrich Merz irgendjemand, dass die Ukraine diesen Krieg gegen Russland und seine BRICS+-Verbündeten gewinnen kann? Daran glaubt ja nicht einmal Selenskyi selbst…
Doch die Zeit drängt. Jeden Tag sterben Ukrainer und Russen in einem Krieg, in dem inzwischen jede Kriegspartei eigene, undurchsichtige Interessen vertritt, wobei alles auf dem Rücken einer leidenden Bevölkerung ausgetragen wird.
Was also können die Europäer tun, um dieses Elend zu beenden? Selbst Truppen in die Ukraine schicken? Abgesehen davon, dass ein NATO-Einsatz sofort den III. Weltkrieg lostreten würde, sind die europäischen Armeen weder gut ausgerüstet, noch gewohnt gemeinsame Einsätze durchzuführen und zahlenmäßig dürften die europäischen Armeen nicht sonderlich viel zu einem militärischen Erfolg in unbekanntem Gebiet beitragen können. Also fällt eine europäische Beteiligung an den Kampfhandlungen gleich aus mehreren Gründen aus.
Oder gibt es die Option einer diplomatischen Lösung? Dass es diese nicht gibt, zeigen gerade die Russen, die dabei sind, die westliche Diplomatie am Nasenring durch die Manege zu führen. Weder gibt es Termine oder Orte, an denen Russland und die Ukraine erneut miteinander sprechen können, noch haben die Russen Lust, jemand anderen als Vize-Minister und andere Hinterbänkler ohne Verhandlungsmandat zu solchen Gesprächen zu schicken. Es wird wohl keine diplomatische Möglichkeit mehr geben, Russland auf diplomatischem Weg von seinem Krieg in der Ukraine abzubringen.
Die USA, Europa und Russland werden also kein Ende dieses Kriegs organisieren können. Bleibt nur noch die Ukraine selbst, doch so lange Selenskyi die Geschicke der Ukraine bestimmt, wird sich ebenfalls nichts ändern, denn der ukrainische Präsident hat auch keine bessere Idee, als jeden Abend die gleiche Propaganda wie seit drei Jahren zu wiederholen, doch sollte man eigentlich wissen, dass Kriege nicht durch Propaganda gewonnen werden können.
Im Grunde bleibt der Ukraine nur noch die Wahl, die bereits annektierten Regionen temporär unter russischer Kontrolle zu belassen, oder so lange weiterzumachen, bis das gesamte Land vernichtet ist. Viel mehr Optionen gibt es leider nicht. Man sollte auch nicht auf die Zeit nach Putin hoffen, denn diejenigen Kandidaten, die sich für eine eventuelle Nachfolge im Kreml positionieren, sind alle keinen Deut besser als Putin. Ein Gorbatchev ist leider nicht dabei.
Und da wir uns seit drei Jahren selbst erzählen, dass in der Ukraine die westliche Demokratie verteidigt wird, wäre es vielleicht wirklich keine schlechte Idee, die Ukrainer zu befragen, ob und wie sie mit diesem Krieg weitermachen wollen. Das wäre demokratischer, als die Bevölkerung an die Front zu schicken, damit sie dort getötet wird. Doch da inzwischen niemand außer dem verhaltensgestörten US-Präsidenten mehr Entscheidungen trifft, wird dieser Krieg wohl bis zu einem ganz bitteren Ende geführt werden. Nur sollte dann niemand fragen, wie es eigentlich so weit kommen konnte.
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