Schon ein wenig seltsam…
Gestern musste der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy im Pariser Gefängnis „La Santé“ seine Haftstrafe antreten. Die Ansichten hierzu sind gespalten.
Das Gefängnis "La Santé" in Paris - die neue Adresse von Nicolas Sarkozy. Foto: Lionel Allorge / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0
(KL) – Wohl selten wurde ein Häftling unter einem derartigen Medienrummel in das Gefängnis „La Santé“ im 14. Arrondissement von Paris eingeliefert. Aber immerhin, es war auch das erste Mal in der Geschichte der Europäischen Union, dass ein früherer Staatschef eine Haftstrafe antreten musste. Verurteilt wurde Nicolas Sarkozy wegen „Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung“, die in Libyen hohe Beträge zur Finanzierung eines Wahlkampfs von Sarkozy eingesammelt haben soll. Allerdings sieht sich Sarkozy immer noch als „Opfer“ einer Justiz-Kabale und in einigen Monaten wird auch sein Einspruch verhandelt werden, doch hatte dieser Einspruch keine aufschiebende Wirkung. Der Haftantritt Sarkozys spaltet, wie momentan fast alles, die französische Gesellschaft.
Während die einen der Ansicht sind, dass ein Ex-Präsident nicht ins Gefängnis gehört, finden die anderen, dass auch ein Ex-Präsident ein ganz normaler Bürger sei, der für seine Taten gerade stehen muss. Interessant ist, dass die französische Justiz bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit die sofortige Vollstreckung einer Strafe gegen einen hohen Politiker verhängt hat, obwohl die Betroffenen, eben Ex-Präsident Sarkozy und die rechtsextreme Marine Le Pen Widerspruch gegen ihre Urteile eingelegt haben – damit verhindert die Justiz, dass begüterte Angeklagte, die sich die besten Anwälte leisten können, ihre Verfahren ewig in die Länge ziehen und während dieser Zeit nicht behelligt werden.
Sarkozy selbst führt sich derweil wie ein „Opfer“ auf, vergleicht sich mit der Dreyfus-Affäre Anfang des letzten Jahrhunderts, wobei der Vergleich historisch mehr als falsch ist, dazu gab er schwülstige Erklärungen auf dem Weg ins Gefängnis ab, versicherte den Franzosen, dass er stets an sie denkt und verschwand dann in einer schwarzen Limousine hinter den dicken Gefängnismauern.
Untergebracht ist Sarkozy in einer Einzelzelle in einem gesonderten Bereich des Gefängnisses, in dem schon so prominente Insassen wie Jacques Mesrine oder der Vichy-Kollaborateur Maurice Papon Zeit verbrachten. Doch ist zu erwarten, dass der Ex-Präsident nicht allzu lange dort bleiben wird. Bereits bei seiner Einlieferung beantragten seine Anwälte, dass er auf freien Fuss gesetzt wird und angesichts seines Status und seines Alters von über 70 Jahren dürfte seine Strafe relativ schnell umgewandelt werden, beispielsweise in Hausarrest mit elektronischer Fussfessel, aber an die konnte sich Sarkozy ja bereits nach seiner letzten Verurteilung gewöhnen.
Man wird sehen, was bei der Berufungsverhandlung herauskommt, doch in der Zwischenzeit erleben Frankreich und Europa eine Neuheit – einen Ex-Präsidenten, der im Pariser Gefängnis „La Santé“ einsitzt. Wir leben schon in seltsamen Zeiten…
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