Schwamm drüber?

Angesichts des wachsenden Drucks auf Donald Trump wegen der Epstein-Akten haben er und seine Justizministerin Pam „Blondi“ Bondi die Strategie gewechselt.

Gestern versuchten Trump und Pam "Blondi" Bondi, den Epstein-Skandal für beendet zu erklären. Aber das funktioniert nicht. Foto: The White House / Wikimedia Commons / PD

(KL) – „So, jetzt sind die Epstein-Akten veröffentlicht und wir können uns endlich anderen, wichtigeren Themen widmen“, verkündeten gestern unisono der US-Präsident und seine treue Justizministerin Pam „Blondi“ Bondi. Und überhaupt, es stünde ja in den Akten gar nichts drin. Also, Thema beendet, den Epstein-Skandal gibt es ab sofort nicht mehr für die verstörte Trump-Truppe. Aber so einfach ist es nicht.

Denn statt 6 Millionen Seiten an Dokumenten wurden lediglich 3,5 Millionen Seiten veröffentlicht und wichtige Unterlagen, wie Aussagen von minderjährigen Vergewaltigungsopfern, fehlen ganz. Dazu sind die Seiten teilweise komplett eingeschwärzt, doch selbst die ungeschwärzten Seiten zeigen, dass der Name Trump über 3000 Mal in den Unterlagen auftaucht.

Natürlich fragt man sich auch, warum Trump hohe Millionenbeträge für außergerichtliche Vergleiche mit wahrscheinlichen Opfern bezahlte, wenn es ihm doch so gar nichts vorzuwerfen gibt. Und natürlich will die amerikanische und internationale Öffentlichkeit wissen, was in den geschwärzten Dokumenten steht und warum das Justizministerium unter Leitung von Pam „Blondi“ Bondi nur etwas mehr als die Hälfte der Dokumente freigegeben hat, was keinesfalls dem hierfür verabschiedeten Gesetzestext und den entsprechenden Gerichtsurteilen entspricht.

Aber für Trump und sein Team ist der Fall Epstein damit abgeschlossen. Eine CNN-Journalistin, die Trump fragte, warum er so dünnhäutig auf Nachfragen reagiert, wurde von Trump aufs Übelste beschimpft und beleidigt und man merkt, wie sehr das Thema an seinen Nerven zerrt. Doch reichen weder Trumps noch Bondis Macht aus, den Amerikanern einzureden, dass das Thema „Epstein“ damit abgeschlossen sei. Insbesondere in seiner treuen Wählerschaft der Evangelikaner verzeiht man Trump so gut wie alles, aber keine pädophilen Abenteuer mit Minderjährigen – selbst Republikaner fordern eine lückenlose Aufklärung und damit tun sich Trump und seine Erfüllungsgehilfen mehr als schwer, was natürlich weiterhin den Verdacht nährt, dass die geschwärzten und nicht veröffentlichten Dokumente den Präsidenten schwer belasten.

Nicht geschwärzt in den Dokumenten sind die Namen seiner politischen Gegner, die Kontakte zu Epstein pflegten und, besonders skandalös, die Namen und persönlichen Daten (Adressen, Emails, Telefonnummern) der rund 40 bekannten Opfer des Epstein-Systems des systematischen Mißbrauchs Minderjähriger.

Angesichts der immer weiter in den Keller rutschenden Zustimmungswerte für Trump könnten die Epstein-Akten eine entscheidende Rolle bei den „Midterm elections“ spielen, was wohl auch der Grund ist, warum Trump gerade alle Hebel in Bewegung setzt, um diese Wahlen im November entweder abzusagen oder aber unter Bundesaufsicht, also unter seine eigene Aufsicht, zu stellen. Erst kürzlich sinnierte Trump, dass wenn er diese Wahlen im November verlieren sollte, „die einen Grund finden werden, mich des Amtes zu entheben“. Das wäre allerdings auch allerhöchste Zeit, denn dass ein 34 Mal verurteilter Straftäter an der Spitze der USA steht, ist eigentlich ein Unding.

Die Opposition und die internationale Öffentlichkeit werden dafür sorgen, dass der Druck wegen der Epstein-Akten nicht nachlässt. Die Erklärung von Trump und Bondi, dass es sich a) um eine Verschwörung linksextremistischer Kräfte, b) um frei erfundene Lügen oder c) um gar nichts handelt, das schlucken die Demokraten nicht, aber auch viele Republikaner zweifeln heute an diesem Präsidenten. Und man bekommt immer mehr das Gefühl, als könne die Ära Trump früher als geplant und mit einem riesigen Prozess enden.

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