Sieht so die „Zeitenwende“ aus?

Ein Aufschrei geht durch Frankreich – eine der beliebtesten französischen Käsesorten steht auf dem Prüfstand, der Comté. Den einige Ökologen am liebsten verbieten würden.

Frankreichs Gastronomie ohne Comté? Undenkbar... Foto: Thesupermat / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Die Welt ändert sich, die Prioritäten auch und nicht viel bleibt mehr so, wie es mal war. Das betrifft fast alle Lebensbereiche und jetzt auch noch den Comté, diesen wunderbaren Käse, der im französischen Jura hergestellt wird und der aus der französischen Küche nicht wegzudenken ist. Für Frankreichs Grüne, zumindest einige von ihnen, ist allerdings die Herstellung des Comté problematisch und deshalb würden sie gerne den Verzehr dieses Käses verbieten. Eine beliebte Käsesorte verbieten? Frankreichs Gourmets stehen bereits auf den Barrikaden. Aber stellt die Produktion von Comté wirklich ein Problem dar?

Für Pierre Rigaux, einen bekannten französischen Ökologie-Aktivisten, ist die Antwort ein klares „Ja“. Denn die Herstellung von jährlich rund 70.000 Tonnen dieses Käses erfordert eine massive Tierhaltung, deren Defektionen den ganzen Landstrich verunreinigen, das Flüsschen Loué im Jura verschmutzt haben und die Methan-Ausscheidungen der zahlreichen Kühe, deren Milch zu Comté verarbeitet wird, belasten die Umwelt ebenfalls.

Wirklich so schlimm? Die Zahlen sind durchaus beeindruckend. Um einen Käseleib Comté von 40 Kilo herzustellen, braucht man 400 Liter Milch, die für echten Comté nur von Kühen der beiden Rassen „Montbéliarde“ und „Simmental français“ stammen dürfen. Wieviel Milch und folglich Kühe man braucht, um 70.000 Tonnen Comté im Jahr herzustellen, kann man sich ausrechnen.

Aber Comté verbieten? Das ist ein Anschlag auf ein französisches National-Heiligtum, die Käse-Kultur. Schon Charles de Gaulle hatte die Frage gestellt, wie man ein Land regieren soll, das über 246 Käsesorten verfügt – wobei er wohl eine Null vergessen hatte, denn 246 Käsesorten gibt es schon in fast jeder französischen Region. Käse, das ist in Frankreich mehr als ein Nahrungsmittel, Käse gehört zu einer gastronomischen Kultur, die einen hohen Stellenwert hat.

Haben die militanten Ökologen aber Unrecht? Oder gehört zur Zeitenwende, dass wir uns daran gewöhnen müssen, auf Liebgewonnenes zu verzichten, um den Planeten zu retten? Immer nur fordern, dass andere dafür sorgen sollen, dass der Klimawandel gestoppt wird, kann auch nicht die Lösung sein. Die reinen Zahlen zeigen, dass Pierre Rigaux nicht ganz Unrecht hat – die Produktion des Comté ist in der Tat eine nicht zu vernachlässigende Umweltbelastung. Doch anders, als Pierre Rigaux das fordert, kann die Lösung nicht das Verbot des Verzehrs von Comté sein, dafür sollte aber die Produktion überdacht und umweltverträglicher gestaltet werden.

Die Comté-Produktion umweltverträglicher zu gestalten, dürfte teuer sein und zu einer Reduktion der Produktion führen. Das wiederum bedeutet eine Preissteigerung und diese dürfte beispielhaft dafür werden, was die „Zeitenwende“ für uns alle bedeuten wird. Wer künftig Comté essen will (kleiner Tipp der Redaktion: Schneiden Sie den Comté in dünne Streifen, vermischen Sie ein wenig Rotwein mit Salz und Pfeffer und tunken Sie den Comté in diese Mischung – ein Apero der besseren Art!), wird künftig dafür mehr bezahlen müssen als bisher, damit die Milchbauern im Jura umweltschonender produzieren können.

Doch wer hier sofort mit Verbots-Vorschlägen anrückt, der darf sich nicht wundern, dass in Frankreich das Wort der „écologie punitive“, der „Straf-Ökologie“ die Runde macht. Bis die ganze Angelegenheit geklärt ist, formiert sich auf jeden Fall bereits der Widerstand – denn Frankreich ohne Comté ist nur noch Frankreic. Unter dem Hashtag #TouchePasAuComté kann man verfolgen, wie dieses Thema weiter behandelt wird…

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