SIG im Lauf der Zeit – letztes Heimspiel vorm Leaders Cup

Es läuft wieder - Platz vier für die Straßburger Basketballer in der Liga. Jetzt noch zu Hause gegen Bourg-en-Bresse punkten und dann auf zum Leaders Cup...

Geht's irgendwann doch noch nach hinten los? Die unermüdlichen Fans sehen sich in die Ecke verbannt - dabei machen sie erst richtig Stimmung, wenn's auch mal nichts mehr zu feiern gäbe. Foto: © Michael Magercord

(Michael Magercord) – Wie lag doch SIG Strasbourg darnieder, als endlich frischer Wind durch die Chefetage des Clubs zog. Was wurde nicht alles geändert seit der vorangegangenen Saison: das zum Adler gestylte Storchmaskottchen, eine Vereinshymne zum Auftakt der Heimspiele, Sponsorenehrensitze am Spielfeldrand, vereinseigene Hip-Hop-Truppe zur Pause, ein oftmals ausverkauftes Haus. Und die echten Fans, die SIG-Army, der KOP aus der Wantzenau…

Halt! An dieser Stelle wird das glattpolierte Bild der Erneuerung eingetrübt. Denn ausgerechnet die treusten der Treuen wurden beim Durchpusten in die Ecke gefegt. Noch in der letzten Saison sammelten sich die trikottragenden Fahnenschwinger und Anfeuerer direkt am Spielfeldrand unten auf der Kopftribüne, jetzt sind sie von der Vereinsleitung ganz oben in die äußerste Ecke verbannt. Warum? Die Fans wissen es selbst nicht, und uns Außenstehenden bleiben nur Vermutungen: Ob so eine klassische Fangruppe nicht mehr in das neue Hochglanz-Image passt? Oder ob sie da unten einfach teurer zu verkaufende Sitze besetzt hielten, also ab mit ihnen auf die billigen Plätze?

So oder so, alle Neuerungen verfolgen ein kommerzielles Ziel. Was natürlich legitim ist, ist der sportliche Betrieb doch nur mit ausreichenden Einnahmen möglich. Und da bekanntlich nichts erfolgreicher ist als der Erfolg, geht die Rechnung des Vereins bislang auf. Die Mannschaft hat Tritt gefasst, ist vor der heutigen Partie Tabellenvierter, davon konnte man noch vor Jahresfrist nur träumen. Der neue Trainer heißt Janis Gailitis. Er kommt aus Lettland, wo er zusammen mit dem Feuerwehrtrainer von SIG anno domini 2023, dem Italiener Luca Banchi, die Nationalmannschaft trainiert. Ein Mann der unmittelbaren Tat, der von sich behauptet, dass ihn Tabellen und Punktstatistiken nicht interessieren, da er immer nur von Minute zu Minute denke und während des Spiels überlege, was zu tun ist, um in der nächsten Minute noch besser sein als jetzt.

Die Mannschaft hat er zum Saisonbeginn fast komplett neu zusammengestellt. US-Amerikaner geben, wie zumindest noch beim Basketball in Europa üblich, den Ton an. Marcus Keene, Gabe Brown, Mike Davis Jr. und Ben Gregg bilden das Grundkorsett, lediglich der offizielle Kapitän ist mit Jean-Baptiste Maille einer der wenigen, der schon seit bald sechs Jahren dabei ist – immerhin noch eine letzte Identifikationsfigur über mehr als eine Saison hinweg.

Aber vielleicht wäre das sowieso egal, denn das Legionärstum ist beim Basketball schon lange von den Zuschauern akzeptiert. Sie wissen, dass sie nicht nur beim Sport zusehen, sondern bei einem großen Unterhaltungsevent dabei sind. Und das bunte Wechseltreiben im Basketball dient mehr und mehr als Vorbild für die anderen Profimannschaftssportarten, allem voran dem Fußball. Auch dort dominieren die Legionärstruppen die Ligen, und in den internationalen Wettbewerben jene Vereine, die in den expliziten Legionärsligen spielen, allen voran in der englischen Premier League.

In der deutschen Bundesliga steht der Umwandlung in eine reine Unterhaltungsindustrie noch die sogenannte „Fankultur“ im Wege. Die Fans maßen sich doch noch tatsächlich an, etwas zu sagen zu haben im Betrieb. Wäre man auf lange Sicht bereit, den Preis für die lokale Verwurzelung zu bezahlen, der da wäre, dass man international nur noch eine Statistenrolle spielen würde? Da wie gesagt wohl auch bei dem letztlich zahlenden Publikum nichts erfolgreicher ist als der Erfolg, bleibt der Traum der eisernen Fans eine Illusion und der Weg in eine Legionärsliga vorgezeichnet.

Warum also nicht gleich zu SIG! Denn es funktioniert ja wieder, bislang wurde nur ein Heimspiel verloren und auswärts gewinnt man nun auch das ein oder andere Mal. Für die Straßburger, bei denen allerdings kein Straßburger spielt, geht es nun zum Leaders Cup, einem Miniturnier unter den Erstligisten, die nach Ablauf der halben Saison auf den ersten acht Plätzen standen, das ab 20. Februar im fernen Poitiers ausgetragen wird.

Und dann erfolgt der Endspurt in der Liga, wo man darum kämpft, unter den ersten vier zu verbleiben, um eine gute Ausgangslage in den Playoffs zu haben, die schließlich ab Mitte Mai losgehen werden, auf dass es dann wieder heißt: „Jetzt geht’s los“ – und zwar so richtig.

SIG Strasbourg – Bourg-en-Bresse
19. Spieltag der französischen Liga
SA, 14. Februar, 18.00 Uhr
Rhenushalle – Stadtteil Wacken

Tickets und Infos gibt’s hier! 


Weitere Heimspiele in der französischen Liga:

SA 7. März 18.10 Uhr: SIG – Dijon
SA 11. April 20.30 Uhr: SIG – Paris
am 1., 2. oder 3. Mai: SIG – Monaco

Wer dabei sein will, sollte sich beim Kartenkauf beeilen, die Partien gegen Paris und Monaco sind schnell ausverkaufte Spitzenspiele. Und dann mit der Tram E an der Station „Parlement européen“ aussteigen oder mit dem Bus H vom Hauptbahnhof einfach bis zur Endstation fahren und gegenüber des hohen Hauses die Straße kurz hinuntergehen.

1 Kommentar zu SIG im Lauf der Zeit – letztes Heimspiel vorm Leaders Cup

  1. Michael Magercord // 15. Februar 2026 um 12:46 // Antworten

    SIeG! Das war nix für schwache Nerven gestern Abend. Erst locker geführt, dann 20 Punkte Rückstand, schließlich brachte die Verlängerung die Entscheidung – kurz: Unterhaltungssport ganz nach dem Geschmack der Sportindustrie. Und dem Zuschauer eben auch…

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*



Copyright © Eurojournaliste