Seltsamer Sommerschlussverkauf bei Bayer Leverkusen
Noch vor einem Jahr wurde Bayer Leverkusen erstmals Deutscher Meister im Fußball – aus „Vizekusen“ wurde ein Topteam. Und das bröckelt gerade auseinander.
Das Team, das vor einem Jahr Meisterschaft und Pokal gewonnen hat, gibt es nicht mehr. Weg. Verkauft. Foto: Pyaet / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int
(KL) – Es ist erst etwas mehr als ein Jahr her, dass Bayer Leverkusen etwas schaffte, was vor dem rheinischen Verein noch niemand geschafft hatte – eine ganze Saison über ungeschlagen bleiben und somit Meister zu werden. Und auch in der letzten Saison sah es lange so aus, als könne Leverkusen den Bayern Paroli bieten, bis die auf der Zielgeraden der Saison 2024/25 dann doch alles klar machten. Ein ähnliches Duell wird es voraussichtlich in der neuen Saison nicht mehr geben, denn momentan steht alles in Leverkusen, dessen Vertrag nicht niet- und nagelfest ist, im Schaufenster und wer in Leverkusen im Schaufenster steht, findet schnell Abnehmer.
Man sieht, dass Profifußball mit „Sport“ nicht mehr viel zu tun hat – es geht nur noch um Geld. Und davon erhält Bayer Leverkusen in dieser Sommerpause richtig viel. Los gings mit den Nationalspielern Florian Wirtz (FC Liverpool, 125 Millionen €) und Jonathan Tah (Bayern München, 2 Millionen), dann gingen Jeremie Frimpong (FC Liverpool, 40 Millionen), Odilon Kossounou (Atalanta Bergamo, 20 Millionen), Granit Xhaka (AFC Sunderland, 15 Millionen), Keeper Lukas Hradecky (AS Monaco, 3 Millionen) und Gustavo Puerta (Hull City, 3,5 Millionen), dazu gab es zahlreiche Abgänge, die entweder kostenfrei waren oder aber Spieler, die nach einer Leihe zu ihrem Stammverein zurückkehrten. Insgesamt verließen in der Sommerpause 16 Spieler den Verein und ein 17. könnte noch dazu kommen.
Denn der Aderlaß an Leistungsträgern ist für Leverkusen noch nicht vorbei – so steht Star-Angreifer Victor Boniface vor dem Absprung zum AC Mailand, mit dem sich der Spieler bereits einig sein soll und die beiden Vereine sind wohl in fortgeschrittenen Gesprächen zu diesem Wechsel.
So stimmt denn wohl in Leverkusen die Kasse, aber wie der Verein diese Abgänge kompensieren will, ist fraglich. Zwar stehen den 16 oder 17 Abgängen auch 16 Neuzugänge gegenüber, aber bei diesen handelt es sich zumeist um junge Talente, bei denen fraglich ist, ob sie sich schnell in den anspruchsvollen Bundesliga-Alltag integrieren können. Mit diesem Kader gehört Bayer Leverkusen nicht zu den Titelanwärtern und es kann gut sein, dass sich die Leverkusener Fans auf eine Saison im Mittelmaß einstellen müssen.
Die Art und Weise, wie fast die halbe Meistermannschaft verkauft wurde, ist nur schwer nachzuvollziehen und dürfte bei den Fans wenig Begeisterung auslösen. Der „Menschenhandel“ im Fußball treibt immer abstrusere Blüten und die Vereine müssen angesichts eines immer voller werdenden Spielplans ihre Kader erweitern, da die steigende Zahl Spiele auch zu einer höheren Verletzungsanfälligkeit der Spieler führt, weswegen die Kader immer größer werden müssen.
Die Zeiten, in denen sich Spieler noch mit dem Verein identifizierten, für den sie spielten, sind vorbei. Heute stehen bei den meisten Vereinen Söldner-Truppen auf dem Platz, die von ihren Beratern an den nächsten Verein verhökert werden, sobald ein besseres Angebot vorliegt. Dass diese Entwicklung den Sport immer weiter weg von seiner ersten Zielgruppe, den Fans, bringt, scheint der FIFA, der UEFA und auch dem DFB egal zu sein. Wie gefährlich dieser Weg ist, das werden die Vereine erst dann erkennen, wenn die Fans wegbleiben. Eine traurige Entwicklung.
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