Stärke zeigen kann ein gutes Mittel sein…

… aber nur, wenn man auch wirklich stark ist. Das ist bei den überhaupt nicht auf einer Linie befindlichen Europäern nicht der Fall. Und schon werden die „Stärke-Sprüche“ fast lächerlich.

EU-Außenministerin Kaja Kallas ist der Ansicht, dass "Russland keine Chance gegen die EU und die NATO" habe. Schade, dass forsche Sprüche keine Kriege entscheiden können. Foto: © European Union, 1998 - 2025 / Wikimedia Commons / CC0 1.0

(KL) – Kaja Kallas, die aus Estland stammende „Außenministerin“ der EU und Vizepräsidentin der EU-Kommission, wollte das Säbelrasseln ausnahmsweise nicht ihren männlichen Kollegen überlassen, die sich täglich gegenseitig versichern, dass „Putin nur die Sprache der Stärke versteht“. Da wollte Kaja Kallas nicht zurückstehen, und behauptete, dass „Russland gegen EU und NATO keine Chance“ hätte. Die Realität im Osten der Ukraine sagt zwar genau das Gegenteil, aber auch Kaja Kallas scheint zu glauben, dass man mit forschen Sprüchen einen Krieg gewinnen kann. Schade, dass das ein Irrglaube ist, dem fast die ganze europäische Politik aufgesessen ist.

Was glaubt Kaja Kallas mit solchen Sprüchen zu erreichen? Dass Putin nicht in der Ukraine einmarschiert ist, um dort einen „gerechten und dauerhaften Frieden“ einzuziehen, das fängt man immerhin nach nur drei Jahren an, im Westen zu begreifen. Nur Selenskyi zeigt sich immer noch erstaunt, dass Russland gar nicht an einem Waffenstillstand und „gerechten Frieden“ interessiert zu sein scheint. Dabei hatte doch die Ukraine den Vorschlag einer Waffenruhe der USA akzeptiert! Doch greifen nicht die USA die Ukraine an, sondern Russland. Wie kann man dann nach fast dreieinhalb Jahren des Kriegs immer wieder die gleichen sinnentleerten Sprüche wiederholen, die so unendlich weit von der Realität entfernt sind? Und jetzt muss auch Kaja Kallas noch eine Propaganda-Schippe drauflegen!

Mit ihrer Aussage, dass Russland keine Chance gegen die EU und die NATO habe, hat Kaja Kallas nicht nur unnötig Öl ins Feuer gegossen, sondern sie macht gleich die ganze EU lächerlich. Von der NATO ganz zu schweigen, denn jedem ist klar, dass die unglaubliche Aufrüstung der NATO erst in einigen Jahren abgeschlossen sein wird und folglich der Ukraine gegen Russland nicht helfen wird. Dazu stehen die USA ziemlich kurz vor dem Ausscheren aus der NATO und wenn man hört, dass Donald Trump bedauert, dass Russland nicht mehr in der G8-Gruppe ist, die daher nur noch G7 ist, dann sollte man sich in der Ukraine vielleicht nicht allzusehr auf „Partner“ verlassen, von denen die einen nicht wollen und die anderen nicht können.

Bei der EU, die Kaja Kallas nach außen vertreten soll, ist es eher so, dass man nicht kann und noch nicht einmal in der Lage ist, eine gemeinsame Position gegenüber Russland zu finden. Bei den USA ist es so, dass Donald Trump gerne mit dem von ihm bewunderten Putin „Deals“ machen würde, zumal er Selenskyi nie verziehen hat, dass dieser bei der vorvorletzten Wahl Hillary Clinton und nicht ihn selbst unterstützt hatte.

Wer droht, der sollte in der Lage sein, seine Drohungen auch wahrzumachen, da sie sich ansonsten sehr schnell gegen denjenigen wenden können, der gedroht hat. Wer „Stärke“ zeigen will, der sollte auch besser stark sein, denn ansonsten könnte seine „Stärke“ getestet werden. Wenn man wie Kaja Kallas aus einem Land kommt, dessen Grenzstadt Narva nur 200 Meter entfernt von Russland liegt, sollte man mit solchen gegenstandslosen Drohungen und verbalen Muskelspielen lieber Abstand nehmen. Mit solchen Sprüchen tut sie weder der Ukraine einen Gefallen, auch nicht Estland und auch nicht der EU.

Kaja Kallas muss „wirtschaftliche Stärke“ meinen, wenn sie so in Richtung Russland droht. Nur – die bisherigen 18 Sanktionspakete wurden vom Westen überall dort unterlaufen, wo man weiterhin Lust hatte, Geschäfte mit Russland zu machen. Und militärisch? Ein Blick auf die Entwicklung an der Front und die ständige Eskalation der Kampfhandlungen und Angriffe spricht eine deutliche Sprache.

Doch die Ansage von Kaja Kallas zeigt ein Problem auf, das seit Jahren über dem Ukraine-Krieg schwebt – die völlig unrealistische Einschätzung der Lage, dazu eine Propaganda, die nichts anderes als Wunschdenken ist und somit stolpert die Welt von Eskalation zu Eskalation. Von einer EU-Außenministerin hätte man sich ein wenig mehr diplomatisches Fingerspitzengefühl gewünscht.

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