Totales Kriegs-Chaos im Mittleren Osten

Von Tag zu Tag wird es klarer – die USA haben keinen realistischen Plan, was sie im Iran anstellen wollen. Unter dem US-Irrsinn leidet nur das große iranische Volk.

Tod und Zerstörung – Frieden wird es auf lange Jahre nicht im Mittleren Osten geben. Foto: JPSS imagery / CSU/CIRA & NOAA NESDIS / Wikimedia Commons / PD

(KL) – Was die USA im Iran abziehen, spottet jeder Beschreibung. Trotz der großspurigen Ansagen von Donald Trump und „Kriegsminister“ Hegseth bleibt die Situation verworren und trotz der amerikanischen Aussage, dass praktisch die ganze iranische Armee ausgeschaltet sei, zu Lande, zu Wasser und in der Luft, erleben die Nachbarstaaten täglich und jede Nacht heftige Raketenangriffe aus dem Iran. Es sieht so aus, als seien die militärischen Fähigkeiten des Mullah-Regimes noch nicht erschöpft. Und weiterhin leidet das iranische Volk, das in den Plänen der Mächtigen überhaupt keine Rolle spielt.

Dass sich die amerikanischen Politiker der Trump-Administration permanent gegenseitig widersprechen, sowohl was militärische „Erfolge“, als auch die Dauer des Krieges im Iran anbelangt, stört in der MAGA-Sekte niemanden, und die Europäer trauen sich nicht, diesem verhaltensgestörten Präsidenten irgendetwas entgegen zu setzen. Die Lage ist gerade dabei, völlig aus dem Ruder zu laufen und der Flächenbrand weitet sich täglich aus.

Israel nutzt die Gelegenheit, einen Sekundarkrieg im ohnehin seit Jahren gebeutelten Libanon gegen die Hisbollah zu führen und das, was künftig im Mittleren Osten passieren wird, steht in den Sternen. Dass inzwischen auch der „Iron Dome“ über Israel brüchig wird und sehr häufig iranische Raketen die israelischen Städte treffen, macht die Situation noch komplizierter, denn vor allem Israel hat keinerlei Interesse, dass der Iran, Syrien und der Libanon wieder auf die Beine kommen.

Nur, und diese Frage scheint sich auf der politischen Ebene niemand mehr zu stellen, was wird aus dem seit Jahrzehnten geknechteten und in Angst lebenden iranischen Volk? Mitte Januar verhinderten die Versuche Trumps, mit den Mullahs einen „Deal“ zu erreichen, den Erfolg der iranischen Revolution, die speziell am 12. und 13. Januar ganz kurz davor stand, das Regime zu stürzen. Und heute? Heute interessiert sich niemand mehr für die Iraner und Donald Trump hat zwischen den Zeilen gesagt, worum es ihm geht (abgesehen von der Ablenkung von den Epstein Files) – „Es ist noch zu früh, um über die Beschlagnahmung des iranischen Öls zu sprechen“, was nichts anderes bedeutet, dass es Trump, wie in Venezuela, um den Zugriff auf die iranische Ölproduktion geht, die satte 18 % der weltweiten Ölproduktion ausmacht.

Dazu haben die USA einfach zugesehen, wie sich das mörderische Mullah-Regime neu aufgestellt und mit Mojtaba Khamenei den Sohn des getöteten Ali Khamenei zum neuen religiösen Führer dieses Regimes gemacht hat, was mehr als nur Symbolik ist.

Gleichzeitig verkündet Trump, dass die USA den in voller Härte tobenden Krieg so gut wie gewonnen hätten und dass das Ende dieses Kriegs unmittelbar bevorstünde. Ein Blick auf den Mittleren Osten zeigt, was er damit meint. Angesichts des Umstands, dass die USA keinerlei Plan oder Strategie für den Iran haben, will Trump sich aus diesem, von ihm gestarteten Krieg verabschieden und den Mittleren Osten seinem Chaos überlassen. Was dann allerdings passieren wird, ist unklar – ein Abzug der Amerikaner aus der Region wird diese nicht etwa befrieden, sondern den Konflikt in der ganzen Region noch weiter anheizen. Und das für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Aber noch einmal die Frage: Was wird aus dem geschundenen iranischen Volk, das inzwischen Zehntausende Märtyrer zählt, dessen Henker sich erneut organisieren können und dem es an allem fehlt, was man zum Überleben braucht? Seit Beginn des Kriegs ist das Internet wieder abgeschaltet und den Menschen fehlen nicht nur Wasser, Nahrungsmittel, Medikamente oder Benzin, sondern vor allem Informationen. Wo sind noch Fluchtwege offen? Leben die Angehörigen noch? Wo findet man etwas zum Essen? Die ohnehin schon katastrophale Lage hat sich für die Iraner nur noch weiter verschlimmert.

Die Frage nach einer eventuellen Nachfolge des mörderischen Mullah-Regimes stellt sich momentan noch nicht. Das Regime ist immer noch da, es organisiert sich und ist ganz offensichtlich immer noch in der Lage, Raketen auf seine Nachbarländer abzuschießen.

Schlimm sind ebenfalls die ständigen Selbstbeweihräucherungen des inzwischen schon verwirrt wirkenden Präsidenten und seines „Kriegsministers“, bei dem man nie genau sagen kann, ob er gerade nüchtern ist oder nicht.

Egal, was die Amerikaner als nächstes tun werden, es wird den Mittleren Osten weiter destabilisieren und auf Jahre hinaus neue Kriege generieren. Und um seine MAGA-Sekte weiterhin auf Kurs zu halten, wird Trump nach dem Iran Kuba angehen, wie er es bereits angekündigt hat. Der Mann wird alles daran setzen, die USA bis November und den „Midterms“ im Kriegszustand zu halten, damit ihm bis dahin die Epstein Files nicht den Hals brechen. Die Risse im „System Trump“ sind nicht mehr zu übersehen und Tausende Menschen auf der ganzen Welt zahlen mit ihrem Leben dafür, dass Trump und seine Freunde nicht für ihre Rolle im Epstein-Skandal zur Rechenschaft gezogen werden. Europa täte gut daran, sich von dieser US-Regierung so weit wie möglich zu distanzieren.

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