„Unsere“ Obdachlosen
Die Verelendung der Städte geht ungebremst weiter. Besonders widerlich ist, dass Extremisten versuchen, aus dem Elend anderer politisches Kapital zu schlagen.
Ob hier ein Flüchtling oder einer "unserer" Obdachlosen schläft, ist egal - menschliches Elend kennt keine Nationalität. Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0
(KL) – In fast allen größeren Städten Europas sehen wir das gleiche Bild – Obdachlose übernachten in allen möglichen behelfsmäßigen Zelten und anderen Installationen, die sie vor der Kälte und dem schlechten Wetter schützen sollen. Für Touristen und Einheimische ist das nicht schön, allerdings sollte man nicht vergessen, dass es für die Betroffenen noch deutlich weniger schön ist.
Dass nun Extremisten versuchen, aus diesem menschlichen Elend politisches Kapital zu schlagen, ist besonders widerlich. Denn „unsere“ Obdachlosen, die von diesen Extremisten in Konkurrenz zu Flüchtlingen gesetzt werden, interessieren diese Extremisten in keinster Weise. Denn bevor diese behelfsmäßigen Camps in den Städten auftauchten, haben diejenigen, die heute laut nach einer Priorität für „unsere“ Obdachlosen rufen, keinen Finger für „unsere“ Obdachlose krumm gemacht.
Staat, Regionen und Städte sind von der Situation völlig überfordert und da die Verelendung weitergeht, wird sie sich nicht von selbst lösen, sondern weiter verschärfen. In einer solchen Situation zwischen „guten“ und „schlechten“ Obdachlosen zu unterscheiden, ist skandalös und unmenschlich.
Stattdessen werden die öffentlichen Stellen nicht umhin kommen, Strategien zum Umgang mit der Not zu entwickeln. Das wird Geld kosten, doch wird man Prioritäten setzen müssen – und nicht alle verfügbaren Gelder in Kriege investieren, denn ansonsten werden irgendwann auch bei uns Bürgerkriege und Verteilungskämpfe ausbrechen.
Diejenigen, die versuchen, aus dieser menschlich schlimmen Situation politisches Kapital zu schlagen, disqualifizieren sich fûr jedes politische Amt. Wir brauchen keine rechtsextreme Hetze, sondern politische Lösungen, mit denen das Phänomen Obdachlosigkeit bekämpft werden kann. Und solche Lösungen brauchen wir schnell, denn in absehbarer Zeit werden immer mehr Menschen auf der Straße landen.
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