Vier Jahre schon…

… und kein Ende des Ukraine-Kriegs ist in Sicht. Dazu hat sich in diesen vier Jahren viel getan, was nicht unbedingt gut für die ukrainischen Chancen ist.

So empfand der Maler Artur Jost Pfleghar den russischen Einmarsch in der Ukraine. Foto: Frimu / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Es sieht nicht gut aus in der Ukraine. Die Verteidigung an der Ostfront ist mehr als brüchig, Kiew hat immer mehr Probleme, frische Soldaten zu mobilisieren und auf der Gegenseite steht ein Wladimir Putin, der nicht die geringste Absicht hat, diesen Krieg zu beenden, wie westliche Politiker seit vier Jahren jede Woche erstaunt feststellen. Und Putin ist sicherlich ein verlässlicherer Gegner als Trump ein zuverlässiger Partner ist – denn die amerikanische Unterstützung ist zusammengebrochen, seit dem Tag, an dem Donald Trump einen „Deal“ mit Russland witterte.

Vier Jahre. Vier lange Jahre. Was das tatsächlich bedeutet, können wir in unseren Ländern überhaupt nicht nachvollziehen. Jede Nacht Drohnen- und Raketenangriffe, Schutz in U-Bahn-Schächten suchen, die Sorge um die Angehörigen, die Stromausfälle, Mangel an vielen Dingen und vor allem, die schwindende Hoffnung, dass dieser Albtraum bald enden könnte.

Aber irgendwie wird es weitergehen müssen, doch wie? Der Westen redet auf Selenskyi ein, ja keinen „Diktatfrieden“ zu akzeptieren, doch dieser Zuspruch hat einen hohen Preis – Menschenleben. Doch klar ist auch, dass wenn sich niemand bewegt, dieser Krieg ewig dauern wird, bis der Ukraine die Ressourcen ausgehen. Ist dieser Preis nicht zu hoch? Politische Umstände können sich verändern – zum Schlechten, wie wir gerade in den USA erleben, aber auch zum Besseren, wie es einst Mikhail Gorbatchev bewiesen hat.

Ist es da richtig, die gesamte ukrainische Bevölkerung zu opfern? Natürlich bis auf diejenigen, die das Land verlassen haben, da sie verständlicherweise keine Lust verspüren, für die Interessen Dritter im Schlamm der Ostukraine von einer Drohne zerfetzt zu werden.

Diese vier Jahre des Kriegs haben die Ukraine in eine existentielle, den Rest Europas in eine wirtschaftliche Krise gestürzt. Dass die Probleme der Ukraine am schlimmsten sind, ist klar. Aber auch in Westeuropa hat der Krieg massive Folgen – in vielen Ländern stehen gerade die Sozialsysteme auf dem Prüfstand und werden nach unten korrigiert. Sozialstaat und gleichzeitig Krieg führen, das kann sich auch der reiche Westen nicht leisten.

Dazu sind die USA von Donald Trump gerade dabei, die Ukrainer ebenso zu verraten, wie sie es auch mit den Iranern getan haben und weiterhin tun. Sobald Trump einen „Deal“ wittert, interessiert ihn nichts anderes mehr und man hört an verschiedenen Stellen in Washington, dass die Gespräche über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA prima verlaufen. Und das bedeutet dann ganz schlechte Karten für Selenskyi und die Ukraine. Das könnte sich allerdings ändern, wenn dieser Krieg eines Tages aufhören sollte. Stand heute schätzt man die Kosten für den Wiederaufbau der Ukraine auf rund eine halbe Billion Dollar – sollten hier US-Bau- und Infrastruktur-Unternehmen zum Zug kommen, könnte die Ukraine für die USA wieder interessant werden. Nur – dieser Krieg wird so schnell nicht aufhören.

Inzwischen haben beide Seiten auch ihre eigene Propaganda verinnerlicht. Die Russen glauben, dass ihre Regierung in der Ukraine gegen „Nazis“ kämpft und damit ähnelt dieser Krieg ein klein wenig dem „Großen Vaterländischen Krieg“ und im Westen haben wir geschluckt, dass in der Ukraine die Freiheit Europas verteidigt wird. Anders ist es wohl den Bevölkerungen in den europäischen Ländern nicht mehr vermittelbar, welche Summen in diesen Krieg gepumpt werden.

Nur – mit Propaganda gewinnt man keine Kriege, sondern höchstens die Zustimmung der Bevölkerungen. Wenn man die Lage an der Front möglichst realistisch betrachtet, dann muss man feststellen, dass die Ukraine keine Möglichkeit haben wird, die russische Armee aus dem Land zu vertreiben. Umgekehrt muss man feststellen, dass es Russland nicht geschafft hat, die Ukraine in einem Blitzkrieg einzunehmen und so sieht die Welt heute eine neue Variante der Materialschlachten in Frankreich während des I. Weltkriegs. Heute finden Materialschlachten mit Drohnen und dem Joystick in der Hand statt, aber diese Schlachten sind ebenso mörderisch.

Alle Kriegsbeteiligten werden sich etwas einfallen lassen müssen, denn momentan ist nur eines klar – dieser Krieg muss beendet werden. So schnell wie möglich.

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