Waffenstillstand während der Olympischen Spiele? Nö.

In seltener Einigkeit lehnen Wladimir Putin und Wolodomyr Selenskyi einen Waffenstillstand während der Olympischen Spiele ab. Präsident Macron ist einmal mehr desavouiert.

Die Maskottchen von Paris 2024 haben ein echtes Potential - als Ladenhüter... Foto: MAbW / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0int

(KL) – Nun rächt sich, dass Frankreichs Regierung und das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Vorfeld der Olympischen Spiele 2024 in Paris keine klare Kante bezüglich der Teilnahme russischer und belarussischer Sportler zeigten. Durch den lauwarmen Kompromiss, dass Sportler aus diesen Ländern unter „neutraler Flagge“ antreten dürfen, überlassen Frankreich und das IOC Russland das weite Feld der Propaganda und der Kreml nutzt diese Gelegenheit, wie es ihm gefällt. Mit seiner höflichen Bitte nach einem Waffenstillstand während der Spiele ist Emmanuel Macron einmal mehr aufgelaufen.

In Moskau tönte Wladimir Putin, dass seine Sportler „ungerecht“ behandelt würden und er daher gar nicht einsähe, warum er die Kämpfe während der Spiele unterbrechen sollte. Dazu warf er dem IOC und Frankreich vor, die olympischen Grundwerte nicht zu beachten, was darauf hinweist, dass er sie selbst nicht kennt, denn seit der Antike ist es eine Regel, dass kriegsführende Länder nicht an den Spielen teilnehmen dürfen. Eine Feuerpause während der Spiele ist also keine Option für Russland.

Und ein einziges Mal ist Wolodomyr Selenskyi mit Putin einer Meinung – einen Waffenstillstand soll es nicht geben. Es sei denn, so die rhetorische Aussage des ukrainischen Präsidenten, Emmanuel Macron könne garantieren, dass Russland eine solche Feuerpause nicht ausnutzen würde, um weiter Truppen an die Front zu entsenden und seine Offensive so zu stärken. Das kann Emmanuel Macron natürlich nicht und folglich will Selenskyi ebenso wenig einen temporären Waffenstillstand wie Wladimir Putin.

Die französische Regierung setzt zwar alle Kommunikations-Hebel ein, um den Franzosen diese Spiele schmackhaft zu machen, doch das klappt nicht so richtig. Es herrschen derart viele Befürchtungen vor diesen Spielen in der Bevölkerung, dass schon im Vorfeld der Wurm in Paris 2024 ist. Neben einer chaotischen Organisation, beispielsweise der pharaonischen Eröffnungsfeier auf der Seine, aber auch der Verkehrs- und Sicherheitsplanung bis hin zu Wettbewerben, die in der verschmutzten Seine stattfinden sollen, in der man nicht einmal seinen Hund ein Stöckchen holen lassen würde, sind die Frage der politischen Implikationen und die Angst vor Terroranschlägen in der französischen Hauptstadt bestimmend. Von der Explosion der Preise in Paris einmal ganz abgesehen.

Für Emmanuel Macron, der sich mit diesen Spielen so gerne ein Denkmal setzen will, ist das alles nur noch peinlich. Wieder einmal wollte er sich als internationaler „Friedensengel“ einen Namen machen, wieder einmal ist er damit gescheitert. Man darf gespannt sein, was an diesen Hochsicherheitsspielen überhaupt noch übrig bleibt, nur eines ist heute bereits klar – Paris 2024 wird nicht das „Fest der Jugend der Welt“, sondern eine Propagandashow für Ost und West, wobei der Westen so ungeschickt war, Russland und Belarus für deren Propaganda eine Autobahn zu eröffnen.

Es wäre einfacher und richtiger gewesen, hätte die französische Regierung den russischen und belarussischen Sportlern und Funktionären schlicht und ergreifend die Einreise nach Frankreich verweigert. Aber dazu reichte der Mut dann doch wieder nicht und Emmanuel Macron enttarnt sich von Woche zu Woche immer mehr als Lautsprecher. Einerseits würde er gerne Bodentruppen gegen Russland an die Front schicken, andererseits traut er sich nicht einmal, ein Visum-Verbot für russische und belarussische Sportler auszusprechen. In Moskau muss man sich angesichts dieses Herumgehampels den Bauch vor Lachen halten…

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